Goldstone

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Goldstone
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Aaron Pedersen, Alex Russell, Jacki Weaver, David Wenham, David Gulpilil

Regie
Ivan Sen
Farbe
Farbe
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Inmitten der australischen Outbacks liegt die aus einer Handvoll Wohncontainer, Baracken und Wohnwagen bestehende Ortschaft Goldtone, eine Ansammlung von Behausungen rund um die dem Goldabbau geschuldete Mine Furnace Creek. Auf der einzigen schnurgeraden Straße durch die Ödnis ist Police Detective Jay Swan (Aaron Pedersen) in seinem Geländewagen unterwegs, gefolgt vom örtlichen Polizeichef Josh Waters (Alex Russell), der nicht weiß, wen er vor sich hat, als er den schlingernden Wagen anhält. Swan, verwahrlost und wortkarg, hockt völlig betrunken hinterm Steuer. Josh Waters nimmt ihn kurzerhand fest und fährt ihn in seinem eigenen Toyota Land Cruiser zum Polizeirevier. Hier schläft Jay auf dem blanken Gitterrost des Zellenbetts im Nu ein. Doch als Waters die Reisetasche Swans untersucht, entdeckt er sowohl dessen Dienstwaffe als auch Swans Dienstmarke der State Police. Während ein Abschleppwagen Jay Swans Jeep vor der Polizestation in den Staub rollen lässt, erwacht der verkaterte Polizeioffizier und findet seine Reisetasche bereits neben dem Bett auf dem Zellenboden… Indessen trifft sich Josh Waters im Café von Sally (Gillian Jones) mit der Bürgermeisterin Maureen (Jacki Weaver). Sie berichtet von einem Antrag zu einer erweiterten Nutzung des Landes durch die Minengesellschaft Furnace Creek. Dummerweise benötigt man dazu die Zustimmung der Aborigines in Broken River. Immerhin ist deren Oberhaupt Tommy (Tommy Lewis) auf ihrer Gehaltsliste, so wie auch Josh Waters…

 

“The long, dusty vistas of the Australian outback will always look like the perfect setting for a western, but Goldstone uses them for something different: a film noir. Or, to be precise, a neo-noir“,schreibt Sam Gray für The Upcoming und setzt damit den Ton für seine umsichtige Besprechung dieser Fortsetzung von Ivan Sens Erstling um den Police Detective Jay Swan mit dem Titel Mystery Road (AUS 2013). Letzter war nicht nur in Australien ein Erfolg, er muserte sich weltweit zu einem Geheimtipp unter Kritikern und Filmfreunden und prägte den Begriff “Outback Noir“ als Signum einer neuen Gangart im australischen Thrillerkino. Inzwischen tritt Jay Swan in sechs Folgen einer Mystery Road (AUS 2018) benannten TV-Serie der Australian Broadcasting Corporation (ABC) erneut in Aktion, diesmal gar mit Judy Davis (In der Hitze des Zorns, AUS 1982) an seiner Seite, das Ganze unter Regie von Rachel Perkins und mit Ivan Sen in der Rolle des Produzenten. Dessen Goldstone bebildert eine so schlichte wie auch abgründig dunkle Geschichte, die sich in mehrfacher Hinsicht um die Vergangenheit ihres Protagonisten rankt, der als Aborigines – oder eben "blackfella“, wie er von Weißen vor Ort abfällig genannt wird – in die Heimat seines Vaters zurückkehrt. Aber auch der Kriminalfall von Mystery Road (AUS 2013) eilt Jay Swan als sein Schatten hinterdrein und so bekommen auch die bis zum Hals in Menschenhandel und Betrug verwickelten Drahtzieher in Goldstone Wind davon. Das Tempo des Films ist geruhsam, seine Rollencharaktere umkreisen und taxieren sich träge und ausgiebig, bevor sie schließlich doch in Aktion treten. Auch das Finale ist konsequent, trägt allerdings nicht zu jener letzten Steigerung bei, die ich mir nach dem langen Aufbau davon versprochen hatte, und so war ich zumindest ein klein wenig enttäuscht.

 

Ivan Sens Neo Noir profitert stark vom Casting und von den Einzelleistungen seiner Darsteller. Dass Aaron Pedersen als Jay Swan dabei so schweigsam und so wenig wie ein Staatsdiener agieren darf, rangiert an der Grenze des Humors seines Films, den er allemal zu bieten hat, vornehmlich schwarzen Humor. Bei dem ersten Besuch des Polizeibeamten im Büro der Bürgermeisterin Maureen gelingt es Jay Swan, kein einziges Wort zu sprechen und allein über minimale Körpersprache und Mimik auf die ihrerseits pausenlos redende Frau zu reagieren, die sich dann mit einiger Bissigkeit bei ihm für den freundlichen “Chat“ zu bedanken weiß. Die Situation der Aborigines, die ungebrochene Gier und der Zynismus jener Vertreter von Politik und Wirtschaft in Gebieten fern von Urbanität und medialer Aufmerksamkeit, der tief in ihnen wurzelnde Rassismus – all das sind zentrale Themen in Goldstone und lassen den Film nachwirken. Sens Nachfolger zu Mystery Road hat auch in Europa unter Kritikern ein breites und fast durchweg positives Echo gefunden, schaffte es wie sein Vorgänger jedoch hierzulande weder ins Kino noch auf BD und DVD. Den Cineasten wundert das längst nicht mehr und es gibt mir keinen Anlass zu einem neuerlichen Kommentar. Goldstone sei Freunden des Neo Noir so oder so ans Herz gelegt. Er lohnt sich auch wegen eines (für mich allemal überraschenden) Wiedersehens mit David Gulpilil, einst Hauptdarsteller in Nicholas Roegs legendärem Walkabout (UK/AUS 1971).

 

Erstklassige BD- und DVD-Ausgaben (2017) der britischen AX1 Entertainment Ltd. mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, dazu die original englische Tonspur inlusive englischer untertitel, bild- und tontechnisch erstklassig, die Kinotrailer für Mystery Road und für Goldstone als Extras Empfehlenswert!


Neo Noir | 2016 | International | Ivan Sen | Aaron Pedersen | David Wenham | Gillian Jones | Jacki Weaver

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