Voice Of Merrill, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Voice Of Merrill / Murder Will Out
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Valerie Hobson, Edward Underdown, James Robertson Justice, Henry Kendall, Garry Marsh

Regie
John Gilling
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London, England: Auf der Crisp Road im Stadtteil Hammersmith geht ein Mann im Mantel in der Dunkelheit des Abends übers nasse Pflaster des Bürgersteigs. Er betritt ein Apartmenthaus, dessen Portiersloge verlassen liegt, und steigt die Treppe empor in eines der oberen Stockwerke. Er betritt die unverschlossene Wohnung von Jean Bridges, die sich soeben an ihrem Toilettentisch zurechtmacht. Als sie einen Schatten durch den Korridor huschen sieht, erkundigt sie sich rufend, ob es wohl der von ihr Erwartete sei. Da eine Antwort ausbleibt, erhebt sie sich und dreht sich um. Da sieht sie in den Lauf einer Pistole, und mit einem einzigen Schuss streckt ihr Mörder sie nieder. Im Sturz stößt sie gegen eine Blumenvase mit roten Rosen und das Wasser tropft in ihre auf dem Boden stehende, geöffnete Handtasche. Ohne sich weiter um sie zu kümmern, zieht ihr Mörder jenen Vorhang zu, der das Zimmer vom Korridor trennt… Schriftsteller Hugh Allen (Edward Underdown) betritt das Restaurant Flamenco und wird von dem Kellner, der ihn kennt, zu seinem Tisch für zwei Personen geführt denn Allen erwartet heute Abend mit Jean Bridges zu speisen. Als er sich eine Zigarette anzündet und den Blick durch den Raum schweifen lässt, bemerkt er Mrs. Alycia Roach (Valerie Hobson), die ebenfalls allein auf jemanden zu warten scheint. Er kann den Blick nicht von ihr wenden und darüber muss sie lächeln. Verleger Ronald Parker (Henry Kendall) tritt ins Restaurant, begrüßt erst Hugh Allen und begibt sich nun an den Tisch zu Mrs. Roach…

 

“A twisty, intriguing mystery with (…) a climax right out of film noir, even taking place on a nighttime city street”, heißt es bei Michael’s Moviepalace: Viewing Classic Movies, und dem kann ich nur beipflichten. John Gilling ist ein Autor und Regisseur, der mit dem Brit Noir eng verbandelt war; B-Produktionen waren und blieben sein Metier. Gilling schrieb und drehte zwischen 1949 und 1967 mindestens einen, mitunter sogar vier Filme pro Jahr. Viele davon entstanden anfangs für die Produktionsgesellschaft Tempean Films, deren Mitinhaber Monty Berman häufig sogar als Kameramann aktiv war, wie es auch im Fall von The Voice Of Merrill der Fall ist. Die Qualität der Filme ist unterschiedlich, insofern John Gilling zwar als Regisseur verlässlich ist, als Autor allerdings oft keine sichere Hand beweist und mitunter fade, leicht durchschaubare Stolle auf Pulp-Niveau bietet. Das ist bei The Voive Of Merrill deutlich anders, obgleich wohl niemand wissen dürfte, wer sich hinter den Namen der Autoren der Erzählung verbirgt, Terence Austin und Gerald Landeau, welche die Vorlage für das von John Gillings verfasste Drehbuch schrieben. Sie sind beide mit nur dieser einen Filmproduktion assoziiert und hinterließen als Autoren sonst keine Spuren. Das hat seinen besonderen Witz, insofern auch im Brit Noir The Voice Of Merrill die Autorschaft von Kurzgeschichten, die Hugh Allen unter Anleitung durch Alycia Roach im Rundfunk liest, für die Öffentlichkeit unklar bleibt und nur einer Handvoll Eingeweihter bekannt ist. Genau das spielt für die Handlungsentwicklung und für das Finale des Films eine hoch relevante Rolle. So gelingt Gilling in diesem Film, was für eine A- oder für eine B-Produktion jeden Zeitalters der Filmproduktion von Belang ist: seine Charaktere erweisen sich als komplex, ihre Beziehungen zueinander sind vielschichtig und die Geschichte selbst bleibt undurchsichtig und spannend bis zuletzt.

 

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“Intelligent?” – “On the contrary. I rated her intelligence even lower than I do yours.” Neben Dialogpassagen, die Stärken und Schwächen der Rollencharaktere pointiert gegenüberstellen, sind es die Schauspieler, die in diesem Film John Gillings gegenüber anderen Produktionen von Tempean Films den Unterschied markieren. Die drei Darsteller im Zentrum der Handlung – Valerie Hobson, Edward Underdown, James Robertson Justice – spielen ihre Charaktere perfekt, aber auch diejenigen in Nebenrollen, allen voran Sam Kydd, Garry Marsh und Daniel Wherry als Butler von Jonathan Roach, zeigen feine britische Schauspielschule. Das ist ein gehöriges Plus, können Darsteller anderer Produktion in “Quota Quickies“ von Tempean Films, etwa Rod Cameron, Mary Castle, Kieron Moore oder Constance Smith, eindeutig nicht derart überzeugen. Im Ganzen ist The Voice Of Merrill ein Film, den ich trotz seiner mittelprächtigen visuellen Gestaltung durch Monty Berman allen Freunden europäischen Film Noirs und der Filmklassik im Allgemeinen ans Herz lege.

 

Erstklassige DVD-Edition (2008) der Odeon Entertainment in deren The Best Of British Collection mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur ohne Untertitel. Bild- und tontechnisch ist die restaurierte Fassung nicht brillant, doch dass der Film es überhaupt zu einer solchen Edition inklusive vierseitigem Booklet und Filmessay brachte, ist mehr als erfreulich.

 


Film Noir | 1952 | UK | John Gilling | Monty Berman | Edward Underdown | Garry Marsh | Sam Kydd | Valerie Hobson

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