Europa

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Bewertung
*****
Originaltitel
Europa
Kategorie
Neo Noir
Land
DNK/FRA/GER/SWE/CH
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Jean-Marc Barr, Barbara Sukowa, Udo Kier, Ernst-Hugo Järegård, Eddie Constantine

Regie
Lars von Trier
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Frankfurt am Main im Oktober 1945: Leopold Kessler (Jean-Marc Barr) ist Sohn deutscher Auswanderer und aus New York kommend just wieder in Deutschland eingereist. Am Frankfurter Hauptbahnhof trifft er auf seinen Onkel (Ernst-Hugo Järegård), der dem Bruder dessen Gang ins Exil nie verziehen hat und Leopold kühl davon unterrichtet, dass er ihm eine Anstellung als Schlafwagenschaffner bei dem deutschen Bahnunternehmen Zentropa besorgt habe. Der Neffe muss einige Untersuchungen über sich ergehen lassen, erhält seitens des Onkels eine Uniform und eine Einweisung, sodann tritt er in einem neu bereit gestellten Schlafwagen für Reisende erster Klasse seinen Dienst an. Ein ranghoher Inspekteur (Dietrich Kuhlbrodt) erläutert ihm mit einigem Pathos, welche Ehre und welches Privilieg der Dienst in einem solchen Waggon ihm böte und der Onkel stimmt zu. Als der Zug schließlich aus dem mit Flüchtlingen und Obdachlosen überfüllten Frankfurter Bahnhof in Richtung Berlin abfährt, verabschiedet sich der Onkel schon bald in die Teeküche und überlässt den Service für die Reisenden seinem Neffen Leopold. Als erstes macht der junge Mann die Bekanntschaft der mondänen Katharina Hartmann (Barbara Sukowa), Tochter des Zentropa-Eigentümers Max Hartmann (Jørgen Reenberg), die in einer eigenen Kabine allein reist. Doch mit dieser vielversprechenden Begegnung beginnt für den Idealisten Leopold Kessler eine überaus leidvolle und schmerzhafte Desillusionierung…
 
Lars von Triers vierter Spielfilm - seinen Abschlussfilm an der  Dänischen Filmhochschule, Bilder der Befreiung (DNK 1982), nicht eingerechnet - erhielt 1991 auf den Filmfestspielen in Cannes u.a. den Sonderpreis der Jury. Europa bildet das Finale seiner Europa-Trilogie, denen die Teile Spuren eines Verbrechens / The Element Of Crime (DNK 1984) und Epidemic (DNK 1987) vorangegangen waren. In den USA lief der Film 1992 unter dem Titel Zentropa, was im gleichen Jahr auch der Name einer dänischen Filmproduktionsfirma wurde, die Lars von Trier mit dem Produzenten Peter Aalbæk Jensen gründete. Zentropa zählt heute zu den angesehensten und größten Produktionsfirmen seines Landes. Für manchen Filmkritiker markiert Europa den Endpunkt einer Phase des Perfektionismus’ (der Bildsprache) im Schaffen des Regisseurs und das hat seinen Grund. Lars von Trier war seinerzeit deutlich von den innovativen Ästheten unter den großen Regisseuren der Filmgeschichte beeinflusst. Andrej Tarkowskij, Fritz Lang, Alfred Hitchcock und Orson Welles sind auch für Europa die Vorbilder eines Films, der zugleich den Film Noir als Inspirationsquelle nicht bloß seines Stils niemals leugnet. Begann schon der Neo Noir Spuren eines Verbrechens / The Element Of Crime (1984) mit der Einleitung zu einer langen Rückblende, so hört der Zuschauer in Europa zuerst Max von Sydow als Erzähler aus dem Off, bevor ihn ein kontraststarkes Schwarzweiß in die unmittelbare Nachkriegsära zurückführt.
 
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Tatsächlich sind die Bilder der Kameraleute Henning Bendtsen, Edward Klosinski und Jean-Paul Meurisse geradezu hypnotisch – jede Einstellung erzählt weit mehr, als sie zeigt. Nicht nur der stimmige Wechsel von Schwarzweiß zu einzelnen Farbsquenzen sondern die Raffinesse der Stilmittel insgesamt steigert sich im Lauf der Handlung, bis sie in einem grandiosen Finale kulminiert. Doch Lars von Trier schafft es erneut, dem Einfluss seiner Vorbilder nicht zu erliegen, sondern ihn für ein eigenständiges Filmwerk zu nutzen. Erinnert Europa zu Teilen auch an Jacques Tourneurs Berlin Express (USA 1948) oder an Carol Reeds Der dritte Mann (UK 1949), die jeweils von Besuchen US-amerikanischer Idealisten im kriegszerstörten Europa berichten, wird schnell klar, dass Raum und Zeit im Film Europa wie schon in Spuren eines Verbrechens / The Element Of Crime (1984) einen Kosmos der Kunst bilden und all seine Bilder mehr bieten und mehr fordern, als ein Thriller oder ein politisch gefärbtes Geschichtsdrama es täten. Der vollends dystopische Entwurf von Europa markiert eine historische Epoche, darin alle Hoffnung zu Grabe lag und die Fassade bürgerlicher Gepflogenheiten vor der darunter liegenden Mechanik des Gemeinwesens kaum noch sichtbar war. Lars von Triers OP am offenen Herzen dieser Epoche ist eine Reise in die Nacht - ein Film Noir im ursprünglichen Sinn des Stifters solchen Begriffs.
 
Europa ist in den USA - erstklassig restauriert und mit zahllosen Extras - als 2DVD im Rahmen der angesehenen Criterion Collection (2008) erschienen; in England liegt das Werk bei Palisades Tartan seit 2002 als DVD vor, ungekürzt im Originalformat mit dem englisch-deutschen Originalton inklusive englischer Untertitel, dazu Filmografien und den Kinotrailer. Doch wo bitte bleibt die deutsche Edition der Europa-Trilogie und der übrigen Lars-von-Trier-Werke der Achtziger?
 

Neo Noir | 1991 | International | Lars von Trier | Eddie Constantine

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