Unter Verdacht

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Bewertung
****
Originaltitel
Under Suspicion
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/USA
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Liam Neeson, Laura San Giacomo, Kenneth Cranham, Maggie O’Neill, Alan Talbot

Regie
Simon Moore
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Das Seebad Brighton an der Südküste Englands im Winter 1957: Die Polizeibeamten Anthony Aaron (Liam Neeson) und Frank (Kenneth Cranham) beschatten eines Nachts die Villa des Nachtclubbesitzers Powers (Alan Talbot). Letzter ist nicht Zuhause, nur seine hübsche Ehefrau Hazel (Maggie O’Neill), und weil Aaron glaubt, dass bis zur Rückkehr Powers’ noch Stunden vergehen werden, steigt er aus und begibt sich ins Haus, denn der Womanizer Aaron hat mit Maggie eine Affäre. Die beiden sind nackt im Badezimmer zugange, als Powers unerwartet zurückkommt und sein Haus betritt. Frank folgt ihm, aber Powers hat bereits eindeutige Geräusche vernommen und steht mit der Schrotflinte vor dem Bad, als Frank Tony und Hazel im letzten Augenblick warnen kann. Doch Powers ist außer sich, verfolgt Frank in den Garten und tötet dort den Polizisten Colin (Martin Grace) im Affekt… Zwei Jahre später: Tony Aaron ist Privatdetektiv und kümmert sich vor allem um Scheidungsfälle, denn nach englischem Recht ist die Scheidung einer Ehe nur zulässig, wenn der Beweis eines Ehebruchs vorliegt. Auch von einem Rechtsanwalt (Kevin Moore) lässt sich Aaron, der bis zum Hals verschuldet ist, für das illegale Arrangement engagieren, das ein Foto mit seiner Frau Hazel als vermeintlicher Geliebter in einem Hotelzimmer vorsieht. Doch als er mit jenem sein Büro betreten will, sieht er, dass die Tür aufgebrochen und alles gehörig durchwühlt ist. Auf den ersten Blick scheint nichts zu fehlen. Der Anwalt und Hazel speisen im Radley Hotel und später gehen sie aufs Zimmer. Tony Aaron wartet mit seinem Fotoapparat an der Bar…
 
Auch nach den Standards des Jahres 1991 ist dieser Neo Noir von Autor und Regisseur Simon Moore, zugleich das Debüt einer 10 Jahre später wieder beendeten Filmkarriere, durch die Bank "old fashioned". Das steht ihm gut, denn Unter Verdacht ist in den Spätfünfzigern angesiedelt und zählt neben Die Spur führt zurück (USA 1990) und Chicago Joe und das Showgirl (UK 1990) zu den Retro Noirs jener Jahre. Wer aus heutiger Sicht den Actionstar Liam Neeson, der seinerzeit noch älter als Charles Bronson, nämlich mit 55 Jahren durch 96 Hours (FRA 2008) dieses Rollenfach besetzte, hier genau 2 Jahre vor seinem Durchbruch in Schindlers Liste (USA 1993) erlebt, sieht einen voll ausgereiften Schauspieler. Warum Unter Verdacht nicht auch für die Karrieren von Laura San Giacomo und Kenneth Cranham, die jeweils voll überzeugen, einen Schritt nach vorn bedeutete, wird eines der Rätsel der Filmgeschichte bleiben. Als clever inszenierter Mordfall, der die Zuschauer auf die Spur einer Femme fatale führt, ist Moores Filmerzählung jedenfalls eine jener klassisch schaurig schönen Geschichten voller illustrer Charaktere, die einem bis zum Schluss nicht koscher erscheinen. Und genau dieser Schluss verrät dem Zuschauer auch, warum sein Unbehagen, das der Film in allerbester Film-Noir-Tradition transpiriert, so berechtigt gewesen war. Dieses Ende hat es dermaßen in sich, dass der Zuschauer einen Film, den er bis dahin leidlich unterhaltsam fand, ganz sicher aufwerten wird. Was für viele Hollywoodproduktionen im Kontext des Neo Noirs leider typisch ist, – mit dem Ende kommt die Enttäuschung! – kehrt Unter Verdacht ins Gegenteil.
 
Bild Bild Bild
© Concorde Home Entertainment GmbH
 
”Frank, she is ice cool. Like today, she come in here, and tried to hire me to investigate the murders that she committed.“ Aber der Abspann bringt den Zuschauer auch darauf, ob die Filmhandlung ihrem Ende, das so clever konstruiert scheint, auch standhalten kann. Doch wie oft in solchen Fällen ist die Logik des Drehbuchs stringent, nur dass eben nicht nur die Ermittler Fehler begehen, sondern auch für die Gegenseite sich die Notwendigkeit zur Improvisation ergibt. Damit gerät Unter Verdacht zu einem Werk, das sowohl als Film Noir und als klassisch britisches “Whodunit“ - überzeugen kann. Wie bei Flüsternde Schatten (UK 1958) oder The Woman in Question (UK 1950) wissen wir alles, was es zu wissen gibt, doch wie in solchen Fällen gehen wir den Charakterzeichnungen auf den Leim und lassen uns in die Irre führen. Sicher hat Simon Moore, um seinen rundum gelungenen Neo Noir mit einer Prise Leidenschaft zu versehen, auch Heißblütig - Kaltblütig / Eine heißkalte Frau (USA 1981) studiert, und tatsächlich entwickeln Tony Aaron und Angeline (Laura San Giacomo) eine gute Chemie miteinander. Solche lässt die Schlusssequenz nochmals eindrücklicher erscheinen, denn die oben beschriebene Aufwertung hat der Film auch nötig, der im Finale zu plakativ dramatisch und im Mittelteil ein wenig betulich daher kommt. Alles in allem findet der Neo-Noir-Conaisseur mit Unter Verdacht jedoch eine heute kaum bekannte Ergänzung des Kanons, die vorbehaltlos zu empfehlen ist.
 
Gute DVD (2005) der Concorde Home Entertainment GmbH mit dem Film bild- und tontechnisch topp, ungekürzt im Originalformat, wahlweise englischer oder deutscher Ton, - allerdings ist die dt. Synchronisation furchtbar, mit unpassenden Stimmen, oft nicht 100% synchron zu den Lippenbewegungen und obendrein mit anderen Umgebungsgeräuschen (hörbar aus dem Tonstudio). Untertitel gibt es keine, Extras auch nicht, doch immerhin ist der Film verfügbar.
 

Neo Noir | 1991 | UK | Simon Moore | Liam Neeson | Laura San Giacomo

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