Taxi Driver

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Bewertung
****
Originaltitel
Taxi Driver
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1976
Darsteller

Robert De Niro, Peter Boyle, Cybill Shepherd, Jodie Foster, Harvey Keitel

Regie
Martin Scorsese
Farbe
Farbe
Laufzeit
114 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Sony Pictures Home Entertainment
 
New York: Der aus dem Vietnamkrieg heimgekehrte, 26jährige ex-Marine Travis Bickle (Robert De Niro) lebt in einem schäbigen Apartment, leidet an Schlafstörungen und sucht eine Anstellung. Schließlich wird er Taxifahrer und auf seinen Nachtfahrten lernt er das Elend, die Verkommenheit und die Gewalt in der Stadt kennen. Paare nutzen sein Taxi für unbeobachteten Sex; ein betrogener Ehemann (Martin Scorsese) erklärt ihm, wie er seine eigene Frau umbringen will. Zusehends begreift der ursprünglich vom Land stammende Bickle die aus dem Rahmen staatlicher Ordnung fallende Großstadt als Ursache seiner eigenen Desorientierung und Entfremdung. Eines Tages lernt er die hübsche Betsy (Cybill Shepherd) kennen, die als Wahlkampfhelferin für den Senator und Präsidentschaftskandidaten Charles Palantine (Leonard Harris) arbeitet. Travis Bickle sucht den Kontakt zu der jungen Frau und auch zum politischen Programm von Palantines Partei. Nachdem die eingangs vielversprechende Annäherung des einfachen Mannes an die Akademikerin Betsy mit dem Besuch eines Pornokinos jäh gescheitert ist, gerät Bickle zusehends in Situationen, die seinen Hass auf den menschlichen „Abschaum“ in den Straßen der Metropole mehr und mehr anfachen. Vom Waffenschieber Andy (Steven Prince) erwirbt er mehrere Handfeuerwaffen, die er für seine Zwecke besonders präpariert…
 
Im Jahr 1972 publizierte der Filmjournalist Paul Schrader seine Notes on Film Noir und läutete mit der bis heute relevanten Schrift die amerikanische Aufarbeitung der signifikantesten Epoche des Filmschaffens “Made in Hollywood“ ein. Zuvor war der Film Noir, ähnlich wie der u.a. durch Miles Davis ab den Spätvierzigern radikal erneuerte Jazz, als Bestandteil internationalen Kulturschaffens nur in Europa, vor allem in Frankreich ausgiebig gewürdigt worden. Nicht zuletzt die Vertreter der Nouvelle Vague – Godard, Truffaut, u.a. – huldigten in einigen ihrer Schlüsselwerke dem klassischen Film Noir von Fritz Lang bis Robert Aldrich. Zwischen 1976 und 1980 verfasste Paul Scharader selbst mehrere Drehbücher, die als Neo-Noir-Thriller Geschichte schrieben, z.B. Taxi Driver mit Martin Scorsese als Regisseur, sodann Der Mann mit der Stahlkralle (1977) unter der Regie John Flynns oder auch Ein Mann für gewisse Stunden (1980), bei dem Schrader zum zweiten Mal selbst die Regie übernehmen konnte. Vor allem Scorseses Taxi Driver avancierte früh zum Kultfilm und wurde in vieler Hinsicht stilbildend für das internationale Kino der Achtziger: cool, brutal, subversiv und desillusioniert.
 
Streicht man „subversiv“, treffen die Adjektive auf die Figur Travis Bickle selbst zu, den Protagonisten einer Filmhandlung, deren Bitterkeit sich erst im Finale zur Gänze offenbart. Mit Stilisierung des selbstgerechten und hassgetriebenen Kriegsveteranen zum Volkshelden wird dem Zuschauer das Missverständnis sowohl der individuellen als auch der gesellschaftlich sanktionierten Perspektive erschreckend einsichtig. Der Außenseiter Bickle, ein klassischer Film-Noir-Charakter, der mit jedem sozialen Kontakt seine eigene (ihm und uns teils rätselhafte) Einsamkeit neu gespiegelt findet, wechselt durch eine Bluttat gegen „Andere“ am gesellschaftlichen Rand (scheinbar) die Lager. Mitten in New York tritt er in die Söldnerrolle zurück und wird für seine Selbstjustiz von der ihn zuvor ausschließenden Gesellschaft als Held gefeiert. Auf bösartige Weise konterkariert Taxi Driver - im Jahr nachdem der Vietnamkrieg geendet und die Watergate-Affäre einen Keil ins politische Selbstverständnis der Mutter aller Demokratien getrieben hatte - den für die US-Gesellschaft so wichtigen Begriff individuellen Heldentums. Ein Problem des Films sind die Frauencharaktere: Jodie Foster, die mit Taxi Driver zum Filmstar aufstieg, ist als jugendliche Prostituierte Iris furchtbar steif und farblos. Cybill Shepherd, (Die letzte Vorstellung, 1971) ist zwar eine kompetente Darstellerin, doch ihre Betsy gibt als Rollencharakter ebenfalls wenig her. Schrader und Scorsese gelingt dennoch ein vielschichtiges Großstadtdrama, das erfrischend rau ist und über seine Zeit hinaus einflussreich war. Auch in der musikalischen Subkultur der Frühachtziger, bei den Anhängern von Punk und New Wave, fanden Aspekte von Travis Bickles Lebenshaltung und Ästhetik ihren Niederschlag. Paul Schrader versuchte sich mit qualitativ schwankenden Resultaten bald selbst als Regisseur. Neben Ein Mann für gewisse Stunden (1980) war vor allem sein Debüt Hardcore - Ein Vater sieht rot (1979) nochmals dem Film Noir verpflichtet.
 
Hervorragende BD- (2011) und DVD-Editionen (Collector’s Edition, 2002) von Sony Pictures Home Entertainment, ungekürzt und im Originalformat, bildtechnisch erstklassig und mit vielen Tonspuren, darunter Englisch und Deutsch, zudem reichlich Untertitel, auch hier Deutsch und Englisch, dazu eine Flut hochwertiger Extras.
 

Neo Noir | 1976 | USA | Martin Scorsese | Paul Schrader | Michael Chapman | Albert Brooks | Harry Northup | Harvey Keitel | Peter Boyle | Robert De Niro

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