Hardcore - Ein Vater sieht rot

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Bewertung
****
Originaltitel
Hardcore
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1979
Darsteller

George C. Scott, Peter Boyle, Season Hubley, Dick Sargent, Leonard Gaines

Regie
Paul Schrader
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Columbia Pictures Corporation

Grand Rapids, Michigan: Zu Weihnachten liegt die Stadt im Kent County unter Schnee begraben. Jake VanDorn (George C. Scott) ist der Inhaber einer Möbelfabrik und lebt allein mit seiner Tochter Kristen (Ilah Davis) in engem Kontakt zu seiner Schwester Ruth (Jean Reed Bahle) und zu Wesley DeJong (Paul Marin) und dessen Familie - Wesleys Ehefrau Anne (Janet Simpson), Tochter Marsha (Karen Kruer) und Sohn Harold Jay. Die VanDorns und die DeJongs sind streng gläubige Calvinisten und haben auch ihre Kinder im Sinne der Lehre ihrer theologischen Bewegung erzogen. Nach den traditionellen Feiern der Festtage fahren die miteinander befreundeten Teenager Kristen und Marsha im Reisebus der Youth Calvinist Convention von Grand Papids zu einer Kirchenfreizeit nach Bellflower, Kalifornien. In den nächsten Tagen kümmert sich Jake VanDorn in seiner Firma und beim Besuch in der Kirche um die üblichen Pflichten, bevor er sonntags bei der Familie DeJong einer Einladung zum Mittagessen folgt. Als das Telefon klingelt, ist es Mrs. Steensma (Jean Allison) aus Bellflower. Sie ist die Reiseleiterin der Youth Calvinist Convention und informiert Jake darüber, dass seine Tochter Kristen bei einem Ausflug der Gruppe verschwunden sei. Jake VanDorn und Wesley DeJong fliegen sofort nach Los Angeles und sitzen am gleichen Tag Police Detective Burrows (Larry Block) gegenüber, der dem Vater eine ernüchternde Einschätzung der Lage vermittelt. Er rät Jake VanDorn dazu, einen Privatdetektiv anzuheuern…

 

“So I guess we're both fucked, huh? Least you get to go to heaven. I don't get shit.“ Der zweite Spielfilm des Drebuchautors und Regisseurs Paul Schrader in beiden Funktionen ist wie sein Vorgänger Blue Collar - Kampf am Fließband (USA 1978) ein Rohdiamant des späten New-Hollywood-Kinos, an dem Schrader selbst durch seine Autorschaft von Martin Scorseses Taxi Driver (USA 1976) Anteil hatte. Mit Blick auf die Bildsprache und den Erzählstil erinnert vieles in Hardcore - Ein Vater sieht rot ans Kino Martin Scorserses, zudem mit Peter Boyle als Privatedetektiv Andy Mast und mit Kameramann Michael Chapman zwei Mitwirkende in und an Taxi Driver mit von der Partie sind. Bereits an Schraders beeidruckendem Debüt Blue Collar - Kampf am Fließband beteiligt, sticht Jack Nitzsche als Komponist des Soundtracks hervor, und auch Leoanrd Gaines als Pornofilmproduzent Ramadan bleibt in Erinnerung. Der Film im Ganzen gehört jedoch George C. Scott (Haie der Großstadt, USA 1961) in seiner Hauptrolle als Calvinist, alleinerziehender Vater und Detektiv wider Willen. Der damals 51jährige wirkt älter, als er war, doch er wird der Komplexität seiner Rolle, die ihn aus der Gemeindekirche in Grand Rapids in die Sex Shops und Bordelle der Rotlichtviertel von Los Angeles und San Francisco führt, bis in deren Einzelheiten gerecht. Dass Schrader den Film inmitten der Boulevards und ihrer einschlägigen Etablissements drehte, stellte die Location Scouts seinerzeit vor erhebliche Herausforderungen, trägt aber viel zur Authentizität und zur Glaubwürdigkeit der Handlungsentwicklung bei. Erwähnenswert ist auch die 27jährige Season Hubley in der Rolle der Prostituierten Niki, die Jake VanDorn auf der Suche nach Kristen zur Seite steht. Neben Linday Haynes und Kay Lenz zählt Hubley für mich zu jenen Darstellerinnen der 70er, die trotz exquisiter Einzelleistungen nie zu Anerkennung und Ansehen fanden.

 

“This relationship, between two people with nothing in common (…) is at the heart of the movie, and makes it important”, schlussfolgerte auch Roger Ebert anlässlich der Premiere des Films Anfang 1979. An der University of California hatte Paul Schrader einst Filmwissenschaften studiert und wurde jener Filmkritiker, der 1972 den Essay Notes on Film Noir schrieb und den Filmstil ins Bewusstsein der US-amerikanischen Öffentlichkeit zurückbrachte. Ursprünglich war er Spross einer streng calvinistischen Familie aus Grand Rapids, Michigan, das in Hardcore - Ein Vater sieht rot Ausgangspunkt der Handlung ist, die wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Allein die letzten 10 Minuten sind ebenso unterhaltsam wie andererseits abrupt und konventionell, was zu dem bis dahin für Hollywood untypischen Film nicht recht passen will. Wahrscheinlich hätte Schrader sein im Milieu angesiedeltes und teils subversives Werk ansonsten nicht finanziert bekommen - schade ist es trotzdem. Im darauffolgenden Jahr erneuerte der Autor Paul Schrader mit seinem Drehbuch für Wie ein wilder Stier (USA 1980) seine Kooperation mit Martin Scorsese und erlangte als Regisseur mit seinem vorerst letzten Neo Noir Ein Mann für gewisse Stunden (USA 1980) auch international eine Reputation. Zugleich beendeten Schrader und Scorsese mit solchen Filmen ihre jeweils fruchtbare Periode der 70er Jahre. Die 80er wurden für beide ein wechselhaftes und mitunter schwieriges Jahrzehnt, was im Übrigen auch für den Neo Noir als solchen gilt.

 

Erstklassige und inzwischen vergriffene deutsche DVD-Edition (2005) der Columbia Tristart Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild und tontechnisch einwandfrei restauriert, Tonspuren auf Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch, optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Hindi, Niederländisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch oder Französisch, lediglich Extras gibt es keine.

 


 

 

Neo Noir | 1979 | USA | Paul Schrader | Paul Schrader | Michael Chapman | Peter Boyle | Tracey Walter

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