No Trees In The Street

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Bewertung
***
Originaltitel
No Trees In The Street
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

Sylvia Syms, Herbert Lom, Ronald Howard, Stanley Holloway, Joan Miller

Regie
J. Lee Thompson
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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London, England: Als der halbwüchsige Kenny (David Hemmings) im rasenden Galopp über eine Brachfläche nahe der Somerset Street davonläuft, rennt er ausgerechnet Det. Sergeant Frank Collins (Ronald Howard) in die Arme, indessen ihm sein Klappmesser aus der blutenden Hand fällt. Der Polizist kümmert sich schon das halbe Leben um die Jugendlichen der Stadt und so erzählt er Kenny eine Geschichte aus der Zeit vor 20 Jahren, als die Straße auf den Namen Kennedy Street getauft war… Seinerzeit hatte Frank Collins ein Auge auf die hübsche Hetty Martin (Sylvia Martin) geworfen, die von ihrer Mutter Jess (Joan Miller) in einer ärmlichen Behausung großgezogen worden war. Dort lebten sie zusammen mit dem erblindeten Bill (Liam Redmond) und mit Mettys Bruder Tommy (Melvyn Hayes), einem damals 17jährigen Tunichtgut, der jedes Jobangebot ausschlug oder ob seiner Faulheit im Nu wieder entlassen wurde. Tommy war eher danach, mithilfe Bills gestohlenen Kleinkram an den Mann zu bringen. Indessen ihre Mutter mit Kipper (Stanley Holloway), Buchmacher der Kennedy Street, und der Nachbarin Marje (Lana Morris) die Zeit vertändelte und heftig trank, sorgte sich allein Hetty um ihren aufsässigen Bruder. Zur gleichen Zeit hatte auch der Gangster J. H. Wilkins (Herbert Lom), von allen Wilkie gerufen, einiges für Hetty Martin übrig. Hinter der Fassade des Geschäftsmanns übersah Wilkie von seinem Büro aus die Straße und er beschloss, sich Tommys anzunehmen. Ihm eine Anstellung anzubieten, hoffte er, würde ihm den Weg zu Hetty ebnen, die ihn als einzige in der Kennedy Street weder achtete noch fürchtete…

 

”Okay, if you’d like being a laughing stock - that’s your funeral.” J. Lee Thompson war bereits ein etablierter Regisseur und brachte zeitgleich noch den überragenden Brit Noir Tiger-Bay (UK 1959) ins Kino. Auch Drehbuchautor Ted Willis hatte seit seinem Debüt mit Tanz in den Abgrund (UK 1947) einiges vorzuweisen. Kameramann Gilbert Taylor hatte sich einst mit Eine Stadt hält den Atem an (UK 1950) die ersten Sporen verdient und sollte in Zukunft noch für Roman Polanski, Stanley Kubrick und Alfred Hitchcock tätig werden. Ihr gemeinsamer Film No Trees In The Street beginnt dynamisch und selbstbewusst und kann dank einer fein abgestimmten Dramaturgie in der ersten Hälfte die Spannung aufrecht halten. Im Mittelteil fokusiert sich die Erzählung auf die Affäre von Metty und Wilkie, es wird ein wenig redundant. Doch schließlich trägt solches dunkle Sozialdrama auch nicht das Label “Film Noir“ oder “Thriller“ zur Schau. Vieles erinnert in seiner Darstellungsweise an vergleichbare Dramen der 30er Jahre, etwa an William A. Wellmans The Public Enemy (USA 1931), darin der Einfluss eines Stadtviertels den Weg zum Gangster vorzeichnet, oder etwa an William Wylers Sackgasse (USA 1937), darin erstmals jene Gruppe Jugendlicher auftrat, die als “The Dead End Kids“ in die Geschichte Hollywoods einging. Auch mit der Wahl seiner Darsteller zeigt Thompson eine sichere Hand. Der wunderbare Herbert Lom, gebürtiger Tscheche und hier bereits seit 15 Jahren einer der großen Akteure des britischen Kinos, beweist in einer Paraderolle des Film-Noir-Kinos einmal mehr seine Qualitäten. Auch Stanley Holloway, Joan Miller, Melvyn Hayes und Sylvia Syms haben ihre Momente und wissen sie  zu nutzen.

 

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“Released just as British cinema entered its great ‘kitchen sink’ phase (…) this unconvincing study of life in a London slum and the inhabitants’ battle for survival against the environment could never feel anything but stale”, heißt es bei Britmovie und es ist zum Ende hin leider die Wahrheit. Nach dem exzellenten Auftakt, einem soliden Mittelteil und dem etwas forciert wirkenden Finale - mit Syms an der Grenze ihrer schauspielerischen Qualitäten - ist der Schlussakt in seinen letzten drei Minuten kaum auszuhalten. Hier kommt ein peinlicher Predigerton zum Tragen und das Ganze wirkt wie ein Werbespot der Heilsarmee, der die Zwischentöne und die für alle Rollencharaktere des Dramas wichtigen Eigenheiten komplett ausblendet. Wieso Willis und Thompson seinerzeit nicht merkten, dass sie damit am Rande der Absurdität rangieren, ist mir ein Rätsel. Ein von all seinen Beteiligten mit sichtlichem Engagement inszeniertes und gespieltes Werk wird der Lächerlichkeit preisegegeben, zumal sowohl Howard als Frank Collins in 20 Jahren um keinen Tag gealtert wirkt als auch Sylvia Syms (20 Jahre später und ebenso jung) plötzlich wieder erscheint, als sei sie in dem Film per se ein Rollenmodell und keine reale Person. So enttäuscht dieser Film an der Schwelle zu den Sechzigern, die schon bald weit mehr zu bieten hatten.

 

Sehr gute englische DVD-Edition (2015) der Studiocanal Films Ltd. via Network mit dem Film bild- und tontechnisch exzellen retauriert, dazu den original englischen Ton ohne Untertitel und mit dem Kinotrailer, einer Bildergalerie und diversen Werbematerialien via PDF-Dateien als Extras.

 


Post Noir | 1959 | UK | J. Lee Thompson | Herbert Lom | Ronald Howard

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