Marder von London, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Never Let Go
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1960
Darsteller

Richard Todd, Peter Sellers, Elizabeth Sellars, Adam Faith, Carol White

Regie
John Guillermin
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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London, England: Lionel Meadows (Peter Sellers) ist nach außen der ehrenwerte Besitzer einer Autowerkstatt im Zentrum der Stadt. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Fassade der Kopf einer Diebes- und Hehlergruppe. MacKinnon (John Bailey) besorgt auf Schrottplätzen die Fahrzeugpapiere alter Wagen. Tommy Towers (Adam Faith) und seine Motorradgang stehlen auf Bestellung genau jene Modelle, die Meadows benötigt. Und Regan (Nigel Stock) besorgt in einer versteckten Werkstatt unter den Brücken der Tram das nötige Frisieren der Beutestücke, bevor sie zu ihren Kunden kommen. Eines Abends klaut Tommy direkt vor den Toren von Berger’s Cosmetics einen nagelneuen Ford Anglia und wird dabei vom Zeitungsverkäufer Alfie Barnes (Mervyn Johns) beobachtet. Der Wagen gehört dem Kosmetikvertreter John Cummings (Richard Todd), der ihn sich in der Woche zuvor gekauft hatte, um künftig schneller bei seinen Kunden zu sein. Als er an dem Abend aus dem Gebäude tritt, ist er schockiert, doch Alfie, der Cummings wohl kennt, will nichts gesehen haben. Ein Besuch bei der Polizei, wo Cummings Anzeige erstattet, ist ebenfalls wenig ermutigend. So kommt er nach Hause zu seiner Frau Anne (Elisabeth Sellars), die soeben ihre beiden Kinder ins Bett gebracht hat. Eine Serie des Scheiterns geht in die nächste Runde, denn John Cummings hat ausgerechnet an einer Kaskoversicherung gespart…
 
“Never underestimate a man who’s lost everything.“ So liest es sich auf der Frontseite der US-DVD von MGM, die den Film 2005 in einer bildtechnisch topp restaurierten Fassung mit englischem Originalton und u.a. englischen Untertiteln herausbrachte, vor allem aber auch im Originalformat 1:66.1. Nun, der Spruch klingt wie das Werbebanner für einen ganz und gar klassischen Film Noir. Tatsächlich schließt John Guillermin überraschend versiert an die Tradition des britischen Film Noirs der fünfziger Jahre an, nutzt Carol White als wasserstoffblonde Femme fatale Jackie, die ihren reichen Liebhaber Meadows mit Tommy hintergeht, bis ihnen dessen rechte Hand Cliff (David Lodge) auf die Spur kommt. Der Marder von London, sein absurder deutscher Titel (von 1963) gemahnt an die Edgar-Wallace-Fernsehkrimis der Frühsechziger und sollte sicher daran gemahnen, ist ein brutaler und ein zunehmend dunkler Film. John Cummings’ Transformation vom Biedermann in Nöten zum hasserfüllten Maniac, der den äußeren Panzer seiner Bürgerlichkeit Stück für Stück absprengt, ist ein intensives Stück Schauspiel, das Richard Todd meisterhaft vorzuführen weiß. Peter Sellers, gleichfalls wider seinen Typ gecastet, steht in seiner Rolle des sadistischen und vom Ehrgeiz zerfressenen Geschäftsmanns Lionel Meadows in nichts nach. Sellers’ aberwitzige Darstellung zeigt Spitzen echter Brillanz und blanken Irrsinns.
 
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Das Schauspiel ist durchweg erstklassig. Die Großstadt London wird in vielen Einstellungen exquisit in Szene gesetzt, um jene klaustrophobische, in eine mentale Isolation gepeitschte Gemütsverfassung Cummings’ punktgenau zu illustrieren. Den Höhepunkt bildet ein Finale, darin Guillermin nicht ohne bissig ironische Setzung (mit Blick aufs nunmehr am Horizont mit der Abendsonne versinkende 20. Jahrhundert…) die Straße und ihre diversen Schauplätze wie in einem klassischen Western inszeniert, der in seinen Showdown mündet. Seine Kollegen und sein Chef, die Polizei und das organisierte Verbrechen – sie alle treiben John Cummings nach dessen Einschätzung zum Äußersten, bis nun auch seine Frau ihn mit den Kindern zu verlassen droht. Indessen viele Kritiker zu Recht auf Vittorio De Sicas Fahrraddiebe (ITA 1948) als eine Inspirationsquelle verwiesen, lassen sich mit Blick auf Charakterentwicklung auch der Versicherungsangestellte John Forbes (Dick Powell) in André de Toths Pitfall (USA 1948), Detective Sergeant Dave Bannion (Glenn Ford) in Fritz Langs Heißes Eisen (1953) und schließlich William „D-Fens“ Foster (Michael Douglas) in Joel Schumachers Falling Down – Ein ganz normaler Tag (1993) als artverwandt anführen. Der Marder von London, obwohl ein B-Film, spielt zu Teilen in genau der Liga und ist nicht zuletzt eine Satire des Verdrängungswettbewerbs im entwickelten Kapitalismus.
 
In Deutschland liegt Der Marder von London als zwar preiswerte, bildtechnisch aber nicht restaurierte Fassung der Phönix Neue Medien GmbH auf DVD vor, immerhin mit deutscher und mit englischer Tonspur. Die Bildqualität ist leider mäßig, doch keinesfalls ganz und gar schlecht. Die englische Edition aus der Peter Sellers Collection ist uns nicht bekannt; die US-DVD (Regionalcode 1) von MGM ist definitiv das Nonplusultra.
 

 

Post Noir | 1960 | UK | John Guillermin | Noel Willman | Peter Sellers | Richard Todd | Elizabeth Sellars

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