Wind River

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Bewertung
****
Originaltitel
Wind River
Kategorie
Neo Noir
Land
CAN/UK/USA
Erscheinungsjahr
2017
Darsteller

Jeremy Renner, Elizabeth Olsen, Gil Birmingham, Graham Greene, Kelsey Chow

Regie
Taylor Sheridan
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Wild Bunch Germany GmbH

Indessen die Indigene Natalie Hanson (Kelsey Chow) in einer Daunenjacke und barfuß über ein Schneefeld rast, fernab jeder Straße und jeden Ortes, rezitiert sie in ihrem Kopf ein Gedicht ihrer Jugendfreundin Emily Lambert, eines über den schönsten Ort der Welt und die Liebe. Sie strauchelt und fällt, ihr Mund ist blutverschmiert, doch sie rappelt sich auf und rennt weiter durch die Kälte der Nacht… Im winterlichen US-Bundesstaat Wyoming ist im Indianerreservat Wind River eine Schafsherde von Wölfen eingekreist. Der mit der indigenen Wilma Lambert (Julia Jones) verheiratete Wildhüter Cory (Jeremy Renner), selbst ein Weißer, ist Angestellter des United States Fish and Wildlife Service. In einem Tarnanzug liegt der Scharfschütze auf der Pirsch und erschießt den Leitwolf, worauf sich das Rudel zurückzieht. Später fährt Cory in die Kleinstadt Lander zu seiner Ehefrau, mit der er nicht mehr zusammenlebt, nachdem sie drei Jahre zuvor ihre Tochter Emily verloren, die bei einer Party im eigenen Haus, indessen Cory und Wilma nicht da waren, auf mysteriöse Weise verschwand und erfroren im Schnee gefunden wurde. Heutel holt Cory seinen 11-jährigen Sohn Casey (Teo Briones) ab. Erstmal darf der Junge auf dem eigenem Pferd reiten. Später fahren sie zu Wilmas Familie ins Reservat, wo Cory für seinen Schwiegervater Dan Crowheart (Apesanahkwat) die Fährte eines Wildtiers aufnehmen soll, das einen Ochsen riss. Er vermutet, dass es sich um mehrere Pumas handelte und macht sich mit Dans Schneemobil auf den Weg in die Wildnis…

 

“Wind River has been called a neo-Western (…), and I will not quibble with categorizing it as such. But I would also put the film in the category of neo-noir”, schreibt Marianne in ihrem Blog Make Mine Film Noir, und mir geht es so wie ihr. Schon mit dem von Autor und Regisseur Taylor Sheridan im Jahr zuvor verfassten Drehbuch für David Mackenzies Hell Or High Water (USA 216) hatte es eine ähnliche Bewandtnis. Auch Wind River ist ein vielschichtiger und mitunter präzise komplexer Film voller exquisit porträtierter Außenseiter, und Marianne fasst die sie zentral betreffenden Elemente des Film Noirs ebenso einfach wie pointiert in folgende Aufzählung: “grief, vengeance, murder, fate, violence, betrayal“. Ja, darum geht es. Aber keinen einzigen der Bestandteile nimmt Taylor Sheridan leicht. Sie alle finden zu angemessener Zeit in der ihnen gemäßen Dosis ihren Platz in einer Geschichte, die so schlicht wie anrührend, so fatalistisch wie menschlich ist. Hier gibt es kein CGI aus Hollywoods Trickkiste und keine geschminkten Models in Laufstegmode, die als Schauspielerinnen fungieren. Hier waltet Natur, Wildtiere und Wetter, und der Mensch sucht sich aus der Einsamkeit, die ihn wie eine Schneelawine zu begraben droht, ans Licht zu kämpfen. ”Luck don’t live out here“, fasst Cory Lambert es zusammen – desillusioniert, aber ungebrochen. Als er auf der Suche nach einer Puma-Familie die Leiche Natalie Hansons im Schnee entdeckt, kehrt die Erinnerung an den Verlust seiner Tochter mit voller Wucht ins Bewusstsein zurück. Unter ähnlichen Umständen ist auch sie an dem Ort verstorben, wo Recht oder Unrecht immerfort ungreifbar scheinen. So wie in der Tiefe der Wälder liegt auch in den Siedlungen der Hiesigen eine todbringende Gewalt wie ein unsichtbares Rudel auf der Lauer.

 

“I'd like to tell you it gets easier. It doesn't.” Cory Lambert hilft der FBI-Agentin Jane Banner (Elizabeth Olsen), die von Las Vegas aus ins Indianerreservat abgestellt wurde, den Mord an Natalie Hanson aufzuklären. Sie ist ein Fisch auf dem Trockenen und braucht seine Expertise. Er ist ein von Trauer und Schuld zerfressener Vater und will Rache. Dass er mit dieser Ausgangslage seiner Neo-Noir-Anteile des Films keinen Schiffbruch erleidet, dafür sorgt der Autor und Regisseur Taylor Sheridan, der sich möglicherweise auch von Ivan Sens Goldstone (AUS 2016) inspirieren ließ, mit einigen cleveren Schachzügen in der Handlungsentwicklung. Ebenfalls relevant ist die Auswahl eines Ensembles, das durch die Bank großartige Leistungen abliefert. Kameramann Ben Richardson präsentiert grandiose Bilder der Winterlandschaften in Utah, wo ein Großteil der Außenaufnahmen entstand. Erwähnenswert ist zudem die eigenwillige Musik von Nick Cave und Warren Ellis: überaus dezent und in vielen Szenen spürbar der letzte Schliff. Wind River schlittert nur knapp am Meisterstück vorbei, insofern der Racheplot am Ende in ausgetretene Pfade mündet und die Charakterstudie des Einzelgängers Cory Lambert auf der Grenzlinie vom Helden zum Antihelden mitunter mehr Tiefe vorgibt, als vorhanden ist. Allemal ist das ein Neo-Noir-Thriller von einer Qualität, wie sie aktuell schwer zu finden ist und den ich allen Cineasten, die solches Kino schätzen, uneingeschränkt empfehle.

 

Es gibt eine jeweils exzellente BD- und auch DVD-Edition (2018) der Wild Bunch Germany GmbH im Vertrieb der Universum Film GmbH, München, mit dem international mehrfach preisgekrönten Überraschungserfolg ungekürzt und im Originalformat, dazu der englische Originalton (unbedingt zu empfehlen) und die deutsche Kinosynchronisation, optional Untertitel auf Deutsch sowie diverse Interviews und Featurettes als Extras.

 


Neo Noir | 2017 | USA | Taylor Sheridan | Eric Lange | Jeremy Renner | Jon Bernthal

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