Life Without Principle

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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Duet ming gam
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Ching Wan Lau, Richie Jen, Denise Ho, Myolie Wu, Hoi-Pang Lo

Regie
Johnnie To
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Hongkong: In einer Mietskaserne, wo sich auf einer Etage viele Einzimmerapartments befinden, ist der 65-jährige Chen Opfer einer Gewalttat geworden. Police Inspector Cheung (Richie Jen) ist vor Ort um zu ermitteln, aber es wimmelt von Bewohnern, die ungerührt ihren Geschäften nachgehen. Zudem sendet ihm seine Ehefrau Connie (Myolie Wu) eine SMS, um ihn an das bevorstehende Treffen mit einer Wohnungsmaklerin zu erinnern. Sie möchte ihren Mann dazu überreden, ein in einem Hochhaus gelegenes Apartment zu kaufen, und als Cheung dort eintrifft, sind die Maklerin und Connie bereits vor Ort. Das Hochhaus ist von anderen umstellt, aber Connie weist darauf hin, dass man von dem in großer Höhe gelegenen Ort an einigen Stellen tatsächlich das Meer und an anderen die Berge sehen könne. Die Maklerin betont, dass der Wohnungsmarkt momentan schwieriges Terrain sei und das Paar sich glücklich schätzen könne, ein solches Angebot zu erhalten. Als der Police Inspector abberufen wird, steht Connie enttäuscht in dem unmöblierten Raum, denn ihr Mann konnte sich nicht zu einer Entscheidung durchringen und möchte die Sache mit ihr besprechen. Die Maklerin informiert Connie, dass sie für die Wohnung bereits weitere Interessenten in der Hinterhand habe… Ein alter Mann tritt in eine Filiale der Manton Bank Hong Kong und fragt die Angestellte, die ihn begrüßt, wozu die grüne und rote Farbe der beiden Areale sei. Grün, so die Frau, sei für Bankgeschäfte, alle Ein- und Auszahlungen, rot fürs Investmentbanking…

 

“Life Without Principle is about money, money, money and how it changes, distorts and makes us who we are (…) thanks to the all-consuming power of the [Hong Kong] dollar”, schreibt Ross Chen für Love HK Film über dieses Werk der renommierten Regielegende Johnnie To. Letzterer ist ebenso wie John Woo und Ringo Lam seit den 80er Jahren für actiongeladene, düstere Hongkong-Thriller bekannt, die hin und wieder auf dem Terrain des Neo Noirs angesiedelt sind, so etwa Running Out Of Time (HK 1999) oder Vengeance (HK/FRA 2009). Für mich gehört auch Life Without Principle zu dem Kanon, obgleich er weniger Action und Gewalt zu bieten hat, sich im Gegenzug aber mit der Metropole Hongkong, mit dem Geld als Treibstoff gesellschaftlichen Lebens und mit den Lebensbedingungen auf unterschiedlichen Etagen der kapitalistischen Gesellschaft befasst. Für derlei Anliegen beweist das von Au Kin-Yee in Kooperation mit Ben Wong und Jeff Cheung verfasste Drehbuch einige Raffinesse, indem es sich auf drei unterschiedliche Charaktere fokussiert. Police Inspector Cheung ist eine treue Beamtenseele, doch die Wünsche und Ansprüche seiner Ehefrau Connie setzen ihn unter Druck. Die Bankangestellte Teresa (Denise Ho) hat einzig den Auftrag, Kunden ihres Instituts auf Gedeih und Verderb Wertpapiere anzudrehen, auch wenn deren krankhafte Gier nach dem in Aussicht gestellten Reichtum sie in den Ruin treibt. Aber die dadurch verursachten Gewissensbisse lasten schwer. Der letzte im Bund ist der loyale Kleinkriminelle Panther (Ching Wan Lau). Er ist einerseits naiv, andererseits klug genug, um genau davon zu profitieren, da ihn die Gangster der Hongkong-Triaden aufgrund seiner scheinbaren Dummheit unterschätzen… Am Vorabend eines Börsencrashs erhalten diese drei durch eine Verkettung von Umständen die Gelegenheit, ihr Leben von Grund auf zu verändern. Letzteres ist die Idee, welche die Filmhandlung von Beginn antreibt und Johnnie To die Gelegenheit gibt, ein Portrait seiner Heimatstadt zu liefern, das es allemal in sich hat.

 

Nach einer starken ersten Hälfte verliert sich der Film aber in vielen nicht unglaubwürdigen Koinzidenzen.  Zudem erweisen sich die drei zentralen Charaktere als ein zu flach, um das Interesse der Zuschauer über die eingangs beschriebene Prämisse hinaus aufrecht zu erhalten. Johnnie To würzt die Handlung im letzten Drittel mit einigen der ihm geläufigen Zutaten, – ein wenig Action, ein wenig Gewalt – aber das allein rundet die Geschichte nicht. Zwar bleibt der Film bis ins Finale unterhaltsam und verliert weder sein Augenzwinkern noch seinen scharfen Blick auf die Geldgier unbescholtener Bürger hinter ihren Fassaden der Wohlanständigkeit. Mir ist allein das (auch trotz teils beeindruckender Bilderwelten aus der Metropole Hongkong) aber zu wenig, um das Werk im Kanon des Neo Noirs aus Fernost als einen Zugewinn zu bewerten. Läuft der Abspann, stellt sich eher ein Seufzen und Achselzucken ein. Denn zumindest mich haben die Rollencharaktere nicht wirklich berühren oder gar für sich gewinnen können. Schade!

 

In Deutschland erschien der Film nicht, allerdings gibt es international mehrere Ausgaben, so etwa eine australische DVD-Edition (2011) der Madman Entertainment Pty Ltd. mit dem Fim ungekürzt im Originalformat und mit Tonspuren in wahlweise Kantonesisch oder in Mandarin, das Ganze optional mit englischen Untertiteln, bild- und tontechnisch exzellent, allerdings ohne Extras. Mehrere Bildträger aus Fernost (BD und DVD) bieten den Film in ähnlicher Ausstattung, zudem ist er in diversen Streamingportalen verfügbar.

 


Neo Noir | 2011 | International | Johnnie To | Ching Wan Lau | Eddie Cheung | Philip Keung

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