Venetian Bird / The Assassin

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Bewertung
****
Originaltitel
Venetian Bird
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Richard Todd, Eva Bartok, John Gregson, George Coulouris, Margot Grahame

Regie
Ralph Thomas
Farbe
s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Venedig, Italien: Im Auftrag einer Pariser Agentur reist der Privatdetektiv Edward Mercer (Richard Todd) in die legendäre, geschichtsträchtige Stadt in der Lagune. Mercer ist auf der Suche nach dem ehemaligen italienischen Partisan Renzo Uccello, der im letzten Kriegsjahr einen verwundeten US-amerikanischen G.I. aus Feindesland in Sicherheit gebracht haben soll, wofür ihm die Familie des Geretteten im Nachhinein eine Belohnung zuerkennen möchte. Nach Verlassen der Fähre lernt Mercer auf dem Markusplatz als ersten den Touristenfotografen Cassano (John Gregson), kennen, weshalb er sich bei ihm nach der Fondamenta San Giorgio erkundigt. In dem dort gelegenen Antiquitätenladen Signore Gostinis (Eric Pohlmann) fragt er nach Briefen auf seine Anzeige in einer Venezianer Tageszeitung, die seine Suche nach Informationen über einen Renzo Uccello gegen eine Belohnung von 20.000 Lire öffentlich machte. Tatsächlich hat ein Mann namens Carlo Boldesca (Sidney Tafler) schriftlich reagiert und bittet Mercer um eine Unterredung, die heute um 21 Uhr auf den Stufen der Kirche La Maddalena stattfinden soll. Aber Boldesca ist nicht der einzige, der Mercers Anzeige gelesen hat. Eine halbe Stunde später erhält Signore Gostini Besuch von den Gangstern Gufo (Martin Boddey) und Moretto (Michael Balfour), die im Auftrag Lieutenant Longos (John Bailey) alles über die Reaktion auf Mercers Angebot erfahren sollen. Zudem sind sie angehalten ein Treffen des Detektivs mit einem möglichen Informantem unbedingt zu verhindern…

 

“The Assassin is an effective British noir thriller shot on location in Venice that follows the fate of low-rent private detective Edward Mercer”, schreibt David Vineyard für Mystery File und bringt damit Wesentliches auf den Punkt. Zwei Dinge gibt es, die ich an diesem Film von Ralph Thomas als Enttäuschung erlebte. Zum einen erweist sich die einseitige Romanze Edward Mercers mit der italienischen Künstlerin Adriana Medova (Eva Bartok) als überstürzt und überraschend, also wenig glaubwürdig. Zum zweiten ist der Schluss des Films viel zu abrupt für sein lange vorbereitetes und sauber ausgeführtes Finale. Mitunter wird Venetian Bird / The Assassin mit Carol Reeds Der dritte Mann (UK 1949) verglichen - Inbegriff des britischen Film Noirs und der Klassiker britischen Nachkriegskinos überhaupt. Tatsächlich sind die Geschichten in ihren Grundzügen ähnlich: Ein Mann sucht in einer ihm fremden Stadt einen anderen, von dem alle berichten, dass er tot sei, bevor ihn dessen Angetraute, in die er sich selbst verliebt, auf die Spur des Gesuchten bringt. Letzterer entspricht jedoch nicht dem Bild, das er ursprünglich von ihm hatte… Mit Blick auf solche Parallelen hat Carol Reed genau in den zwei von mir bei Ralph Thomas als enttäuschend empfundenenen Aspekten punkten können, indem er uns a) eine intensive Romanze miterleben lässt und b) einen schier grandiosen Schlusspunkt setzt. Beides gelingt in Venetian Bird / The Assassin nicht, der als clever vertrackter Thriller sonst durchaus reizvoll ist.

 

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“Survival is often a simple matter of being able to change your habits at the right moment.” Gemäß den Unwägbarkeiten des Alltags und denen auf der poltischen Bühne wimmelt es im Drehbuch von schillernden Charakteren, die ihren eigenen Weg gefunden haben, im Dschungel ihres Zeitalters zurecht zu kommen. Auch Edward Mercer ist ein Mann mit Vergangenheit, wie der Zuschauer durch den venezianischen Polizeichef Spadoni (George Coulouris) bald erfährt, ebenso seine Vertraute aus solch dubiosen Wirren des Weltkriegs, Rosa Melitus (Margot Grahame), deren Pension eher ein Bordell zu sein scheint und die dem Privatdetektiv Mercer nicht zum ersten Mal zur Seite steht. Die Stärke des Films liegt in der Ausarbeitung solcher Charaktere sowie in der Musik des brillanten Nino Rota (Der Wahnsinn des Dr. Clive, UK 1949) und zudem in der Atmosphäre, die Kameramann Ernest Steward (Schmutziges Geld, UK 1961) vor Ort in Venedig einzufangen weiß, wo die Schlüsselszenen im Dunkel der Nacht angesiedelt sind, in den Gassen, auf den Plätzen oder in einem Palazzo der mysteriösen Metropole am und im Wasser. Aber auch seine Geschichte ist in Anlehnung an Erzähltechniken Alfred Hitchcocks gut genug, um den Zuschauer und vor allem den Freund des Film Noirs über 91 Minuten bei der Stange zu halten. Alles in allem ist Venetian Bird / The Assassin, der in Deutschland vermutlich wegen seines politischen Hintergrunds nie ins Kino kam, eine erfreuliche Ergänzung des Kanons klassischen britischen Film Noirs. Und Richard Todd, einer der großen Darsteller Englands in jenen 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, sorgt in jeder seiner Szenen für das notwendige Plus.

 

Gute englische DVD-Edition (2013) der Strawberry Media / Carlton Film Distributors mit dem Film ton- und bildtechnisch ansprechend (wenn auch nicht brillant) restauriert und mit dem original englischen Ton - leider ohne Untertitel und auch ohne Extras.

 


Film Noir | 1952 | UK | Ralph Thomas | Eric Pohlmann | George Coulouris | Michael Balfour | Richard Todd | Sidney James | Sydney Tafler

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