Bad Lieutenant

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Bewertung
****
Originaltitel
Bad Lieutenant
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1992
Darsteller

Harvey Keitel, Victor Argo, Paul Calderón, Robin Burrows, Leonard L. Thomas

Regie
Abel Ferrara
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In einem Vorort New Yorks fährt der Lieutenant (Harvey Keitel) seine Söhne (Brian McElroy, Frankie Acciarito), nachdem sie den Bus verpassten, zur katholischen Schule. Dort schnupft er hinterm Steuer sitzend eine Prise Kokain, bevor er sich in der Stadt einen Tatort ansieht, wo zwei junge Mädchen am Steuer ihres Wagens aus nächster Nähe erschossen wurden. Doch im Plausch mit den Kollegen (Victor Argo, Paul Calderón, Leonard L. Thomas) geht es nur ums Spiel der National League Championship zwischen den Mets und den Dodgers, denn hier wollen die Polizisten ihre Wetten platzieren und abkassieren. Als der Lieutenant sich einen Kaffee zum Mitnehmen besorgt, sieht er einen Mann die Reihe parkender Wagen aufbrechen und jeweils den Kofferraum ausräumen. Doch den Lieutenant interessiert das nicht, er telefoniert und platziert seine Baseball-Wette. Später trifft er in einem Hausflur einen Drogenhändler, dem er eine Tüte Kokain aus den Asservaten der Polizei verkauft, wofür er sich eine Crack-Pfeife anzündet und noch etwas Kokain mit auf den Weg nimmt. In einem Apartment hat er eine Orgie mit zwei jungen Frauen, während er zu den Drogen noch Whisky aus der Flasche trinkt. Indessen hält ein junger Polizist (G. Elvis Phillips) in einem koreanischen Supermarkt zwei Jugendliche (John Steven Jones, Shawn McClean) fest, von denen der Besitzer (Stephen Chen) behauptet, sie hätten aus der Ladenkasse 500 US-Dollar geraubt. Der Lieutenant kommt hinzu, befiehlt dem Streifenpolizisten, den Inhaber aufs Revier zu bringen, und lässt sich von den Jugendlichen die 500 Dollar aushändigen, nachdem er mit seiner Dienstwaffe ins Regal schoss. Er klaut im verlassenen Laden ein Paket Kekse und trifft Zoe (Zoë Lund), eine heroinabhängige Drogenhändlerin…

 

Abel Ferrara zeichnet in diesem Film von der ersten bis zur letzten Minute ein Bild des Zerfalls und der Zerstörung. Hierbei korrespondiert der Zustand der Stadt New York mit den inneren Zuständen der Protagonisten – vor allem denjenigen des Bad Lieutenant. Hemmungslos korrupt und zerfressen vom Materialismus und vom Sozialdarwinismus des Großstadtdschungels verliert Harvey Keitel als impulsiver, vereinsamter Polizist auf ganzer Linie Halt und Orientierung. Er taumelt von einer aberwitzigen Situation zur nächsten und reißt sich selbst am Schopf in den Abgrund. Über diesen Lieutenant schreibt Michael Althen in der von Norbert Grob herausgebenen Essaysammlung Film noir (2008) absolut triftig: „Der Mann ist durch und durch korrupt, und das Einzige, was ihn von den üblichen Noir-Helden unterscheidet, ist der Umstand, dass er von Harvey Keitel gespielt wird, also eine Autorität besitzt, die der Geschichte eine noch größere Fallhöhe verschafft.“
 

Bild

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© Studiocanal GmbH
 
Wie zuvor der Gangsterfilm King of New York – König zwischen Tag und Nacht (ITA/USA/UK 1990) ist auch dieser Neo Noir von Abel Ferrara kein Stoff für Jedermann. Ihm fehlt jegliche Art Romantik, die Hollywoods Filmschaffen sonst zumindest in Ansätzen immer eigen ist. Kaputt, schmutzig, fies! So will der Film sein und so definiert er sich selbst als ein Paradebeispiel des Neo Noirs der frühen Neunziger. Genau die mit Blick aufs Filmschaffen Made in Hollywood zutiest subversive Haltung gelingt Abel Ferrara wie kaum einem anderen Regisseur mit kaum einem anderen Film seiner Zeit oder auch seither. Neben seiner stringenten Regie und seinen Schauplätzen verdankt er das vor allem Harvey Keitel, der in der Rolle des Cops eindeutig über sich hinaus wuchs. Seinem Spiel zuzuschauen, das in manchen Tönen von biestigem Humor und abgründigem Irrwitz gezeichnet ist, erweist sich bis heute als ein cineastisches Vergnügen ersten Ranges. Dennoch war und bleibt dieser Film eine Tour de force, der man sich bewusst und willentlich aussetzen sollte, um sie vollauf  genießen zu können - unbedingt auch im englischen Original (ggf. untertitelt) und nicht synchronisiert.
 
Erst im April 2012 erschien via Arthaus / Studiocanal endlich eine ungekürzte Edition als wahlweise BD oder DVD, bildtechnisch topp und im originalen Widescreenformat 1.85:1 mit deutscher und englischer Tonspur und mit optional deutschen Untertiteln. Als Extras gibt es Audiokommentare von Abel Ferrara und Ken Kelsch, ein dreigliedriges Making Of und den original Kinotrailer. Diese Fassung ist die im ganzen europäischen Raum einzig wahre. Die 2000 von EuroVideo auf den Markt gebrachte deutsche DVD war gekürzt und bloß mit der (deutlich schlechteren) deutschen Tonspur versehen.
 

Neo Noir | 1992 | USA | Abel Ferrara | Harvey Keitel | Paul Calderón | Victor Argo

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