Kid Galahad

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Bewertung
***
Originaltitel
Kid Galahad
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1937
Darsteller

Edward G. Robinson, Bette Davis, Humphrey Bogart, Wayne Morris, Jane Bryan

Regie
Michael Curtiz
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Jim Burke (Hank Hankinson) ist Profiboxer und bei Nick Donati (Edward G. Robinson) exklusiv unter Vertrag. Chuck McGraw (William Haade) ist der Champion - unter Vertrag beim Gangster Turkey Morgan (Humphrey Bogart). In einem Boxkampf zwischen den beiden, der in Philadelphia, Florida, stattfindet, unterliegt Jim Burke seinem Herausforderer McGraw schließlich durch KO. Aber das Ende des Kampfes war zwischen Burke und Morgan abgesprochen, wofür der Boxer eine üppige Bestechungssume erhält. Nick Donati, der Burke sofort nach dem Kampf feuert, hat davon keine Ahnung. Auf der Fahrt in ihr Hotel macht Louise Phillips (Bette Davis) - Nickys langjährige Freundin, die von allen „Fluff“ genannt wird - Donati einige Vorwürfe, da ihn sein Temperament vorschnell Burkes Rauswurf nahelegte. Durch die Niederlage haben die beiden viel Geld verloren und müssen von vorn anfangen. Also schmeißt Nick Donati in seiner Hotelsuite eine Party, die sich über Tage hinzieht und alle möglichen Figuren aus der Halbwelt des Kampfsports wie auch deren Begleiterinnen anzieht. Irgendwann taucht der Hotelpage Ward Guisenberry (Wayne Morris) dort auf, der an seinem ersten Tag im Dienst jetzt für Donati & Co. die Drinks mixen soll, davon aber keine Ahnung hat. Kurz darauf informiert Donatis rechte Hand Silver Jackson (Harry Carey) seinen Boss, dass Burke von Morgan geschmiert worden sei, der nun ebenfalls mit einigen seiner Jungs und deren Frauen im Schlepptau auf Nick Donatis Fest erscheint…
 
”You’ll get thrown into a rotten life that will knock those clear-cut illusions of yours higher than a kite.“ Sätze wie dieser versprechen allerdings weit mehr, als der Film am Ende hält. Trotz seiner fulminanten Besetzung ist Kid Galahad eins jener Gangsterdramen von der Stange, wie sie für die zweite Hälfte der Dreißiger typisch waren. Hier ist nichts wahrhaft schlecht, aber auch nichts bemerkenswert. Bette Davis, Edward G. Robinson und Humphrey Bgart überzeugen in ihren Rollen, doch die von ihnen dargestellten Charaktere sind allzu klischeehaft – Raue-Schale-weicher-Kern versus Fiesling und die Welterfahrene-Frau-mit-Herz als Dreingabe. Vor allem Bette Davis läuft weit unterm Niveau ihres Facettenreichtums, den sie bei komplexeren Rollen zur vollen Entfaltung bringt. In Filmen wie Mord im Nachtclub (1937) - ebenfalls mit Humphrey Bogart, Jane Bryan und Frank Faylen - oder Das Geheimnis von Malampur (1940) spielt sie das Ensemble geradewegs an die Wand. Zudem erweist sich die Liebe der cleveren Louise Phillips zu dem tumben Bauernsohn Ward Guisenberry als völlig unglaubwürdig. Überhaupt sind Wayne Morris und Jane Bryan die Schwachpunkte des Films. Vor allem Bryans Darstellung der Marie Donati als “All-American-Girl“, das aber die Schwester des italienischen Nick Donati sein soll, - zum Zeitpunkt des Drehs war Robinson 43 und Bryan 18 - ist beinahe grotesk. Während Nick mit Mama Donati (Soledad Jiménez) ausschließlich Italienisch plappert, sprechen sie in ihren Szernen zu dritt (sowie Mutter mit Tochter) nur Englisch. Dem Zuschauer erscheint das völlig logisch, sowenig ist man geneigt, Jane Bryan die italienische Herkunft zuzuschreiben, die zugleich das Verhältnis der Geschwister definiert.
 

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© Warner Bros.
 
Dennoch war Kid Galahad als ein Kriminalfilm im Boxermilieu stilbildend. Regisseur Michael Curtiz beweist Gespür für Takt und Tempo. Die Szenen in der Kampfsportarena sind für ihre Zeit beeindruckend. Ab 1947 gab es eine Reihe exzellenter Film-Noir-Dramen, die im Boxsport angesiedelt waren und sich die Nische nicht grundlos ausgesucht hatten. Jagd nach Millionen (1947), Ring frei für Stoker Thompson (1949) und Zwischen Frauen und Seilen (1949) zählen zu den kompromisslosesten Film Noirs ihrer Ära. Der Boxsport als brutale, gewinnträchtige und korrupte Spielart des Kapitalismus seiner Zeit – schnelles Geld, Versprechen von Reichtum und Macht und ein Leben in Saus und Braus – wird von beiden Seiten der Medaille beleuchtet; Gewinner und Verlierer zeigen ihr Antlitz ungeschminkt. Bette Davis, auf Melodramen abonniert, war im Film Noir leider kaum noch vertreten. Edward G. Robinson traf in John Hustons Gangster in Key Largo  / Hafen des Lasters ein fünftes und letztes Mal auf Humphrey Bogart, der 1956 in seiner letzten Rolle, in Mark Robsons Film Noir Schmutziger Lorbeer, einen Boxpromoter darstellt – in einer von Gier und Korruption völlig zerfressenen Welt des Sports. Michael Curtiz schrieb nach seinem Casablanca (1942) vor allem auch mit Film Noirs wie Solange ein Herz schlägt (1945), Der Unverdächtige (1947) und Menschenschmuggel (1950) weiterhin Filmgeschichte.
 
Exzellente deutsche DVD-Ausgabe (2008) von Warner Bros. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch topp restauriert, mit Tonspuren auf Deutsch, Englisch Italienisch oder Spanisch, dazu wahlweise italienische oder spanische Untertitel sowie zwei Cartoons, drei Kurzfilme, ein Wochenschaubericht und den original Kinotrailer als Extras.

 


Pre Noir | 1937 | USA | Michael Curtiz | Edward G. Robinson | Frank Faylen | Humphrey Bogart | Bette Davis | Jane Bryan

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