Singing Detective, The

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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
The Singing Detective
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Robert Downey jr., Robin Wright, Mel Gibson, Jeremy Northam, Katie Holmes

Regie
Keith Gordon
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 The Singing Detective-Poster-web3.jpg The Singing Detective-Poster-web1.jpg The Singing Detective-Poster-web4.jpg

© Constantin Film AG

Los Angeles, Kalifornien, in den 50er Jahren: Zu nächtlicher Stunde parkt gegenüber dem Eingang zum Café Moonglow ein Wagen, darin zwei Ganoven (Adrien Brody, Jon Polito) auf den für einen Auftrag angeheuerten Privatermittler Dan Dark (Robert Downey jr.) warten, der schließlich auftaucht und in der Bar verschwindet. Hier setzt er sich an den Tresen, wo ihn der Barkeeper (Eddie Jones) nach seinen Wünschen fragt, indessen die Prostituierte Nicola (Robin Wright), außer Dark der einzige Gast des Etablissements, ein Auge auf ihn wirft und ihre Zigarette ins Cocktailglas fallen lässt… Der am ganzen Körper von einer die Haut extrem zersetzenden Schuppenflechte befallene Kriminalschriftsteller Dan Dark (Robert Downey jr.) wird im Rollstuhl sitzend von einem Krankenpfleger (Earl Poitier) einen Korriodor des Hospitals entlang bugsiert. Er imaginiert die Szene im Café Moonglow genau in diesem Augenblick, und so hat sich in seiner Vorstellung Nicola inzwischen neben den Detektiv auf einen Barhocker gesetzt. Er reicht ihr eine frisch angezündete Zigarette, die sie sich zwischen die Lippen steckt und erläutert ihm auf kunstvolle Weise, was sie für ihn heute Nacht noch tun könne. Die Gangster in ihrem Wagen lauschen indessen im Rundfunk Patti Page, die How Much Is That Doggie In The Window zum Besten gibt. Als Dan Dark und Nicola aus dem Café kommen und gemeinsam von dannen ziehen, startet der erste den Wagen und der zweite stellt fest:“We‘re in business.“ Denn der Detektiv spielt bloß den Lockvogel für sie…

 

”When you're dealing with the devil praise the Lord and pass the ammunition.“ Ich habe viele miserable Klassiker des Film Noirs und viele miserable Neo Noirs gesehen, die alle aus unterschiedlichen Gründen so offensichtlich… miserabel waren. Grundsätzlich mag ich bei der Rezension eines Films auch nicht mit der Tür ins Haus fallen, aber man kann meinem ersten Satz entnehmen, dass ich The Singing Detective zu jenen Erfahrungen eines miserablen Filmerlebens rechne. Der Film ist aber nicht aus einem einzigen, einem besonderen und signifikanten Grund miserabel. Er ist in mehrfacher Hinsicht ein Paradebeispiel für abgründig schlechtes Kino. Zum ersten vergreift sich die US-amerikanische Produktion an einem Klassiker der britischen Fernsehgeschichte, an Dennis Potters sechsteiliger BBC-Serie Der singende Detektiv (UK 1986) mit einer Spielzeit von 460 Minuten und mit Sir Michael Gambon in der hier von Robert Downey jr. gespielten Hautprolle. In Dennis Potters Original heißt der Privatdetektiv Philip Marlow, in Keith Gordons US-Remake mit einer Spielzeit von 109 Minuten nennt er sich Dan Dark. Letzteres gibt Dennis Potter als Drehbuchautor an, doch Potter war 1994 mit 59 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben und zum Zeipunkt des Erscheinens des Films 8 ½ Jahre tot. Allemal hatte er das Drehbuch für eine Filmversion seiner Erfolgsserie Der singende Detektiv kurz vor seinem Tod selbst vollendet. Inwieweit Mel Gibsons Icon Productions, die hinter dem Projekt der Filmfassung steckt, sich exakt an Potters Skript hielt, sei dahingestellt. Auch den Wechsel von den 40er zu den 50er Jahren mit Rock’n’Roll im Programm der Musikeinlagen verträgt das Werk nicht, welches zum wirren Genremix verkommt. Zuletzt sind die meisten miserablen Filme solche mit unbekannten Darstellern oder sie haben einen Hollywoodstar, – oft Bruce Willis oder eben Mel Gibson – der einmal mehr sein fehlendes Talent unter Beweis stellt. Hier haben wir Adrian Brody, Mel Gibson, Robert Downey jr., Robin Wright und Katie Holmes. Keiner dieser Schauspieler und keine dieser Schauspielerinnen liefert eine akzeptable Leistung ab. Alle, so mein Eindruck, schalteten sie auf Autopilot und liehen dem Machwerk um des Honorarschecks wegen ihre Namen und ihre Gesichter.

 

“Whether [Potter] condensed his own story so stupidly or others ruined it for him, the results are sadly the same”, schreibt Lawrence Toppman für den Charlotte Observer und bringt das Dilemma des Films auf den Punkt, der die epische Anlage der TV-Serie als Hommage ans Zeitalter des Film Noirs schlicht ruiniert. Der Hollywoodfilm gleichen Namens ist ein vulgäres, affektiertes, hohles Spektakel und nicht mal die Legion der Make-Up-Spezialisten und Tricktechniker gelingt ein Minimum an Authentizität und Glaubwürdigkeit zu kreieren, das Gegenteil ist der Fall. Alle Kulissen haben Bühnencharakter und die bonbonfarbene Studiofilmästhetik, welche die 50er Jahre re-kreiert, erweist sich in Kombination mit den psychologisch banalen Auswüchsen der Sexualneurosen ihres zentralen Rollencharakters Dan Dark sowohl als überzeichnet als auch fade. Schon das von Mel Gibson hinter den Kulissen dirigierte Remake von John Boormans Point Blank - Keiner darf überleben (USA 1967) als Payback – Zahltag (USA 1999), jeweils basierend auf Donald Westlakes Roman The Hunter (EA 1962), war schrecklich. Auch andere Neufassungen klassischer Film Noirs und Neo Noirs erwiesen sich um die Jahrtausendwende oft als Missgriff. Einen so tiefen Fall wie The Singing Detektive habe ich jedoch selten erlebt. Dennis Potter hatte bereits Tanz in den Wolken (USA 1980), die US-Kinoadaption seiner zwei Jahre zuvor in England populären TV-Serie gleichen Namens, von Herzen gehasst. Ich kann mir vorstellen, dass er von The Singing Detective gleichfalls nicht begeistert wäre.

 

Es gibt eine bild- und tontechnisch exzellente Fassung des Films auf einer DVD (2004) der Constantin Film AG mit dem Werk ungekürzt im Originalformat. Neben der deutschen Kinosynchronisation findet sich die original englische Tonspur, leider ohne Untertitel, als Extras Filmografien, mehrere Interviews mit deutschen UT und ein 9-minütiger Blick hinter die Kulissen. Eine Werbebotschaft auf dem Waschblatt bezeichnet die britische BBC-Produktion als eine „US-Kult-Miniserie“ und Keith Gordons Kinofilm als ein „geniales Remake“.

 


Neo Noir | 2003 | USA | Keith Gordon | Adrien Brody | Mel Gibson | Robert Downey jr. | Carla Gugino | Robin Wright

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