Fade To Black

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Bewertung
***
Originaltitel
Fade To Black
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/ITA/SRB
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Danny Huston, Diego Luna, Paz Vega, Christopher Walken, Anna Galiena

Regie
Oliver Parker
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Rom, Italien, 1948: Orson Welles (Danny Huston) reist aus den USA kommend ein, um in der Hauptrolle als Graf Cagliostro in dem Abenteuerfilm Black Magic nach Alexandre Dumas aufzutreten. Noch im Vollzug der Scheidung von Hollywoodstar Rita Hayworth und nach dem Flop seines Films Die Lady von Shanghai (1947) weiß er, dass seine Karriere auf dem absteigenden Ast ist. Bereits am Flughafen steht der zeitgleich eintreffende Tyrone Power im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Journalisten und auf dem Weg in die Stadt sieht er allerorten Plakate des Film Noirs Gilda (1946) mit seiner Ex-Frau und Glenn Ford. Tommaso Moreno (Diego Luna), ehemals Polizist, ist seitens des Studios als Welles‘ persönlicher Betreuer angestellt. Am Set wird klar, dass der Film eine Posse ist, die Orson Welles‘ Karriere nicht förderlich sein wird und bestenfalls dient, Investoren für zukünftige Projekte kennen zu lernen. Beim Frühstück auf der Hotelterrasse stellt sich Alessandro Dellere (Frano Lasic) vor, der als Schauspieler mit ihm arbeiten wird. Der Mann hat sogar einige konfiszierte Pillen, die Welles gegen seine Gewichtszunahme nimmt, von den Zollbehörden zurück erhalten können. Dellere lebt im Haus der Schauspielerin Lea Padovani (Paz Vega) und deren Mutter Aida (Anna Galiena), einem ehemaligen Stummfilmstar. Beim Dreh jener Massenszene, die Delleres Auftritt beinhaltet, stirbt der Italiener und flüstert Orson Welles, der sich über ihn beugt, den Namen „Nero“ zu. Die Polzeioffizier Grisha (Pino Ammendola) informiert Welles darüber, dass der morphiumsüchtiger Alessandro Dellere an einer Überdosis gestorben sei und will wissen, was jener ihm denn noch zugeraunt habe. Aber der US-Amerikaner, der dem Gesetzeshüter intuitiv misstraut, behält sein Geheimnis für sich…
 
Danny Huston ist mit 44 Jahren eine überraschend gute Wahl für einen Orson Welles in noch jüngerem Alter (33), der allerdings selbst nie jugendlich wirkte. Auch sonst sind die Schauspieler erstklassig, inklusive Christopher Walken in einer seiner unzähligen Nebenrollen als zynischem Mächtigen hinter Kulissen der Wohlanständigkeit. Es gibt eine teils wunderbare Kameraarbeit von John de Borman und auch mit der detailreichen Kulisse Roms - Drehorte waren allerdings auch Belgrad und die Isle of Man - hat man sich Mühe gegeben. Doch die formale Qualität kann über die inhaltlichen Schwächen nicht hinweg täuschen, insofern das Drehbuch viele Ambitionen und Nebenplots mitschleppt und unter diesem Gewicht mehrfach einbricht. Schon der Beginn ist zäh und konfus - der Zuschauer wünscht sich einen roten Faden. Doch Hustons Orson Welles stolpert flapsig und tapsig durch das von Kommunisten und Noch-Faschisten umkämpfte Italien der Nachkriegsjahre. Bald keimt der Verdacht, dass die hemdsärmelige Art des Umgangs im Filmstudio und andernorts nicht wirklich Zeitkolorit einfängt sondern eher eine in der Gegenwart geläufige und zu Teilen störende „Künstler“-Attitüde spiegelt. Solches Gehabe lässt Orson Welles zu leichtgewichtig erscheinen. Allzu aufgeknöpft erweisen sich auch später die Verhältnisse, wenn Welles mit dem ex-Cop, der flugs eine Waffe aus dem Brusthalter zieht, im von politischen Intrigen durchwebten Rom der tausend Gefahren als Hobbydetektiv unterwegs ist und sich sogar in amouröse Abenteuer stürzt. Das wirkt unglaubwürdig und mächtig klischeehaft.
 
„A noirish tangle of murder, intrigue and corruption“, heißt es bei Little White Lies. Als Erzählung spitzt sich der Film in seiner zweiten Hälfte zu, die Handlungsstränge kommen in Schwung. Auch das Schauspiel nimmt Fahrt auf, mit Paz Vega als vielseitiger Femme fatale und einem Orson Welles als Film-Noir-Charakter in Bedrängnis. Das Finale hat gute Momente, das Ende mit Welles‘ Abschied von Italien und den „crazy Italians“ ist gelungen und anrührend, ohne in die Kitschfalle zu tappen. Leider reißt es das nicht mehr heraus. Die interessanten Elemente des Plots, jene Rolle der USA als Strippenzieher beim Errichten eines demokratischen Italiens zu Beginn des Kalten Krieges, erinnern an die vergleichbaren Hintergründe in Steven Soderbergs The Good German (USA 2006). Zugleich bleiben sie unvermittelt neben einer Kriminalhandlung stehen, die als Initiator der Geschehnisse im Nirgendwo versandet und mit dem Hauptgeschehen im letzten Drittel kaum in Verbindung steht. Trotz einer großartigen finalen Aussprache zwischen US-Diplomat Pete Brewster (Christopher Walken) und dem schwer gebeutelten Welles, womit das Drehbuch endlich zupackt, ist Welles als zentrale Noir-Figur zu dem Zeitpunkt in seiner Bedeutung für den Film irrelevant – der Antiheld könnte sonst jemand sein. Mit solchem Plus und Minus befrachtet, bleibt merkenswert, dass der Film – eine vertane Chance! – dennoch nachwirkt. Wäre er nur im Ganzen schlüssiger und damit einfach besser gewesen!
 
Gute englische DVD-Ausgabe von Lions Gate Home Entertainment UK Ltd. (2008) mit dem Film ungekürzt im Originalformat und dem englischen Orignalton und mit optional englischen Untertiteln.
 

Neo Noir | 2006 | International | Oliver Parker | Christopher Walken

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