Mit aller Härte

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Bewertung
***
Originaltitel
Once In The Life
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2000
Darsteller

Laurence Fishburne, Titus Welliver, Eamonn Walker, Paul Calderon, Annabella Sciorra

Regie
Laurence Fishburne
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York: Tony (Eamonn Walker), Inhaber einer Wäscherei und Dealer für den Drogenbaron Manny Rivera (Paul Calderón), geht des Nachts allein eine Straße entlang und steuert auf eine leerstehende Mietskaserne zu. Da hört er hinter sich die Schritte von Ruffhouse (Gregory Hines) und Buddha (Michael Paul Chan), den beiden Männern in Riveras Crew für die grobe Arbeit. Buddha schlägt seinem Partner eine Wette vor und vertritt die Meinung, dass Tony nicht in der Lage sein werde, den ihm aufgetragenen Job zu erledigen. Ruffhouse schlägt ein und macht Tony deutlich, dass er sich ab sofort auf ihn werde verlassen müssen… Am Straßenrand führt der hip gekleidete Freddie Nine Lives (Dominic Chianese jr.) ein spontanes Tänzchen auf, doch als er sich dabei gegen das Auto seines Bosses Manny Rivera lehnt, wird es letzterem, der auf dem direkt angrenzenden Gelände fürs Baseballspiel den Schlagmann mimt, schnell zuviel. Indessen er eigentlich gern mit Chino (Tiger Hu Chen) spräche, muss er sich erstmal darüber ärgern, dass der ungeschickte Freddie seinen Kaffee über die Kühlerhaube gießt. Er lässt ihn von Chino und seinem Neffen Hector (Andre Titus) an den Manschenzaun bringen und verpasst ihm mit dem Griff seines Schlägers mehrere Stöße in die Magengrube. Dann beauftragt er seinen Dealer Freddie, noch heute gemeinsam mit Hector eine Übergabe von 4 Kilogramm Kokain abzuwickeln. Freddie Nine Lives ist darüber alles andere als glücklich, denn er erhofft sich von Manny seit langem mehr Unabhängigkeit…

 

Wie ein Schlusspunkt oder ein Nachklang auf eine Ära, die mit Anbruch des neuen Jahrtausends definitiv zu Ende ging, so wirkt dieser Film - wie um einige Jahre zu spät. Nicht zuletzt tut er das wegen Paul Calderón als Drogenbaron Manny Rivera, der Christopher Walken als Frank White in Abel Ferraras King Of New York – König zwischen Tag und Nacht (ITA/USA/UK 1990) imitiert, einen Neo Noir, darin Calderón selbst mitspielte. Ich hatte Schwierigkeiten, mich in Mit aller Härte einzufinden. Die zu Beginn scheinbar zusammenhanglosen Handlungsebenen und jene allzu offensichtlich zwecks Erläuterung der Biografie der Halbbrüder inszenierten Rückblenden tragen wenig dazu bei, das Verhältnis der Zuschauer zu den Figuren festigen. Dass die beiden sich 30 Jahre nach ihrem Treffen in jener Szene als Kinder auf einer Polizeistation wiedersehen und aneinander sofort erkennen, erschloss sich mir nicht ansatzweise. Titus Wellivers Personifizierung des Junkies ist großartig. Auch Laurence Fishburne und Eamonn Walker überzeugen, so wie überhaupt die Besetzung und das Schauspiel bis in Nebenrollen Klasse beweist, gesteht man dem sonst so verlässlichen Paul Calderón sein Maß an Over-Acting zu. Und doch hatte ich ein Problem damit, dass mich der Film und seine verwahrlosten Orte in der Metropole New York an Barry Shears Straße zum Jenseits (USA 1972) oder an Amos Poes Alphabet City (USA 1984) denken ließen. In Fishburnes Verfilmung seines eigenen Theaterstücks Riff Raff (EA 1997) geht es letzten Endes um zwei ewige Verlierer, die sich von einem einzigen Coup, in den sie mehr schlecht als recht hineinstolpern, das große Glück erhoffen. Tatsächlich wird der Film nach den ersten 20 Minuten sukzessive besser, wenn nämlich die jeweils individuelle Einführung der handelnden Personen abgeschlossen und sich 20/20 Mike und Torch vor ihren Verfolgern in einem verlassenen, verfallenen Wohnblock verstecken müssen.

 

“Fishburne (…) has assembled a talented cast, but the movie remains an actor's exercise -- too much dialogue, too much time in the room, too much happening offstage, or in the past, or in memory, or in imagination”, schlussfolgerte Roger Ebert über Mit aller Härte und bringt es auf den Punkt. In seinem Theaterstück hat Laurence Fishburne de facto viel zu erzählen. Die dramatische Erzählung der Freundschaft und Familienbande jener drei Männer im Zentrum der Handlung beinhaltet unerwartet viel, womöglich gar zuviel. Als ein Filmwerk, als Neo Noir funktioniert dies jedoch nur begrenzt, obgleich ich einmal mehr die kontinuierlich steigende Kurve meines eigenen Interesses an der Geschichte betone, welches durchs Finale und den Schlusspunkt sogar belohnt wurde. Die letzten 15 Minuten waren sicher das Beste an Mit aller Härte und sie können zugleich die über 90 Minuten, die ihnen vorhergingen, nicht komplett wettmachen. So bleibt ein durchwachsener Eindruck zurück, denn Fishburnes einzige Arbeit als Autor und Regisseur, heute nahezu vergessen, ist keinesfalls schlecht, leider aber auch nicht gut genug, um sie vorbehaltlos zu empfehlen.

 

Es gibt eine deutsche DVD-Edition (2001) der VCL Film + Medien AG mit dem Film im Originalformat und ungekürzt, bild- und tontechnisch einwandfrei, aber nur mit der deutschen Synchronisation, was in Anbetracht der afroamerikanisch eingefärbten Dialoge und einiger poetischer Rezitation furchtbar ist – der Film ist in solcher Fassung ungenießbar. Bei der englischen DVD (2006) der Boulevard Entertainment Ltd. als Once In The Life ist zwar die original englische Tonspur ohne Untertitel beinhaltet, doch stimmt das Bildformat nicht, denn dieses ist 4:3 (Vollbild) und nicht 1.85:1 (Widescreen), wie es korrekterweise auf der US-DVD (2001, Regionalcode 1) von Lions Gate beinhaltet ist, die zum Originalton optional Untertitel auf Englisch, Spanisch und Französisch zu bieten hat. Letztere ist die einzige empfehlenswerte Edition des Films.

 


Neo Noir | 2000 | USA | Laurence Fishburne | Laurence Fishburne | Paul Calderón | Titus Welliver | Annabella Sciorra

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