Mord im Nachtclub

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Bewertung
****
Originaltitel
Marked Woman
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1937
Darsteller

Bette Davis, Humphrey Bogart, Lola Lane, Isabel Jewell, Eduardo Ciannelli

Regie
Lloyd Bacon
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
New York: Gangster Johnny Vanning (Eduardo Ciannelli) übernimmt den Club Intimate. Zwecks Umbau und Modernisierung besichtigt er die Lokalität und macht dabei die Bekanntschaft der Callgirls, die betuchte Gäste unterhalten, damit letztere für den gehobenen Standard ihres Nachtlebens viel Geld ausgeben. Aber Estelle (Mayo Methot) scheint Vanning zu alt für den Job und er will sie feuern, als ihre Kollegin Mary Dwight (Bette Davis) sich für sie stark macht. Vanning, sich seiner uneingeschränkten Macht bewusst, zeigt sich von Mary beeindruckt und lädt sie zu einer Privatparty ein, wofür sie insbesondere von Emmy Lou (Isabel Jewell) beneidet wird. Doch Mary gibt Vanning einen Korb und zieht mit ihren Freundinnen von dannen. Sie bewohnen zu fünft ein Apartment und neben Mary, Estelle und Emmy Lou sinnieren heute auch Gabby (Lola Lane) und Florrie (Rosalind Marquis) über ihre Zukunft im ganz von Vanning beherrschten Gewerbe nächtlicher Unterhaltung. Bald läuft der Club Intimate besser als je zuvor. Eines Abends lässt sich eine Gesellschaft Handlungsreisender, angeführt von Ralph Krawford (Damian O’Flynn), dort einen Tisch anweisen. Die Herren hauen auf den Putz, aber als es um die Rechnung und eine Spielschuld geht, hat Krawford nicht genug Geld dabei. Er springt in Begleitung von Mary Dwight ins nächste Taxi und gesteht ihr auf der Fahrt zu seinem Hotel, dass er ein armer Schlucker sei und die Zeche prellen wolle. Sie macht ihm klar, dass in so einem Fall mit Johnny Vanning nicht gut Kirschenessen sei, dessen Häscher ihnen bereits unbemerkt folgen…
 
“Marked Woman owes quite a bit to the studio’s earlier gangster movies and anticipates the cynical doom-laden film noir style”, schreibt dfordoom für Classic Movie Ramblings und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Im Jahr 1937 kam ebenfalls mit Humphrey Bogart und mit Joel McCrea auch William Wylers Sackgasse und mit Sylvia Sidney und mit Henry Fonda in den Hauptrollen Fritz Langs Gehetzt / Du lebst nur einmal heraus. In Hollywood war bis zum Schock von Pearl Harbor im Spätjahr 1941 und dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg stets Raum für systemkritische Filme, die sich für die Rechte derer in mehr oder minder tiefen Schatten der Klassengesellschaft einsetzten und einiges an Furor in ihre Inszenierungen legten. In den Großstädten wirkte die Zeit der Prohibition und der großen Depression noch nach. Arbeiter und Kleinbürger waren im Land der unbegrenzten Möglichkeiten schon längst an ihre Grenzen gestoßen und Dashiell Hammett, Raymond Chandler und James M. Cain schrieben just jene Romane, die im folgenden Jahrzehnt die Vorlagen der Film-Noir-Klassiker wurden. So greift Mord im Nachtclub – frei nach dem Prozess gegen Gangster Lucky Luciano! - einerseits auf die Gangsterfilme der Frühdreißiger zurück, ein erster Reflex auf die gesellschaftlichen Entwicklungen jener Jahre, andererseits wird die Maskerade der per Gesetz eindeutigen Trennung in die stets integre und die stets illegale Haltung aufgehoben. Politik und Verbrechen, Macht und Gewalt, Recht und Unrecht sind unauflöslich miteinander verschwägert und die kleinen Leute, die Tag und Nacht ums Überleben kämpfen, haben im Zweifelsfall das Nachsehen: “If this is what you call living, I don’t want any part of it.“
 
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© Warner Bros.
 
Das Drehbuch legt die besten Sätze jenen in den Mund, von denen sie das Publikum seinerzeit nicht zu hören gewohnt war, und es offenbart den skrupellosen Materialismus’ der Herrschenden: “Anybody that wouldn’t take dough is crazy. Crazy men are dangerous.” Der weltmännisch elegante und im Luxus schwelgende Vanning ist von Gier und Maßlosigkeit zerfressen, ebenso seine Freunde aus Politik und Wirtschaft, alle fortgeschrittenen Alters, die sich gern mit jungen Mädchen vergnügen und daran gewöhnt sind zu kriegen, was sie wollen. Das Thema der Prostitution wird in Mord im Nachtclub nirgendwo explizit benannt. Zugleich ist es zentrales Motiv des Films; die fünf Damen des Club Intimate verkaufen sich bewusst an den Glamour und den Rausch der Nacht. Erstklassige Darstellung von Bette Davis, die ihrem Ruf alle Ehre macht, und den anderen Beteiligten klar überlegen ist - auch Humphrey Bogart, der als “Good Guy“ keine dankbare Rolle hat, sie aber mit Verve und Energie ausfüllt. Sehr charaktervoll sind Eduardo Cianneli, Lola Lane und Isabel Jewell, die alle keine großen Karrieren zuwege brachten und den Film des Routiniers Lloyd Bacon – 130 Regiearbeiten in 32 Jahren – doch eindeutig bereichern: “And I’m not taking any chances of getting a slap in the face with a spade either.”
 
In den USA gibt es unterm Originaltitel Marked Woman eine exzellente DVD-Edition (2006, RC 1) von Warner Bros.: ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch topp, englischer Originalton und optional englische, spanische, französische Untertitel, den Kinotrailer und die Doku Marked Woman: Ripped From the Headlines als Extras. Sehr empfehlenswert!
 

 

Pre Noir | 1937 | USA | Lloyd Bacon | Eduardo Ciannelli | Frank Faylen | Humphrey Bogart | Bette Davis | Isabel Jewell | Jane Bryan

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