Man Who Wasn’t There, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Man Who Wasn’t There / The Barber
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/USA
Erscheinungsjahr
2001
Darsteller

Billy Bob Thornton, Frances McDormand, James Gandolfini, Michael Badalucco, Scarlett Johansson

Regie
Joel Coen
Farbe
s/w
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Santa Rosa, Kalifornien, im Jahr 1949: Ed Crane (Billy Bob Thornton) ist mit Doris (Frances McDormand) verheiratet und arbeitet als Friseur mit seinem Schwager Frank (Michael Badalucco) in dessen Laden. Sie schneiden Jungs und Männern die Haare, doch während Frank von morgens bis abends redet, raucht Ed Crane eine Zigarette nach der anderen und schweigt. Doris arbeitet in der Ladenkette Nirdlinger, deren Inhaberin Ann Nirdlinger Brewster (Katherine Borowitz) ist, die aber von ihrem Ehemann Big Dave Brewster (James Gandolfini) geleitet wird. Nirdlinger ist führend im Textilhandel der Region und Doris kann sich bei Eröffnung der nächsten Filialen Hoffnung auf eine Leitungsfunktion machen. Während ihr Mann Ed nach außen geradezu emotionslos wirkt, ist Big Dave ein extrovertierter Typ, was Doris bei den Abendessen der befreundeten Paare stets genießt. Zudem war Big Dave während des Krieges als Soldat im Pazifik und kann mit wilden Anekdoten punkten. Sogar Ed hat den Eindruck, dass Dave und Doris sich viel näher stehen, als er selbst seiner Frau je kommen könnte… Eines Tages taucht kurz vor Ladenschluss ein Mr. Creighton Tolliver (Jon Polito) in Franks Laden auf, den Ed noch bedient. Tolliver erklärt, dass er wegen eines Geschäftsabschlusses in Sachen Trockenreinigung nach Santa Rosa gekonmmen sei, genau 10.000 US-Dollar brauche er für ein Geschäft, dem die Zukunft sicher sei. Sein ursprünglicher Partner sei jedoch abgesprungen. Zuhause angekommen, lässt Ed Crane diese Idee nicht mehr los und er beschließt, Tolliver aufzusuchen und ihm ein Angebot zu unterbreiten…
 
“I was a ghost. I didn't see anyone. No one saw me. I was the barber.” Joel Coen erhielt auf dem Filmfestival in Cannes 2001 den Preis für die beste Regie. Tatsächlich erweisen sich bei einem Wiedersehen über ein Jahrzehnt später die Regie und das Skript als geradezu herausragend. Seinerzeit ein Flop an den Kinokassen, als lahm und im Gegensatz zu dem völlig überschätzten und im Grunde schwächeren The Big Lebowski (1998) kaum dem hysterisch-brutalen Tarantino-Stil jener Jahre verschrieben, galt The Man Who Wasn’t There lange als das Kunstprojekt der Coen-Brüder, eine bemühte Hommage ans Film-Noir-Kino der Vierziger, die formal brillant - Kameramann Roger Deakins wurde für den Oscar nominiert und gewann den British Academy Film Award! – doch wenig spannend sei. Solche „Kunst“ aber findet sich einzig im Filmstil. Die Erzählung selbst ist alles andere als artifiziell, ihr Duktus ist ruhig und weder sonderlich verschachtelt noch sonst wie rätselhaft. Bei der internationalen Kritik kam der Neo Noir der Coen-Brüder besser weg, weil nicht zuletzt dessen Sprache – wie im klassischen Film Noir – die Magie ausmacht, vom pointiert sarkastischen Erzähler aus dem Off, Ed Crane, über versteckte Anspielungen an den Autor großer Film-Noir-Vorlagen, James M. Cain, bis hin zu den üblichen Gimmicks. So trägt Cranes Anwalt Dr. Freddy Riedenschneider (Tony Shalhoub) den Namen von Doc Erwin Riedenschneider (Sam Jaffe) aus John Hustons Asphalt-Dschungel  / Raubmord (USA 1950), etc. pp.
 
“The look, feel and ingenuity of this film are so lovingly modulated you wonder if anyone else could have done it better than the Coens”, schrieb Roger Ebert seinerzeit über The Man Who Wasn’t There und musste einräumen, dass ihn selbst erst ein zweites Anschauen auch vom Rhythmus der Geschichte überzeugen konnte. Ed Crane ist ein langsamer und kein sonderlich komplexer Charakter und es ist sein Rhythmus, dem der Film sein Erzähltempo und seine Erzählung selbst verdankt. Das ist in der Sprache explizit und für alle Beziehungsebenen des Dramas relevant, so dass zuletzt die gesamte perfide Logik des Drehbuchs daran hängt. Zur überzeugenden und im Innersten als Referenz ans Film-Noir-Kino konstruierten Geschichte gesellt sich zudem eine Riege so erfahrener wie bemerkenswerter Darsteller. Billy Bob Thornton lässt sich als Ed Crane wahrlich die Butter nicht vom Brot nehmen. Frances McDormand und James Gandolfini entwickeln eine wundervolle Chemie miteinander. Richard Jenkins ist immer großartig, und es gibt die 17jährige Scarlett Johannsson und den schon erwähnten Tony Shalhoub in Bestform. Das Manko besteht darin, dass ein Film der Coen-Brüder – ähnlich wie einer von Tarantino – immer einer über Filme ist. Die Charaktere umweht der Mottenduft von Kinogeschichte. Sie sind Typen, die der Zuschauer schon kennt, und nur zäh füllen sie sich mit Eigenleben, so sehr kleben an ihnen die Zitate und die Ironie des Filmwerks als kulturhistorische Bezugnahme. Dennoch ist The Man Who Wasn’t There für mich der vielleicht beste Film der Coen-Brüder überhaupt.
 
Sehr gute DVD-Ausgabe (2002) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, optional deutsche oder englische Tonspur, keine Untertitel und ohne Extras. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 2001 | USA | Joel Coen | Ethan Coen | Roger Deakins | Billy Bob Thornton | James Gandolfini | Richard Jenkins | Tony Shalhoub | Frances McDormand | Jennifer Jason Leigh | Scarlett Johansson

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