Suburra

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Bewertung
*****
Originaltitel
Suburra
Kategorie
Neo Noir
Land
ITA/FRA
Erscheinungsjahr
2015
Darsteller

Pierfrancesco Favino, Greta Scarano, Alessandro Borghi, Jean-Hugues Anglade, Elio Germano

Regie
Stefano Sollima
Farbe
Farbe
Laufzeit
130 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Rom, Italien, am 5. November 2011: Im Vatikan ist der Papst beim Abendgebet, indessen der junge Priester Giovane (Davide Iacopine) bereit steht und die Bediensteten im Nebenraum den Tisch fürs Nachtmahl decken. Als der Papst seinen Gehilfen herbeiwinkt, ist er sofort zur Stelle. Er kniet nieder und lauscht den Worten seiner Heiligkeit, die ihn jedoch zu bedrücken scheinen… Im Parlament herrscht eine angespannte Stimmung, als der Premierminister (Pascal Zullino) eine bewegende Rede zur Lage intoniert, die abtrünige Parteifreunde auf Linie bringen und die angeschlagene Regierung stabilisieren soll. Der Abgeordnete Filippo Malgradi (Pierfrancesco Favino) aplaudiert besonders laut und gratuliert dem Premierminister, der ihn trotz seiner Loyalität maßregelt und anweist, sich als Mitglied der Kommission mit den Feinden seiner Regierung ins Benehmen zu setzen… In der Villa von Sebastiano (Elio Germano) steigt heute Nacht über den Dächern Roms eine luxuriöse Partie für Leute aus Wirtschaft und Politik, bei der auch die Edelprostituierte Sabrina (Giulia Gorietti) auf der Tanzfläche zu finden ist. Sebastiano hätte einen Interessenten für sie, aber Sabrina gibt zu verstehen, dass sie später noch mit ihrem aktuellen Stammkunden zusammentreffen müsse… Nach zwanzig Jahren im Gefängnis kommt ein krimineller Faschist mit Spitznamen Schabe wieder auf freien Fuß und trifft sich in einem Nachtclub mit dem Samurai (Claudio Amendola), einem der mächtigsten und gefährlichsten Männer der italienischen Metropole…

 

“Directed with vice-grip intensity by Stefano Sollima, this sprawling and propulsive crime film centers on modern organized crime in Italy and how it intersects with politics and the Vatican," fasst Nick Clement für Back To The Movies in aller Prägnanz zusammen und deutet schon an, in welchem Ausmaß hier das Kino für eine Abrechnung von epischer Größe meisterhaft genutzt wird. Die auf Deutsch im Februar 2015 zuerst in Österreich als Suburra: Schwarzes Herz von Rom veröffentlichte Romanvorlage (EA 2013) von Carlo Bonini und Giancarlo de Cataldo rangiert wie Sollimas Neo Noir weit jenseits eines herkömmlichen “Mafiakrimis“ aus Hollywood. Ich war auf die Qualität dieses Films, seine bis ins Detail stimmigen Charakterportraits und seine in lediglich 130 Minuten weit gespannte Vielfalt von Sichtweisen auf die komplexen Verstrickungen von Politik, Klerus und organisiertem Verbrechen gar nicht vorbereitet. Der Film hat mich regelrecht überwältigt und das ist durchweg positiv zu verstehen. Stefano Sollimas gänzlich ungebremstes und sichtbar präzise inszeniertes Drama lässt kaum Zeit zum Luftholen. Dergestalt rasant sind die Handlungsebenen ineinander verzahnt und bewegen sie sich über den Verlauf einer einzigen Woche auf die eingangs angekündigte Apokalypse zu. Was darunter zu verstehen ist, bleibt für den Zuschauer lange Zeit nur zu erahnen. Der Film beginnt mit dem Papst, Lichtgestalt inmitten eines Dickichts aus Korruption, Verbrechen und aller nur denkbaren Spielarten amoralischen Handelns in den niederen Sphären menschlichen Miteinanders. Wir erfahren nicht, was der Papst darüber weiß und wissen doch, dass einige seiner engsten Untergebenen mit dem Samurai geschäftlich verbunden sind und ihrerseits Interessen vertreten. Nichts und niemand in diesem Neo Noir ist integer. Zunehmend dunkler wird die Nacht, die seine Bühne ist, von jener künstlich illuminierten Fassade der Villa Sebastionos bis zum dreckigen Hundezwinger des bestialischen Gangsters Manfredi Anacleti (Adamo Dionisi) und seines Clans.

 

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© Koch Media GmbH

Nicht um ein Sortieren in Gut und Böse, eine im Dienst bürgerlicher Moral stehende Aufklärungsarbeit geht es Stefano Sollima. Derlei ließ der Sohn Sergio Sollimas (Brutale Stadt, ITA/FRA 1970) eindeutig hinter sich - in Suburra regiert einzig Nihilismus. Damit entkernt der Film nicht allein den christlichen Wertekanon mit dem Vatikan als dessen Zentrum, sondern entlarvt in zentralen Sequenzen seiner Handlungslogik vor allem die Machenschaften italienischer Politik, die nur in Händen von Raubrittern in Maßanzügen zu liegen scheint - von denen auf der anderen Seite des Gesetzes nicht zu unterscheiden. Eine in allen Lebenslagen vorherrschende Hemmungslosigkeit, das von keinerlei Skrupeln gezügelte oder gesteuerte Tun aller männlichen Akteure, denen ihre Frauen einzig dienen und folgen müssen, resultiert in orgiastischen Exzessen von Sexualität und Gewalt. Suburra ist in einzelnen Szenen harte Kost und im Ganzen von einer unausweichlichen und bedrohlichen Intensität, die sich zu keinem Zeitpunkt verniedlichen oder sonstwie auf Distanz bringen lässt. Für mich gehört Suburra zu den besten europäischen Neo Noirs der letzten Jahre, ein kompromissloser Film sondergleichen, der für das europäische Kino der Gegenwart Maßstäbe setzt. Im Oktober 2015 hatte er seinen Kinostart in Italien, zwei Monate später auch in Frankreich. Im August 2016 lief er auf dem Noir Film Festival in Křivoklát, Tschechien. Schlicht ein Muss!

 

Erstklassige BD- und DVD-Editionen (2017) als Suburra - 7 Tage bis zur Apokalypse von der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original italienische Tonspur und auch eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel, bild- und tontenchnisch exquisit, den deutschen Kinotrailer und ein Making of als Extras.

 


Neo Noir | 2015 | International | Stefano Sollima | Jean-Hugues Anglade

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