Kuss vor dem Tode, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
A Kiss Before Dying
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/USA
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, Diane Ladd, James Russo

Regie
James Dearden
Farbe
Farbe
Laufzeit
94 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Der Kuss vor dem Tode-Poster-web2.jpg Der Kuss vor dem Tode-Poster-web1.jpg Der Kuss vor dem Tode-Poster-web3.jpg

 

In der Kupferraffinerie der Carlsson Copper Corporation, einer Firma im Besitz von Thor Carlsson (Max von Sydow), verlädt man die Produktion in Güterzüge, die aus dem Firmentor ins Land hinausfahren. In Pittsburgh steht der 10-jährige Joanathan-Corliss (James Bonfanti) am Fenster seines Kinderzimmers und sieht die Reihe der Waggons mit dem Firmennamen am Haus vorüberziehen… Die University of Pennsylvania in Philadelphia im Jahr 1987: In einem Hörsaal gibt eine Dozentin (Sarah Keller) eine Vorlesung über die Idee des Übermenschen nach Friedrich Nietzsche, der auch Dorothy Carlsson (Sean Young) beiwohnt, die mit Zeichnung eines Liebespaares befasst ist und auf die Uhr schaut. Nach dem Ende der Veranstaltung zieht sie sich in einem Büro ein hübsches Kostüm an, ist jedoch mit der Auswahl an Schuhen, die zur Verfügung stehen, mehr als unzufrieden. Auf dem Gang trifft sie ihre Kommilitonin Patricia Farren (Martha Gehman), die ihren Aufputz bewundert und sie fragt, für wen sie sich so schick gemacht habe. Dorothy reagiert genervt und behauptet, sie werde lediglich ihren Vater zum Mittagessen treffen; all die Gerüchte über einen vermeintlichen Freund seien Unsinn. In einer Boutique erwirbt sie ein Paar Schuhe und fährt mit einem Taxi zur City Hall, wo Jonathan Corliss (Matt Dillon) sie vor dem Eingang ungeduldig erwartet. Per Fahrstuhl erreichen sie das Standesamt, doch über die Mittagszeit ist es bis 14:00 Uhr geschlossen. Die Wartezeit wollen sie sich auf dem Dach des Gebäudes vertreiben…

 

Ursprünglich hatte der Film mit River Phoenix (Jahgrgang 1970) und mit Bridget Fonda (Jahrgang 1964) besetzt werden sollen. Man muss sich einmal vorstellen, wie anders solcher Thriller wirkte, hätten diese Akteure zugesagt und mitgespielt. River Phoenix erteilte der Produktion eine Absage, weil ihm die Figur Jay Faradays aka Jonathan Corliss‘ nicht behagte. Bridget Fonda war bereits eingeplant, musste aufgrund von Terminkonflikten jedoch abspringen. Allemal erweist sich Matt Dillon (Jahrgang 1964) für die männliche Hauptrolle als keine schlechte Wahl. Er stattet seine Figur mit einigen Besonderheiten aus und agiert bis zuletzt glaubwürdig. Mit Sean Young (Jahrgang 1959) verhält es sich leider anders. Sie tut alles, was im Drehbuch steht, und sie tut es mit einer Art von Fachkompetenz, wie ein Maurer ein Maurer und eine Kellnerin eine Kellnerin ist. Ihrer Darstellung ist technisch betrachtet gewissermaßen „in Ordnung“, aber ihre Rollencharaktere, die Zwillingsschwestern Dorothy und Ellen Carlsson, erweckt sie nicht ansatzweise zum Leben. Solche Abziehbilder junger Frauen, denen etwas Roboterhaftes zu eigen ist, erweisen sich so ziemlich als das Gegenteil dessen, was ein Zuschauer letzten Endes als glaubwürdig erlebt. Wenn Ellen zum Ende des Films aus dem Fenster blickt und Tränen vergießt, bleibt ihr Gesicht so ausdruckslos leer, wie ich es fast während des gesamten Films erlebte. Sean Young wurde noch im Jahr der Premiere des Films zweifach für den Golden Rasperry Award nominiert, und für ihre Rolle der Ellen Carlsson wurde ihr die Auszeichnung als schlechteste Schauspielerin in einer Hauptrolle auch zugesprochen.

 

“Though Dearden’s Kiss delivers more bang for the buck than its predecessor, it offers infinitely less entertainment. Dearden merely walks the cast through a gauntlet of film noir clichés“, schrieb Peter Travers 1991 im Rolling Stone in Anlehnung an den ursprünglichen Film-Noir-Klassiker. Bereits im Jahr 1956 verfilmte der deutsche Exilant Gerd Oswald Ira Levins Debüt-Roman Kuss vor dem Tode (EA 1953, auf Deutsch 1957) in und für Hollywood und zwar mit Robert Wagner als mörderischem Beau. Und schon damals erwies sich der männliche Hauptdarsteller als eine bessere Wahl als Joanne Woodward und Virginia Leith, die die Schwestern Dorothy und Ellen verkörperten. Die von Autor und Regisseur James Dearden kompetent, doch sprunghaft und nicht immer logisch stringent (und glaubwürdig) inszenierte zweite Adaption ist kein Remake. Aus einem Tutor am Lehrstuhl, der Dorothy unterrichtete, wird in Deardens Verfilmung ein Polizist der Mordkommission in Philadelphia. Zudem täuscht Jonathan Corliss Selbstmord vor, der seine Identität im Umfeld von Dorothy Carlsson und seine Herkunft aus Pittsburgh vollends verschleiern soll. In letzter Konsequenz bleibt Der Kuss vor dem Tode jedoch ein 08/15-Thriller mit Referenzen an den klassischen Film Noir und einem überzeugenden Homme fatale, der das mäßig spannende und von Sean Youngs Schauspiel beeinträchtigte Drama allein nicht retten kann. Auch das Finale und die Schlusssequenz kommen nicht über TV-Niveau hinaus, und so hinkt der Film im Kontext seiner Zeit Werken von John Dahl, Phil Joanou, Joel und Ethan Coen oder Curtis Hanson eher hinterher. An der Kinokasse floppte er, und über die Jahre zollten ihm Publikum und Kritiker nurmehr wenig Aufmerksamkeit, denn für einen Kultfilm oder Klassiker braucht es deutlich mehr.

 

Es gibt eine exzellente deutsche DVD-Ausgabe (2011) im Vertrieb der EuroVideo Medien GmbH mit dem Film ungekürzt im korrekten Bildformat, dazu die englische Originaltonspur und die deutsche Kinosynchronisation, optional Untertitel auf Deutsch, Extras finden sich keine. Mehrere internationale DVD-Ausgaben der Universal Pictures, die heuzutage weniger kostspielig sind, bieten den Film in exakt der gleichen Qualität, jeweils ohne eine deutsche Tonspur oder deutsche Untertitel.

 


Neo Noir | 1991 | USA | James Dearden | Ira Levin | James Russo | Matt Dillon | Diane Ladd | Sean Young

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