Blood Orange / Three Stops To Murder

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
Blood Orange
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Tom Conway, Mila Parély, Naomi Chance, Eric Pohlmann, Andrew Osborne

Regie
Terence Fisher
Farbe
s/w
Laufzeit
76 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

London, England, spät am Abend: ein Bobby kontrolliert, ob die Tür zum Modestudio Pascal verschlossen ist und entfernt sich. Im tiefer gelegenen Kellereingang halten sich indessen die Ganoven Marlowe (Roger Delgado) und Heath (Reed De Rouen) versteckt und betreten, sobald die Luft rein ist, das Gebäude. Mit Taschenlampe zur Hand verlassen sie den Keller, durchqueren die Halle bis zur Treppe, welche soeben Harry(Leo Phillips), der Nachtwächter, emporstieg, um im ersten Stockwerk nach dem Rechten zu sehen. Als er das Zimmer verlassen will, wird er von Marlowe und Heath attackiert. Den ersten kann er noch niederschlagen, bevor er selbst vom zweiten bewusstlos geprügelt wird. Kurz darauf sprengen die Gangster mit Umsicht die Tür des Geldschranks, auf den sie es von vornherein abgesehen hatten, entnehmen die darin gehorteten Juwelen aus der Sammlung von Mr. Mercedes (Eric Pohlmann) und verschwinden. Am folgenden Tag fährt Mr. Mercedes persönlich vor und bringt Privatdetektiv Tom Conway (Tom Conway) mit, ehemals Agent des FBI, den er mit den Ermittlungen in dem Fall betraut. Indessen Mercedes im Basement sich mit Captain Colin Simpson (Andrew Osborne). Assistent der Modedesignerin Helen Pascal (Mila Parély), bespricht, sieht Conway sich in den oberen Stockwerken um und trifft bald auf Detective Inspector McLeod (Richard Wattis) von Scotland Yard. Letzterer ist überrascht, als er erfährt, dass die erbeuteten Juwelen im Wert von 50.000 britischen Pfund gar nicht Helen Pascal gehören…

 

“A tighter script, and less tired leading man, and a few touches of directorial flare would have boosted this immensely”, schreibt David Vinbeyard für Mystery*File. Ich kann dem Urteil nur zustimmen, welches nach meiner Ansicht noch milde und wohlwollend formuliert ist. Man muss im Fall dieses britischen Films bedenken: Blood Orange / Thre Stops To Murder ist eine B-Produktion der aufstrebenden Hammer Films mit Terence Fisher (Murder By Proxy / Blackout, UK 1954) auf dem Regiestuhl und mit einem (einstigen) Hollywoodstar in der Hauptrolle, dessen Ruhm aus den 40er Jahren das Werk aufwerten sollte. Letzteres war in Großbritannien ein gängiges Verfahren, um inländische Filmproduktionen aus dem Segment Film Noir und Kriminaldrama im Kino besser vermarkten zu können. Dane Clark, Elizabeth Scott, Paul Henreid, Cathy O’Donnell, George Brent, Dan Duryea, George Raft waren allesamt froh, in der McCarthy-Ära, die vor allem den Film Noir aus dem US-Kino verbannte bzw. ihn in extrem patriotische Polizeifilme umwandelte, in England ein Auskommen zu finden. Zudem hatten einige von ihnen im Lauf ihres natürlichen Alterns an Zugkraft verloren. Tom Conway, der ältere Bruder George Sanders‘, war selbst Brite und hatte ab 1940 seine Filmkarriere in Hollywood vorangetrieben. In Jacques Tourneurs Katzenmenschen (USA 1942) und in Alfred L. Werkers Repeat Performance (USA 1947) zeigte er jeweils eine gute Leistung. Vor allem wurde er dem US-Publikum zwischen 1942 und 1946 Jahren in Kinofilmen der RKO Radio Pictures als Privatdetektiv Tom Lawrence bekannt, der unter dem Spitznamen The Falcon auftritt. Demgegenüber hatte Tom Conway ein besonderes Problem, welches seine Popularität mit Ausklang der 40er Jahre zusehends schwinden ließ: seine Alkoholabhängigkeit. Genaugenommen war er über Jahre hinweg ein solch harter Trinker, dass sein Bruder George Sanders den Kontakt zu ihm vollständig abbrach, bevor Conway 1967 mit nur 62 Jahren an Leberzirrhose starb.

 

 

Was ein guter Brit Noir hätte werden können, entpuppt sich als unfassbar langweiliger Kriminalfilm. Letzteres ist sowohl dem Drehbuch als auch der Inszenierung sowie zu guter Letzt dem lustlosen Schauspiel geschuldet. Bis auf Eileen Way, Delphi Lawrence und Richard Wattis in Nebenrollen hat hier jeder auf den Autopiloten umgeschaltet. Trotz einer Laufzeit von lediglich 76 Minuten ist Blood Orange / Three Stops To Murder sogar für Freunde britischer Filmklassik dröge und als zu keinem Zeipunkt halbwegs überzeugende Filmerzählung kaum durchzustehen. Terence Fishers Regie, Walter J. Harveys (Stolen Face, UK 1952) Kameraarbeit und sogar die Drehorte in London, eine für das Kino herrliche Kulisse, sind durchweg fade und durchschnittlich. Das Ganze schleppt sich von Szene zu Szene, und wenn der Fall zu guter Letzt gelöst ist, stellt man fest, dass rein gar nichts daran von Interesse oder gar packend war. Zu jener Zeit verhöhnten die Briten selbst ihre B-Filmproduktion als “quota quickies“, und es war genau solchen Machwerken zu verdanken. 

 

Bis dato (2025) gibt es von dieser Produktion der Hammer Films, die nie im deutschen Kino oder Fernsehen zu sehen war,  keine BD oder DVD. Online ist der Film ungekürzt verfügbar und das auch im korrekten Bildformat, allerdings nur in einer bild- und tontechnisch miserablen Fassung ohne Untertitel.

 


 

Film Noir | 1953 | UK | Terence Fisher | Eric Pohlmann | Tom Conway | Delphi Lawrence

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