üblichen Verdächtigen, Die

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Bewertung
****
Originaltitel
The Usual Suspects
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/GER
Erscheinungsjahr
1994
Darsteller

Stephen Baldwin, Gabriel Byrne, Chazz Palminteri, Kevin Pollak, Kevin Spacey

Regie
Bryan Singer
Farbe
Farbe
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.
 
San Pedro, Hafen der Metropole Los Angeles: Auf einem vor Anker liegenden Frachtschiff spielen sich eigenartige Dinge ab. Ex-Polizist Dean Keaton (Gabriel Byrne), ein gesuchter Verbrecher, zündet sich eine Zigarette an und setzt mit Streichhölzern eine Lunte aus Benzin in Brand. Ein Unbekannter löscht das Feuer, tritt auf Keaton zu, entzündet sich selbst eine Zigarette und erschießt den Anderen. Dann setzt er die Lunte wieder in Brand, verlässt das Schiff über eine Leiter und es kommt zu einer Explosion. Im Ganzen 27 Tote zählt die Polizei am Morgen. Der aktenkundige Kriminelle Roger „Verbal“ Klint (Kevin Spacey) hat ohne Verletzungen überlebt und wird der Polizei vorgeführt. Im Gegenzug für seine Aussage hat ihm Sgt. Jeffrey Rabin (Dan Hedaya) Straffreiheit zugesichert. Aus New York trifft Zollinspektor Dave Kujan (Chazz Palminteri) bei der Polizei von Los Angeles ein, indessen Jack Baer (Giancarlo Esposito) vom FBI im Krankenhaus darauf wartet, den schwer verletzten Arkosh Kovash (Morgan Hunter), der zur Mannschaft des Schiffes gehörig war, vernehmen zu können. Als Kujan ihn trotz der Garantien durch Rabin unter Druck setzt, erzählt Klint, wie vor sechs Wochen in New York alles seinen Anfang nahm. Als im dortigen Hafen ein Lastwagen mit Waffen verschwand, ließ Kujan selbst als zuständiger Ermittler fünf Verdächtige in Haft nehmen und zu einer Gegenüberstellung antreten. Neben Klint und Keaton waren Michael McManus (Stephen Baldwin), Fred Fenster (Benicio del Toro) und Todd Hockney (Kevin Pollak) darunter. In einer Zelle sitzend neckten die Anderen Dean Keaton, der inzwischen mit der erfolgreichen Rechtsanwältin Edie Finneran (Suzy Amis) verheiratet ist und sein Leben als Krimineller hinter sich zu lassen hoffte. Von dem Plan für einen Coup, den McManus den Anderen vorzuschlagen hoffte und dessen Ausführung fünf Leute erforderte, wollte er anfangs nichts hören…
 
Der Film lief bereits im Oktober 1994 auf dem MIFED Film Market in Italien, bevor er im Januar 1995 auf dem Sundance Filmfestival, USA, und im Mai auf dem Filmfestival in Cannes außer Konkurrenz gezeigt wurde. Kinostart in Europa war im Juli 1995, doch in Deutschland war der Film erst ab dem 18. Januar 1996 zu sehen. Sein Drehbuchautor Christopher McQuarrie bekam 1996 den Oscar für das beste Originaldrehbuch und Kevin Spacey wurde mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. McQuarrie und Regisseur Bryan Singer hatten Spacey für seine Rolle gewonnen, bevor das Filmprojekt überhaupt Finanziers gefunden hatte. Die üblichen Verdächtigen fällt in die erste der Hälfte der Neunziger, als der Neo Noir eine Renaissance erlebte und Filme nach Romanen von Jim Thompson oder auch Remakes von Film-Noir-Klassikern entstanden. McQuarries Skript überzeugt mit Blick auf die formalen Aspekte des Film-Noir-Kanons, die er mit einer besonderen Zielsetzung nutzt und fortentwickelt. Wie in Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1945) beginnt der Film mit dem gewaltsamen Tod seiner Protagonisten, doch die Tat erschließt sich dem Zuschauer lediglich durch ausgedehnte Rückblenden. Mit Klint und dem Matrosen Kovash gibt es auf dem Weg zur Wahrheit zwei Quellen, doch Letztere erweist sich aufgrund fehlender Sprachkenntnisse des Verwundeten als schwer zugänglich. Demgegenüber ist Klint, den Kujan gewaltig unter Druck setzt, stets aufs Neue bereit, seine Geschichte fortzusetzen, die zum legendären, diabolischen Gangster Keyser Söze führt: „The greatest trick the devil ever pulled was convincing the world he did not exist. And like that... he is gone.“
 
Der Film rief bei Kritikern und beim Publikum ein gleichermaßen positives Echo hervor. Neben Tarantinos Pulp Fiction (USA 1994) brachte Die üblichen Verdächtigen einen erzähltechnisch frischen Wind ins Kino. Der Film war überraschend – nicht nur für die Wahrheitssucher hinter den Schreibtischen sondern auch für den Zuschauer. Dass Letztere von McQuarrie und Singer nicht für dumm verkauft wurden, zahlte sich aus. War Alfred Hitchcock wegen Rückblenden, die das Publikum belügen, für Die rote Lola (UK 1950) noch abgestraft worden, wurde Die üblichen Verdächtigen zum Erfolg. So scheint die Figur Keyser Söze von Dr. Mabuse, der Spieler (GER 1922) inspiriert; das bemerkenswerte Finale auf dem Schiff zeigt Anklänge an Geheimagent T (USA 1947) und auch French Connection II (USA 1975). Trotz der Kameraarbeit durch Newton Thomas Sigel (Drive, USA 2011), trotz seiner komplexen Struktur und trotz der Vielzahl schillernder Charaktere ist Die üblichen Verdächtigen aber nicht das Meisterwerk, als das manche Kritiker es zu lancieren suchten. Dafür fehlt dem Spiel mit den verstecken Identitäten ein wenig an Tiefe und Substanz, die seinen Figuren letzten Endes abgeht.
 
Recht gut deutsche DVD-Ausgabe (2001) der Sony Pictures Home Entertainment: ungekürzte Spielzeit im Originalformat, wahlweise deutsche oder englische Tonspur, reihenweise Untertitel. An die englische 2DVD (2006) von Metro-Goldwyn-Meyer Studios Inc. kommt sie allerdings nicht heran, schon gar nicht preislich.
 

Neo Noir | 1994 | USA | Bryan Singer | Newton Thomas Sigel | Benicio del Toro | Chazz Palminteri | Dan Hedaya | Gabriel Byrne | Giancarlo Esposito | Kevin Pollak | Kevin Spacey | Pete Postlethwaite

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