Asche und Diamant

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Bewertung
*****
Originaltitel
Popiół i diament
Kategorie
Film Noir
Land
POL
Erscheinungsjahr
1958
Darsteller

Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska, Wacław Zastrzeżyński, Adam Pawlikowski, Bogumił Kobiela

Regie
Andrzej Wajda
Farbe
s/w
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Am 8. Mai des Jahres 1945 liegen irgendwo auf dem Land zwei Partianen der polnischen Heimatarmee in Zivil, der Leutnant Andrzej (Adam Pawlikowski) und sein langjähriger Kriegskamerad Maciek Chelmicki (Zbigniew Cybulski), vor einer an der Straße gelegenen Kappelle im Gras. Maciek fragt seinen Vorgesetzten, wer der Kerl sei, er habe es vergessen. Andrzej antwortet ihm, dass er der Sekretär der kommunistischesn Arbeiterpartei des Distrikts namens Szczuka (Wacław Zastrzeżyński) sei. Ein kleines Mädchen kommt herbei und möchte, dass ihr jemand beim Öffnen der Kirchentür hilft. Sie ist jedoch verschlossen, und Andrzej hebt sie empor, damit sie eine Blumengabe auf dem oberen Absatz der Tür ablegen kann. In dem Moment wird jenseits der Hügelkuppe ein Motorengeräusch hörbar und ein dritter Mann namens Drewnowski (Bogumił Kobiela), der von der Rückseite der Kappelle die Straße im Auge hat, gibt ihnen ein Signal. Andrzej lässt das Kind zu Boden und herrscht es an zu verschwinden, indessen Maciek sich langsam vom Gras erhebt und die beiden Maschinenpistolen zur Hand nimmt, die zu seinem Ärger von Ameisen übersät sind. Er postiert sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sobald der offene Jeep mit zwei Insassen (Mieczyslaw Loza, Ferdynand Matysik) in Sicht kommt, eröffnet er das Feuer. Der Wagen kommt von der Spur ab, sein Fahrer ist sofort tot. Indessen versucht der zweite Mann, der unverletzt herausgeschleudert wurde, in der Kappelle Schutz zu finden, aber die Killer kennen keine Gnade…

 

"Ashes and Diamonds is undoubtedly a film noir. Not only has Wajda borrowed the sinister shadows and the black and white aesthetic from the masters of the genre, but he has given the film a hero who is already as good as dead from the outset“, schreibt Meredith Taylor für Filmuforia über den polnischen Filmklassiker, der 1959 auf den Internationalen Filmfestspielen in Venedig den FIPRESCI-Preis erhielt und dessen weibliche Hauptdarstellerin Ewa Krzyżewska 1960 in Frankreich mit dem Étoile de Cristal geehrt wurde. Das Werk ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans (EA 1948, auf Deutsch 1960) des Schriftstellers Jerzy Andrzejewski durch den damals 32-jährigen Theater- und Filmregisseur Andrzej Wajda, der von Cineasten in aller Welt bis heute zu den großen Filmschaffenden im Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerechnet wird. Seit 2011 liegt der Film via BD und DVD erneut in einer ungekürzten und bild- und tontechnisch restaurierten Fassung vor, die eine Neubewertung des dritten Spielfilms seines Regisseurs ermöglicht. Vor dem Hintergrund bringt es das Zitat von Meredith Taylor auf den Punkt, denn Asche und Diamant beginnt mit zwei Partisanen, die an dem Tag, als der Zweite Weltkrieg mit der deutschen Kapitulation sein Ende fand, als Auftragskiller einen Funktionär der kommunistischen Partei umbringen sollen. Zudem ist es eine romantische Liaison, die leicht und gedankenlos beginnt und die für Maciek Chelmicki im Kontext einer Schicksalsnacht sein Leben in ein neues Licht rückt. Der gewissenlose, nur auf sich selbst und den nächsten Kick bezogene Mann mit Söldnermentalität, entwurzelt und jenseits der Kriegskameraden ohne Bindungen, spürt plötzlich die Sehnsucht nach einem anderen Dasein und gerät durch die Barfrau Krystyna (Ewa Krzyżewska) in den Bann von dessen Möglichkeit. Es bringt ihn in Konflikt mit der Pflicht zum Gehorsam gegenüber seinem Dienstherrn, indessen beide Seiten wissen, dass letzteres Maciek nur wenig bedeutet, und damit bringt es ihn in Gefahr.

 

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© Arrow Films

Wie es anerkannten Klassikern zukommt, ist Asche und Diamant - mit Drehbuch vom Autor der literarischen Vorlage - von radikaler Konsequenz und versucht an keiner Stelle, sein Publikum einzulullen. Die Bilderwelten und die Dramaturgie des Films bringen die Tragik der beiden zentralen Figuren und diejenige ihrer Mitstreiter und des polnischen Volkes in jener Zeit zum Leuchten. Nicht zuletzt dem unerschrocken expressionistischen Stil des Kameramanns Jerzy Wójcik ist die Wirkung und für den Film-Noir-Freund der Genuss jener Bilderwelten zu verdanken, die Asche und Diamant auch ästhetisch auf ein hohes Niveau heben. Andrzej Wajda ebnete das Werk den Weg in eine Karriere als Regisseur, die noch bis 2018, bis in das Jahr des Ablebens des damals 90-jährigen fortdauerte. Für viele Darsteller in Asche und Diamant sollte das nicht gelten. Schon 1967 starb mit 39 Jahren Hauptdarsteller Zbigniew Cybulski, Bogumił Kobiela folgte 1969 mit lediglich 38 und 1976 dann Adam Pawlikowski mit 50. Bereits im Jahr nach Premiere von Asche und Diamant war Wacław Zastrzeżyński mit 59 Jahren gestorben, und auch Ewa Krzyżewska, die mit Zbigniew Cybulski in Der Mörder und das Mädchen (POL 1963) erneut zusammenfand, wurde nur 64. Ihr aller Film ist stets ein Meisterstück der polnischen Filmhistorie: er sei jedem Freund des Film Noirs ans Herz gelegt.

 

Es gibt eine erstklassige BD- (2015) und auch DVD-Edition (2011) der englischen Arrow Films in deren Serie Arrow Academy mit dem Werk ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch topp, dazu den polnischen Originalton mit optional englischen Untertiteln, ein 25-minütiges Interview mit dem Regisseur und ein 40-seitiges Booklet mit Fotos und zwei Filmessays. Der Film lief 1961 auch in der Bundesrepublik Deutschland im Kino, im Jahr 1968 dann in der Deutschen Demokratischen Republik, dennoch gibt es hierzulande bis heute keine BD oder DVD. Von den internationalen Editionen ist die DVD (2005) der US-amerikanischen Criterion Collection gleichfalls auf Englisch untertitelt.

 


Film Noir | 1958 | International | Andrzej Wajda | Ignacy Machowski

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