Tödliche Bekenntnisse

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Bewertung
*****
Originaltitel
Sur mes lèvres
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
2001
Darsteller

Vincent Cassel, Emmanuelle Devos, Olivier Gourmet, Olivia Bonamy, Olivier Perrier

Regie
Jacques Audiard
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Paris: Carla (Emmanuelle Devos) arbeitet als Sachbearbeiterin beim Bauunternehmer Sedim, wo sie sich gern bewähren und für größere Aufgaben qualifizieren möchte. Ihre extreme Schwerhörigkeit und ihre verschlossene Art machen ihr als ledige Mittdreißigerin in einer Männerdomäne das Leben schwer und sie wird häufig zum Gespött ihrer Kollegen, unter denen sich vor allem Keller (Pierre Diot) hervortut. Sie weiß davon, denn sie besitzt die Gabe, von den Lippen abzulesen, die sie sich in einer Zeit völliger Taubheit angeeignet hat. Als Carla direkt nach einer Mobbingattacke gegen sie zufällig zu Direktor Morel (Bernard Alane) bestellt wird, fällt sie in Ohnmacht. Morel schlägt ihr vor, ein paar Tage auszuspannen oder noch jemanden einzustellen. Auf dem Arbeitsamt gibt Carla deshalb ein Stellengesuch für eine Bürohilfe auf. Abends trifft sie sich mit ihrer Freundin Annie (Olivia Bonamy), deren Baby sie hütet, während diese mit Freundinnen einen Salsa-Club besucht. Kurz darauf stellt sich Paul Angeli (Vincent Cassel) bei ihr vor, der nicht gerade Carlas Vorstellungen eines Assistenten entspricht und obendrein ein ex-Häftling ist. Zugleich fühlt sie sich sie von dem ungelenken Außenseiter angezogen und gibt ihm eine Chance. Die Einarbeitung bei Sedim gestaltet sich schwierig, doch Carla wächst an ihrer Position gegenüber Paul, der seinem Bewährungshelfer Masson (Olivier Perrier) Rechenschaft über seine Fortschritte ablegen muss. Die beiden raufen sich zusammen, Carla organisiert Paul sogar eine Wohnung, als es zwischen ihnen zu einem herben Missverständnis kommt. Am nächsten Tag erscheint ein Unbekannter im Büro und schlägt Paul auf der Herrentoilette zusammen. Es soll ihn an die 70.000 Francs erinnern, die er dem Gangster Marchand (Olivier Gourmet) schuldig ist….
 
„Jacques Audiards Tödliche Versprechen ist ein kompromissloser Mix aus hartem Sozialdrama und modernem Film Noir“, heißt es im Presseinfo des Filmvertriebs Pierrot Le Fou, dem die deutsche Erstveröffentlichung dieses Meisterstücks zu verdanken ist. Der Satz trifft den Nagel auf den Kopf, zumal hier eh kein Widerspruch zu finden wäre, doch zugleich ist solcher Thriller um einiges mehr. Wer Alfred Hitchcock (aufgrund der Parallelen zu Das Fenster zum Hof, USA 1958) als Referenz angibt, wie das in Anbetracht von Sur mes lèvres (Originaltitel) die BBC tat, sollte sich auf Augenhöhe bewegen und zu seinem Idol nicht aufschauen müssen. Doch das kann Regisseur Jacques Audiard, der ein gestandener Drehbuchautor ist und u.a. für das Skript des französischen Neo Noirs Das Auge (FRA 1983) verantwortlich zeichnete. So richtig bekannt wurde er 2009, als sein Gefängnisdrama Der Prophet nicht nur in Europa Wellen schlug. Warum nicht bereits 2001 Tödliche Bekenntnisse eine solche Reaktion auslöste und auch in Deutschland den Weg ins Kino fand, erscheint retrospektiv rätselhaft. Der Film ging nahezu überall in den Verleih, in der Schweiz sogar synchronisiert  – nur in Deutschland nicht, bis er dann unterm Titel Lippenbekenntnisse im Fernsehen lief.  
 
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© Pierrot Le Fou / Alamode Film
 
Vincent Cassel und Emmanuelle Devos bieten in diesem Drama voller Überraschungen und Referenzen an den klassischen Film Noir französischer Prägung Schauspielerkino vom Feinsten. Vollkommen unaufgeregt, mit der Präzision eines Ingenieurs bringt die Regie ihre Geschichte auf die Schiene und lässt über 115 Minuten nicht locker. Hier ist keine Einstellung verschenkt, dabei wird nicht unbedingt viel gesprochen – Carla und Paul sind auch im Reden keine Meister. Ihr Miteinander hat jedoch so viele körperlich ausdrucksstarke Momente, dass es eine Freude ist. Seine subtile Spannung und seinen Reiz bezieht der Neo Noir Tödliche Bekenntnisse aus der Gegenüberstellung von Welt und Gegenwelt in den Figuren Carla und Paul sowie aus deren Teilhabe an der jeweils Anderen via Aufteilung in eine Tag- und eine Nachtsphäre, die sich in ihren Funktionen, Normen und Werten in dem Maße gleichen, wie die Kluft zwischen den beiden Einsamen sich schließt. So wenig romantisch, so scheinbar „realistisch“ die Darstellung von Außenwelt und so dünn die Trennlinie zwischen bürgerlicher Sicherheit und roher Gewalt auch ist, so romantisch ist von der ersten Minute das Verhältnis der Protagonisten. Tödliche Bekenntnisse ist ein Ausnahmefilm, ein eigenwilliges Meisterwerk, das in der ihm eigenen Form in keiner Minute schwächelt. Im Ganzen wurde Tödliche Bekenntnisse 2002 in neun Kategorien für den César nominiert, u.a. als Bester Film sowie für das Drehbuch und die Regie. Emmanuelle Devos gewann denjenigen als die beste Hauptdarstellerin. Nominiert wurde sie auch für den Europäischen Filmpreis und auf dem Internationalen Filmfestival von Newport, USA, bekam sie für ihre Rolle der Carla den Darstellerpreis.
 
Eine gewohnt exzellente DVD bzw. Blu-ray aus dem Hause Pierrot Le Fou / Alamode Film, München, die den Film ungekürzt im Originalformat, mit deutscher und französischer Tonspur, wahlweise deutschen Untertiteln, einem Audiokommentar, dem original Kinotrailer und geschnittenen Szenen als Extras serviert. Superb!
 

Neo Noir | 2001 | France | Jacques Audiard | Vincent Cassel | Emmanuelle Devos

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