Umfange mich, Nacht

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Bewertung
****
Originaltitel
Yield To The Night
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

Diana Dors, Yvonne Mitchell, Michael Craig, Marie Ney, Geoffrey Keen

Regie
J. Lee Thompson
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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London: Mary Price Hilton (Diana Dors), Fachverkäuferin in einem Schönheitssalon, steigt an einem sonnigen Tag ins Taxis und macht sich auf den Weg. In einer einsam gelegenen Pflasterstraße probiert sie den Schlüssel für eine Haustür, entschließt sich anders, als plötzlich ein luxuriöser Wagen herangefahren kommt und anhält. Lucy Carpenter (Mercia Shaw) steigt aus, beugt sich durchs geöffnete Seitenfester und nimmt von der Rückbank mehrere verpackte Geschenke, die sie ins Haus bringt. Indessen greift Mary Hilton in ihre Handtasche, holt einen Revolver hervor und wartet. Als Lucy Carpenter sich erneut in ihren Wagen beugt, drückt Mary ab. Sie schießt die Trommel des Revolvers leer und wirft die Waffe der Getöteten vor deren Füße, indessen sie ruhig auf ihrem Platz stehenbleibt… Im Gefängnis geht der Kaplan (Geoffrey Keen) den Gang zu Mary Hiltons Zelle, vor der er sich erst mit einer Krankenschwester (Peggy Livesey) und dann mit der Gefängnisdirektorin (Marie Ney) bespricht. Ein Gnadengesuch, das die Direktorin eingereicht hatte, wurde vorerst abgelehnt, doch kaum hat sich der Kaplan niedergelassen, informiert sie eine Aufseherin (Mary Mackenzie), dass Mary Hiltons Anwalt (Charles Lloyd Pack) sie zu einer Unterredung erwarte. Viel hat er ihr nicht zu sagen, nur dass auch in den kommenden Wochen jederzeit eine Begnadigung erfolgen und Mary ihn jederzeit kontaktieren könne. Von der Aufseherin Mason (Molly Urquhart) wird sie in ihre Zelle und in den Kreislauf der Routinen zurückgeführt…
 
Sicher haben Filme wie Steve Sekelys Lady In The Death House (USA 1944) und John Comwells Verlorene Frauen / Frauengefängnis (USA 1950) diesem Werk J. Lee Thompsons teils den Weg gewiesen. Zudem wurde im Juli 1955 mit der 28jährigen Ruth Ellis die letzte des Mordes schuldig befundene Angeklagte in England hingerichtet. Der Film zeigt einen Mord aus Eifersucht und tiefer Kränkung, der ein Todesurteil zur Folge hat, und er skizziert die letzten zwei Wochen der Mary Hilton im Gefängnis sowie ihre letzten Lebensmonate in Rückblenden der Erinnerung. Allerdings basiert Thompsons Film auf dem Roman Yield To The Night (EA 1954), der im Jahr vor dem Fall Ellis erschien, die als Bardame von ihrem Liebhaber David Blakeley, einem Rennfahrer aus gutem Haus, derart misshandelt wurde, dass sie eine Fehlgeburt erlitt. All das findet in Umfange mich, Nacht keinen Niederschlag. Auch tötet Mary Hilton keineswegs ihren abtrünnigen und desperaten Liebhaber Jim Lancaster (Michael Craig) sondern ihre (bei jenem erfolgreichere) Konkurrentin. Allerdings mag der Fall Ruth Ellis, der erst 30 Jahre später von Mike Newell mit dessen brillantem Dance With A Stranger (UK 1985) fürs Kino adaptiert wurde, J. Lee Thompson darin bestärkt haben, den Roman seiner Ehefrau Joan Henry so schnell zu verfilmen. Was dem Zuschauer auch heute geboten wird, ist ein hervorragend inszeniertes, von guten Darstellern und vorzüglicher Kameraarbeit geprägtes Drama, das als Plädoyer gegen die Todesstrafe und als vielschichtige Charakterstudie in Erinnerung bleibt. Das Besondere: Niemand wird dämonisiert, niemand angeklagt. Alle Beteiligten und die Zuschauer folgen dem unausweichlichen Gang der Dinge – bis zum Ende.
 
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„I know every mark and blemish in this cell - every crack in the walls, scratches on the wooden chairs, the place where the paint is peeled off the ceiling.” Viele Kritiker - u.a. auch bei Film Noir of The Week - haben auf die Leistung Diana Dors’ hingewiesen, die im England der Fünfziger in die Rolle einer „eigenen“ Marilyn Monroe bugsiert wurde, aber ebenso wie die US-Darstellerin meist auf ihre physischen Attribute, die dem männlichen Zeitgeschmack entsprachen, reduziert blieb. Tatsächlich spielt sie die Hautrolle adäquat, doch sollte man in der Hinsicht die Kirche im Dorf lassen. Im direkten Vergleich mit Susan Hayward, die kurz darauf in Robert Wises Lasst mich leben (USA 1958) eine ähnliche Leidensgeschichte – Frau wartet auf ihre Hinrichtung, ist in dem Fall an der ihr zur Last gelegten Tat jedoch unschuldig! – schneidet Diana Dors deutlich schwächer ab, allerdings setzt ihr Film dramaturgisch auch andere Akzente. Wunderbar sind die Nebendarsteller, so etwa die Crew der Aufseherinnen mit der stets zuverlässigen Yvonne Mitchell allen voran, dazu Geoffrey Keen und natürlich auch Michael Craig, die im England jener Jahre zu den herausragenden Talenten gerechnet werden müssen. Umfange mich, Nacht ist ein ambitioniertes, dunkles und sehenswertes Stück Erzählkino, das sich thematisch in einem Bereich bewegt, der stets Gegenwart und keinesfalls Geschichte ist. Nicht durchweg ein Film Noir, aber in vieler Hinsicht hart und anrührend und sich der moral-ethischen Kontroverse seines Handlungskerns bewusst.
 
Gute DVD-Edition (2007) der Optimum Releasing Ltd. mit dem Film ungekürzt im Originalformat und mit englischer Tonspur plus optional englischer Untertitel, dazu eine Fotogalerie und Infos zum Regisseur als Extras.
 

Film Noir | 1956 | UK | J. Lee Thompson | Geoffrey Keen | Michael Craig | Diana Dors | Mary Mackenzie | Yvonne Mitchell

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