Kiss Kiss Bang Bang

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Bewertung
**
Originaltitel
Kiss Kiss Bang Bang
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2005
Darsteller

Robert Downey jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Dash Mihok

Regie
Shane Black
Farbe
Farbe
Laufzeit
99 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Kiss Kiss Bang Bang-Poster-web1.jpg Kiss Kiss Bang Bang-Poster-web2.jpg Kiss Kiss Bang Bang-Poster-web3.jpg Kiss Kiss Bang Bang-Poster-web4.jpg

© Warner Bros.

Los Angeles, Kalifornien: Auf einer Party in der Villa des ehemals berühmten Schauspielers Harlan Dexter (Corbin Bernsen) findet sich auch der Kleinkriminelle Harry Lockhart (Robert Downey jr.). Am Swimming Pool rekapituliert er, wie er mitten in der Vorweihnachtszeit den Weg in diese Versammlung von Filmleuten fand. Harry hat einen Produzenten, Dabney Shaw (Larry Miller), der ihn entdeckte, und jener kennt den schwulen Privatdetektiv Perry Van Shrike (Val Kilmer), beide stehen ebenfalls auf dieser Party… Nur wenige Stunden zuvor waren Harry Lockhart und sein Kumpel Richie (Josh Richman) in einen Spielzeugladen eingebrochen, wo Harry mit seiner Nichte Chloe telefonierte, um ihr aus dem Sortiment einen Cyber Agent mitzubringen. Doch plötzlich ging die Alarmablage los, und die beiden Einbrecher mussten fliehen. Als sie durch eine Nebenstraße zu entkommen hofften, wurde plötzlich von einer Frau (Martha Hackett) auf einem Balkon auf sie geschossen und Richie tödlich getroffen. Schon ist eine Polizeisirene zu hören. Harry flieht und gerät ins Vorsprechen einer Filmcrew, wo er zufällig direkt vor dem Gremium um den Produzenten Dabney Shaw endet. Harry macht aus der Not eine Tugend und spricht unter dem Eindruck des Verlusts seines Kumpanen Richie, für den er sich voll verantwortlich wähnt, die Textpassage eines schuldigen Verbrechers so überzeugend, dass die Anwesenden von seiner “schauspielerischen“ Leistung extrem beeindruckt sind und ihn auf Harlan Dexters Party einladen…

 

“Yeah, it's a dumb movie thing, but what do you want me to do, lie about it?” Im Grunde macht Shane Black keinen Hehl daraus, dass der Humor seines Films und zu guter Letzt der Film selbst dämlich sind. Es ist jene Art von Witz, bei dem sich auch ein Massenpublikum auf die Schenkel schlägt, denn er ist unmissverständlich rabiat und großteils unter der Gürtellinie. Doch der Autor Black lebt und schreibt in dem Glauben, sein Sprachwitz sei so scharf und subtil wie derjenige Raymond Chandlers, der anhand der Zwischentitel für die vier Handlungstage mehrfach zitiert wird. Aber Kiss Kiss Bang Bang trifft in seinen 99 Minuten Laufzeit nie und nimmer den Ton oder die Rollencharaktere, die einen klassischen Film Noir auszeichnen. Das hier ist Slapstick, derb und vulgär, und oft derart mit der Brechstange erzwungen, dass einem nicht das Lachen sondern das Gähnen im Hals stecken bleibt. Auch ich habe die ersten 10 Minuten genossen, fand den missglückten Überfall im Spielzeugladen und das Casting mit dem flüchtigen Harry Lockhart als Idee und in der Ausführung überaus witzig. Aber schon verlassen den Autor die Einfälle und der Humor des Films gestaltet ihn wie ein Musikstück, bei dem die gleichen zwei Akkorde sich über die gesamte Spielzeit abwechseln und nie etwas von Relevanz hinzukommt. Kiss Kiss Bang Bang ist eine Variation von Harrys erstem Missgeschick in einer unaufhörlichen Aneinanderreihung von ach so klug gewählten Filmzitaten, die man erkennt oder nicht. Zugleich ist ein Fall von Kindesmissbrauch einer der Handlungstreiber. Obgleich der Umstand selbst nicht witzig behandelt wird, ist die hoch relevante Szene von 12 Sekunden Länge - der Vater (Steve Somers) der 7jährigen Harmony Faith Lane (Ariel Winter) tritt nachts ins Kinderzimmer und trägt ihre schlafende Schwester davon - eingerahmt vom infernalischen Witz des Films. Niemand scheint sich daran zu stören; mir stellten sich in Anbetracht der falschen Tonlage des Skripts die Nackenhaare auf. Eine späte Szene, in der Perry Van Shrike den greisen Vater (Harrison Young) Harmonys und Jennas auf dem Krankenbett für seine Vergehen schlägt, ist allzu offensichtlich ein Versuch, das wieder gerade zu rücken.

 

“When all is said and done the film had no emotional appeal to draw one in and its glib humor was just not funny”, schreibt Dennis Schwartz mit gehörigem Scharfsinn für Ozus' World Movie Reviews und gehört damit zu den 15% der Filmkritiker, die diesen Film nicht schätzen. Ganz im Sinne der Filme Quentin Tarantinos sind die Figuren in Kiss Kiss Bang Bang reine Funktionsträger, mit wenigen Strichen entworfene Comichelden oder eben solche aus Pulp-Romanen eines fiktiven Autors namens Johnny Gossamer, aber keine Rollencharaktere, an denen das Skript sich abarbeitet und die es versuchte zum Leben zu erwecken. Val Kilmer, Michelle Monaghan und Robert Downey jr. ist kein Vorwurf zu machen, sie alle sind zumindest solide Schauspieler. Aber Shane Black hat im Grunde keine Empathie für seine Kreation, er macht sich aus allem einen “Spaß“ und der Film wirkt wie das Werk eines Teenagers, dem Warner Bros. für seine spätpubertären Fantasien 15 Millionen US-Dollar in die Hand gedrückt hat. Nicht einmal die Tatsache, dass Robert Downey jr. zum Zeitpunkt des Drehs 39 und Michelle Monaghan 28 Jahre alt war, ein sichtbarer Unterschied, sie aber laut Filmhandlung fast gleichaltrig sein sollen, scheint die Zuschauer zu stören. Wie auch Tarantinos plump eklektizistische Machwerke findet Shane Blacks Mainstream-Komödie den Zuspruch der Massen und der Filmjournaille gleichermaßen, was mir in Anbetracht des Niveaus im Ganzen und jenes Tiefschlags durch den Kindesmissbrauch ein Rätsel ist.

 

Gute BD- und DVD-Editionen (2006) von Warner Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, den original englischen Ton und eine (schrecklich missratene) deutsche Tonspur, optional deutsche oder englische Untertitel, ebenso auch für Hörgeschädigte, das Ganze ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 2005 | USA | Shane Black | Corbin Bernsen | Dash Mihok | Laurence Fishburne | Val Kilmer | Michelle Monaghan

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