Incident

 

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Bewertung
**
Originaltitel
Incident
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Jane Frazee, Warren Douglas, Robert Osterloh, Joyce Compton, Harry Lauter

Regie
William Beaudine
Farbe
s/w
Laufzeit
69 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Es ist spät, als sich der Finanzberater Joe Downey (Warren Douglas) vor deren Haustür von seinen Freunden Bill (Harry Lauter) und Joan Manning (Joyce Compton) verabschiedet und auf den Heimweg begibt. Bill bietet Joe an, ihn nach Hause zu fahren, doch der lehnt das Angebot ab, da er den letzten Linienbus zu erwischen hofft. Das erweist sich als ein Fehler; er verpasst ihn knapp. Also beschließt Joe Downing, sich zu Fuß auf den Weg zu machen. In einer einsamen Seitenstraße spürt er plötzlich den Lauf eines Revolvers im Rücken und der Gangster Knuckles Morgan (Meyer Grace) weist ihn an, vor ihm in einen Kellereingang hinabzusteigen, wo er Joe, den er als “Slats“ anspricht, brutal zusammenschlägt… Es ist bereits nach drei Uhr in der Nacht, als die Mannings vom Läuten ihres Telefons geweckt werden und ein Polizeibeamter sie darüber aufklärt, dass sich Joe Downing in einer Ausnüchterungszelle befände. Die beiden eilen zur Polizeiwache, wo sie vom Anblick des bandagierten Freundes schockiert sind. Da man ihm nichts vorzuwerfen hat, kann Joe Downing nun nach Hause gehen, der bei Übergabe seiner Habe überrascht feststellt, dass nichts gestohlen wurde. Als zufällig Police Lieutenant Madigan (Eddie Dunn) des Weges kommt, erläutert ihm Joe, dass er versehentlich wohl für einen anderen gehalten worden sei. Doch Madigan sagen die Namen Slats und Nails, die der Schläger vor Downing äußerte, ebenfalls nichts Folglich beschließt Joe, in seinem so merkwürdigen Fall die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen…

 

“Noirs are loaded with beautiful women but Frazee delivers the kind of star presence one would expect in an 'A' picture“, schreibt Glenn Erickson in seiner Besprechung des Films für DVD Savant. In den 40er Jahren war es nur wenigen Schauspielerinnen vergönnt, auf Filmplakaten und in Besetzungslisten im Vor- und Abspann an erster Stelle genannt zu werden - in der Rolle der zentralen Figur eines Films. Joan Crawford, Bette Davis und Barbara Stanwyck waren Stars, deren Ruhm in ihren Welterfolgen der 30er Jahre wurzelte. Noch bis in die 60er drehten Filmstudios manches Werk mit jeweils ihnen als der Nummer 1, denn sie waren Publikumslieblinge und ihre Namen Kassenmagneten. Im Fall Barbara Stanwycks war es Billy Wilders Film Noir Frau ohne Gewissen (USA 1944), im Fall Joan Crawfords Michael Curtiz‘ Film Noir Solange ein Herz schlägt (USA 1945), was ihnen je ein Comeback beschert hatte. Ab den späten 40er Jahren spielten weniger bekannte Darstellerinnen auch in B-Produktionen die erste Geige, etwa Marsha Hunt in Mary Ryan, Detective (USA 1949) oder Beverly Michaels in Aufgelesen (USA 1951). Die heute kaum noch bekannte Jane Frazee trat für Monogram Pictures Corporation in Incident in der Rolle einer Detektivin auf und wird zu Recht an erster Stelle geführt. Sie ist in diesem Film Noir “light“ im Reigen der Kollegen und Kolleginnen die beste Schauspielerin und empfiehlt sich mit einer souveränen Leistung für Besseres, obgleich letzteres dann nie stattfinden sollte. Dabei ist es nicht ihre Schuld, dass Incident trotz eines dramaturgisch soliden Mittelteils letztlich Schiffbruch erleidet.

 

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Zum ersten sind das Finale und die Schlusssequenz des Films derart klischeehaft sowie auch hastig und lustlos inszeniert, dass man es kaum glauben mag. Zum zweiten sorgt der Rollencharakter Joan Mannings in der Darstellung durch Joyce Compton für komödiantische Einlagen, die an Blödheit und Biederkeit nur schwer zu unterbieten wären. An ihrer Seite ist Harry Lauter in der Rolle ihres Ehemanns Bill nicht viel besser. Die beiden sind als spießbürgerliche Begleiter und Ratgeber ihres Freundes Joe Downing kaum auszuhalten. Compton war mit 41 Jahren bereits am Ende ihrer Karriere. Harry Lauter sollte in den kommenden Jahrzehnten noch manchen Bösewicht mimen, was ihm ohnerhin besser zu Gesicht stand. Warren Douglas ist ebenfalls kein nennenswerter Darsteller, er wechselte ab 1950 zunehmend ins Fach der Drehbuchautoren und verfasste auch für Film Noirs wie Loophole (USA 1953) oder Entfesselte Unterwelt (USA 1955) jeweils das Skript. In den 61 Jahren von 1915 bis 1976 saß William Beaudine 372 Male auf dem Regiestuhl, zu Beginn seiner Karriere allerdings für zahllose Kurzfilme. Seine 10 Spielfilme aus dem Jahr 1948 sind in jener Phase dennoch typisch für ihn. Leider zeichnet Incident jenseits des Erscheinens von Jane Frazee in ihrem einzigen Film Noir nichts aus, was mich das Werk empfehlen ließe. Selbst für hatgesottene Freunde des Film Noirs ist es letztlich Zeitverschwendung.

 

Es gibt eine DVD-R (2014) in der Warner Archive Collection mit dem Film bild- und tontechnisch exzellent restauriert, dazu die original englische Tonspur ohne Untertitel und das Ganze wie immer in der Edition ohne jegliche Extras.

 


Film Noir | 1948 | USA | William Beaudine | Anthony Caruso | Robert Osterloh

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