Tiger-Bay

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Bewertung
****
Originaltitel
Tiger Bay / Mystery At Tiger Bay
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

John Mills, Horst Buchholz, Hayley Mills, Yvonne Mitchell, Anthony Dawson

Regie
J. Lee Thompson
Farbe
s/w
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Die Hafenstadt Cardiff in Wales, England: Bronislav Korchinsky (Horst Buchholz) ist ein polnischer Matrose, der soeben von langer Fahrt zurückkehrt und seine Freundin, die Landsmännin Anya (Yvonne Mitchell), aufsuchen will. Zu seiner Überraschung wohnt unter ihrer Adresse inzwischen die junge Christine (Shari) und der Verwalter Dr. Das (Marne Maitland) gibt ihm Anyas neue Adresse nur widerstrebend. In dem allein stehenden Mietshaus nahe den Docks, wohin Anya angeblich umgezogen ist, wohnt auch die 11jährige Vollwaise Gillie Evans (Haley Mills), die meist nur mit Jungs spielt und lügt, was das Zeug hält. Gillie lebt bei ihrer Tante, Mrs. Phillips (Megs Jenkins), die als Schneiderin alle Hände voll zu tun hat, um sich und die Nichte durchzubringen. Als Korchinsky in der Gegend eintrifft, ist Gillie gerade mit einigen Jungs in Streit geraten und sie zeigt ihm, in welchem Haus Anya nun lebt. Als sie später für ihre Tante im Parterre eine Hose abliefern muss, hört sie im Treppenhaus Stimmen und begibt sich in das Stockwerk, wo Anya ihren Besucher empfangen hat. Die ist von der Ankunft ihres Freundes nicht gerade begeistert. Sie ist inzwischen mit einem örtlichen Sportreporter namens Barkley (Anthony Dawson) liiert, einem zwielichtigen und zugleich wohlhabenden Mann. So gerät sie mit Korchinsky in Streit und als jener droht handgreiflich zu werden, versucht Anya, sich mit einem Revolver zu behelfen. Doch der Matrose entwendet ihr die Waffe und schießt auf die Frau…
 
Wie andere Einträge hier ist J. Lee Thompsons Tiger-Bay kein reiner Film Noir. An der Schwelle der Sechziger wirkt der Hybrid aus Sozialdrama und Kriminalfilm schon „modern“ und besticht durch sein außergewöhnliches Schauspiel und eine rasante Dramaturgie. Zugleich sind die Elemente des klassischen Film Noirs stets spürbar - mit Yvonne Mitchell als selbstsüchtiger Femme fatale, mit Horst Buchholz als desperatem Loser, der den einen Schritt vom Weg abweicht, und durch Kameramann Eric Cross, der Tiger-Bay in kontraststarkes Schwarzweiß taucht. Cardiff ist meisterhaft porträtiert - hier folgt J. Lee Thompson Regisseuren wie Jules Dassin und Carol Reed, die in den Vierzigern und Fünfzigern ihrerseits einzigartige Städteportraits auf die Leinwand bannten. Eric Cross war wiederum der Kameramann für den Film Noir Ein Kind war Zeuge (UK 1952). Darin spielt Dirk Bogarde den Matrosen Chris Lloyd, der aus Eifersucht einen Mord begeht und dabei von einem Kind beobachtet wird, dass er gezwungen ist mit sich zu nehmen. Ja, der sieben Jahre zuvor entstandene Film unter Regie von Charles Crichton erzählt eine überaus verwandte, streckenweise sogar gleiche Geschichte und sieht (dank Cross) auch ähnlich aus. In Ein Kind war Zeuge gab Geoffrey Keen den Detective Inspector Deakin , in Tiger-Bay ist John Mills – der Vater von Debütantin Hayley Mills - als Superintendend Graham zu sehen. Gemeinsam spielten die Urgesteine des britischen Nachkriegsfilms in dem erstklassigen Film Noir The Long Memory (UK 1953).
 
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Tiger-Bay ist atmosphärisch ungemein dicht und zeigt ein Ensemble am Werk, wie es stimmiger nicht hätte sein können. Trotz rasanter Entwicklung der Haupthandlung rückt er seine Charaktere gekonnt in den Mittelpunkt und lässt bis zuletzt keinen Augenblick eine kitschige oder versöhnlich rührige Note aufkommen. Das Finale ist gleichermaßen spannend und stimmig, der Schlussakkord alles andere als einer in Moll. Eine unprätentiöse Genauigkeit der Beobachtung macht den englischen Film jener Tage bis heute so schätzenswert. Der Film Noir ist einerseits noch da und wird andererseits bereits transferiert - in den seinen Konventionen in Stil und Inhalt schon entrückten Kunstraum (einer nachrückenden Zeit), wo eine junge Generation im Dickicht der Wirklichkeit ans Werk geht. Auch für das England der Vierziger und Fünfziger bot der Film Noir, jene langsam aus den Dreißigern erwachsene Form des Filmschaffens, eine Bühne der Reflektion soziokultureller Verstrickungen und individueller Händel. Nun lässt Thompson sowenig wie Robert Wise in Wenig Chancen für Morgen (USA 1959) oder Louis Malle in Fahrstuhl zum Schafott (FRA 1957) einen Zweifel daran, dass die Zukunft den Film Noir notwendig hinter sich lässt. J. Lee Thompsons Film  ist ein Geheimtipp und sowohl ein später Meilenstein englischen Film Noirs als auch ein Drama außerhalb jeglichen Schubladendenkens. Es bescherte seinem Regisseur sowie Hayley Mills und Horst Buchholz ihre Karrieren in Hollywood und zählt zugleich zu den besten Leistungen dieser drei überhaupt. Unbedingt empfehlenswert!
 
Die englische DVD von Carlton Visual Entertainment Ltd. ist die beste Edition: ungekürzt im Originalformat 16:9 und bildtechnisch topp restauriert, englische Tonspur, dazu einen Audiokommentar von Hayley Mills und den original Kinotrailer als Extras. Die deutsche DVD der Phönix Neue Medien GmbH bringt den Film in deren Classic Movie Collection  zwar auch ungekürzt, doch bildtechnisch deutlich schlechter und im falschen Format, nämlich 4:3 (= Vollbild).
 

Post Noir | 1959 | UK | J. Lee Thompson | Noël Calef | John Mills | Kenneth Griffith | Yvonne Mitchell

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