Eight O’Clock Walk

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Bewertung
***
Originaltitel
Eight O’Clock Walk
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Richard Attenborough, Cathy O’Donnell, Derek Farr, Ian Hunter, Maurice Denham

Regie
Lance Comfort
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London, England: Am 1. April ziehen die Schulkinder von Haustür zu Haustür und legen mit ihren Scherzen die Erwachsenen herein. Auch Taxifahrer Tom Manning (Richard Attenborough) und seine aus Kanada stammende Ehefrau Jill (Cathy O’Donnell), die er während seiner Zeit bei der Armee in Übersee kennen lernte, verlassen um kurz vor 9 Uhr das Haus. Tom ist wieder spät dran, er trennt sich von Jil und läuft los, als er an der Straßenecke von der achttjährigen Jill Evans (Cheryl Molineaux) aufgehalten wird. Scheinbar weinend erzählt sie ihm, dass sie auf einer naheliegenden Brache ihren Hund verloren habe. Manning bietet der Kleinen seine Hilfe an und gemeinsam suchen sie in dem unwegsamen Gelände nach dem Tier. Aber Tom stolpert und beschmutzt sich Hose und Mantel. Irene nutzt die Gelegenheit ihm zuzurufen, dass ihr Treiben nur ein Aprilscherz sei, und Manning läuft dem Mädchen kurzzeitig nach und droht ihr mit der Faust. Dann besinnt er sich eines Besseren, reinigt notdürftig seine Kleidung und macht sich auf den Weg zur Arbeit. Er hat nicht bemerkt, dass ihn mehrere in der Nachbarschaft wohnende Leute, unter ihnen Mrs. Higgs (Grace Arnold) und Mr. Horace Clifford (Maurice Denham), bei dem Ausflug auf das aufgrund von Bombordements während des Krieges brachliegende Gelände beobachteten. Die verträumte Irene Evans setzt ihren Schulweg indessen nicht fort, sondern hat sich an einem nahegelegenen Kanal niedergehockt, wo sie mit sich allein den Enten ein Kinderlied vorsingt…

“Lance Comfort's direction (…) dilutes a literate, adroitly woven story that might have ticked along like a time bomb”, schrieb die New York Times bereits im April 1955 anlässlich der US-Premiere dieses englischen Films und trifft so ziemlich den Kern des Problems. Eight O’Clock Walk hätte ein weit besserer Film sein können und sein müssen. Die zentrale Problematik eines Unschuldigen in Händen der Justiz, die nach Beurteilung aller Indizien zu fast 100% von seiner Schild an einem Kindesmord überzeugt ist, schreit geradezu nach einem harschen und grimmigen Film-Noir-Drama, wie es Paul Sloanes The Sun Sets At Dawn (USA 1950) so gern sein will und wie es Roy William Neills Vergessene Stunde / Schwarzer Engel (USA 1946) und  Alfred Hitchcocks Der falsche Mann (USA 1956) definitiv sind. Doch so manche zuckersüße Harmlosigkeit wie etwa Jill Mannings liebreizende und herzergreifende Fürsorge für den Ehemann und ihr Umgang mit den Vertretern des Rechts, die sie alle um den Finger wickelt, besonders den zu ihren Gunsten heldenhaft auftrumpfenden Nachwuchsanwalt Jeff Tanner (Derek Farr), sie wiegt die Zuschauer frühzeitig in der Sicherheit: Das geht gut aus. Nach den ersten 15 Minuten schunkelt das Ensemble in Richtung eines gemütlichen Gerichtsdramas, dessen im Ensemble verborgener Täter zu guter Letzt mit genau so einem MacGuffin enttarnt wird, wie man das intuitiv schon die ganze Zeit vorausgeahnt hatte. Und so bleiben auch die Ansätze, die die Vorgehensweise von Polizei und Staatsanwaltschaft in so einem Mordfall hinterfragen, schließlich auf der Strecke: Ende gut, alles gut!

 

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Produzent George King hatte sich (auch als Regisseur) mit seinem Film Noir Forbidden / Scarlet Heaven (UK 1949) schon von besserer Seite gezeigt. Lance Comfort hatte nach Vera Caspary den gleichnamigen Film Noir Bedelia (UK 1946) vorgelegt, und das Ensemble der Darsteller ist mit Attenborough (Brighton Rock, UK 1947), mit O’Donnell (Im Schatten der Nacht, USA 1948), mit Farr (Das dämonische Ich, UK 1946) und mit Denham (Sträfling 3312, UK 1947) exzellent gewählt. Doch während der britische Film Noir der Nachkriegsjahre oft zupackend und rabenschwarz erscheint, zeigt sich ab den Fünfzigern auch hier das Diktat der Unterhaltungsindustrie nach massenkompatiblen B-Filmen, deren Handlungsmuster aus der Schublade die Fernsehfilme späterer Generationen vorwegnahmen. Lance Comforts und George Kings Eight O’Clock Walk beweist hin und wieder einiges an Potential und macht zu guter Letzt aus seinen Möglichkeiten fast nichts. In der zweiten Hälfte der Fünfziger blieb es vor allem dem Exilanten Joseph Losey sowie Basil Dearden und J. Lee Thompson vorbehalten, Englands allzu betuliche Krimiwerkstatt hin und wieder durchzulüften, bevor die 60er Jahre endgültig den Paradigmenwechsel bringen sollten. Der britische Neo Noir der 70er sollte sich mit seinen wenigen Exponaten härter und bitterer zeigen als die meisten solcher Werke aus “New Hollywood“.

Bild- und tontechnisch sehr gute englische DVD-Edition (2013) via Network und Studiocanal mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die englische Tonspur ohne Untertitel, obendrein gibt es den original Kinotrailer, eine Fotogallerie und Werbematerial als Extras.

 


Film Noir | 1954 | UK | Lance Comfort | Derek Farr | Maurice Denham | Richard Attenborough | Cathy O'Donnell

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