PTU

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Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
PTU
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Simon Yam, Maggie Siu, Suet Lam, Ruby Wong, Raymond Ho-Yin Wong

Regie
Johnnie To
Farbe
Farbe
Laufzeit
88 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Ascot Elite Home Entertainment

Hongkong: Auf einem Pritschenwagen fahren acht uniformierte Polzeibeamte der Police Tactical Unit (PTU) unter dem Kommando von Inspector Leigh Cheng (Ruby Wong) und Sergeant Mike Ho (Simon Yam) zum nächtlichen Einsatz und hören indessen die Nachrichten. Eine Rundfunksprecherin berichtet von einem brutalen Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem heute 18 Millionen Hongkong-Dollar erbeutet wurden und ein Polizist ums Leben kam. Als einige der Kollegen sich abschätzig über den getöteten Polizisten äußern, schaltet Mike Ho sich ein und erinnert sie daran, dass jeder Beamte in Uniform einer von ihnen sei und Respekt und Trauer verdiene. Auf einem inzwischen nurmehr von wenigen Kunden besuchten Boulevard steigen sie von der Ladefläche und begeben sich als zwei Patrouillen à vier Beamte auf ihren jeweiligen Rundgang… Nicht weit davon überquert der Gangster "Ponytail“ (Chi-Shing Chiu) mit vier Kumpanen im Schlepptau eine befahrene Straße, um in seinem Stammlokal einzukehren, wo der Inhaber und Wirt sofort diensteifrig zur Stelle ist und den fünf einen Tisch anweist. Aber Ponytail ist unzufrieden, tropft doch aus einem Leck in der Klimaanlage über ihnen Wasser auf die Tischplatte. Die fünf setzen sich an den Nachbarstisch, wo nur ein einzelner Gast, Brother Hei (Chi-Wai Wong), auf seine Mahlzeit wartet. Im Nu ist der Wirt erneut zur Stelle und setzt den verblüfften Brother Hei an einen anderen Tisch. Er entschuldigt sich bei dem inzwischen mächtig verdrossenen Ponytail…

 

“Eerily shot and frighteningly amoral it's Asian cinema's take on the brutal and uncaring universe of classic film noir”, schrieb Jamie Russell für die BBC und liegt vollkommen richtig. Doch das später auch von ihm selbst zitierte Problem des Werks ist, dass nur solche beiden Eigenschaften, nämlich Siu-Keung Chengs (Mad Detective, HK 2007) fantastische Kameraarbeit und die vor allem in den 10 Minuten des Finales augenfällige Brutalität des Films herausstechen. Die Geschichte selbst ist fast nicht vorhanden. Police Sergeant Lo Sa (Suet Lam) verfolgt einen jungen Gangster, gerät in eine Falle und vermisst daraufhin seine Dienstwaffe, weshalb Mike Ho, der Leiter einer PTU-Patrouille, verspricht ihn bei der Suche danach bis Sonnenaufgang zu unterstützen. Die Beziehungen der Polizeibeamten zu den Gangstern sind komplex und undurchsichtig; man kennt sich und man respektiert sich. Demgegenüber schrecken Mike Ho und seine eisgekühlte Kollegin Leigh Cheng (Maggie Siu), Agentin vom CID (Criminal Investigation Department), nicht davor zurück, gegenüber Ganoven harte Gewalt anzuwenden, welche diese sogar an den Rand des Todes bringt. Sicher lässt sich argumentieren, dass gerade die Parallelen im Handeln der Verbrecher und der Staatsbeamten jene Grenzen zwischen Gut und Böse zum Verschwinden bringen, wie es schon im klassischen Film Noir der Fall war. Der Detektiv und auch der Polizeibeamte agieren darin selbst im rechtsfreien Raum, sind bestechlich oder bis zum Mord gewaltbereit, um ihre Interessen zu verfolgen und ihre Ziele zu erreichen. Aber in PTU bleiben die Figuren beider Seiten frei von Gewissensbissen oder Zweifeln. Die Polizisten sind einander maximal loyal und zugleich selbstherrlich. Die Gangster sind im Grunde keine Charaktere sondern Funktionsträger, entweder kleine oder große Fieslinge, die durch eine Liste von Klischees als Akteure der Unterwelt etikettiert werden.

 

Womöglich ist es die Sichtweise eines westeuropäischen Cineasten, aber dass PTU von der Hong Kong Film Critics Association 2004 für das beste Drehbuch, die beste Regie und sogar als bester Film mit dem Golden Bauhinia Award ausgezeichnet wurde, ist mir ein Rätsel. Das Werk gewann den Preis in sechs Kategorien und schlug quantitativ den im Vorjahr prämierten Infernal Affairs – Die achte Hölle (HK 2002) von Alan Mak und Wai-keun Lau, der eindeutig in einer anderen Liga rangiert und als ein Meisterstück des Hongkong-Films gesehen werden muss. Johnnie Tos Film besticht durch die simple Tatsache, dass er in einer einzigen Nacht spielt und mit Suet Lam und Simon Yam zwei exquisite Darsteller des Neo Noirs "Made in Hong Kong" zu verpflichten wusste. Der Rest ist “Style over Substance“ und zwar in einem Ausmaß, dass es mitunter fast zum Lachen reizt, wenn die Geschichte passagenweise auf der Stelle tritt, dies aber schön anzuschauen ist. Störend fand ich auch die konstante Musikuntermalung mit Pop Instrumentals, die in Anbetracht der öden Charaktere, die entweder nur unsympathisch sind oder gar keine emotionale Resonanz im Zuschauer hervorrufen, beliebig und zweckentfremdet wirken. Fazit: Unterkühlt düsterer und fatalistischer, zugleich langatmiger und im Abschluss wenig origineller Thriller von der Stange. Obwohl er halbwegs unterhaltsam genannt werden darf, wird er seinem Ruf nicht ansatzweise gerecht.

 

Als PTU – Police Tactical Unit gibt eine deutsche DVD-Edition (2006) der Ascot Elite Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu eine deutsche Synchronisation (auf keinen Fall zu empfehlen) und auch die original kantonesisch-englische Tonspur mit optional deutschen Untertiteln, das Ganze bild- und tontechnisch einwandfrei und im Steel Book, dazu eine Fotogalerie, den original Kinotrailer sowie Interviews mit Simon Yam und Johnnie To als Extras. Als BD gibt es PTU bis dato nur in internationalen Ausgaben.

 


Neo Noir | 2003 | International | Johnnie To | Simon Yam | Suet Lam

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