Whistle Stop

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Whistle Stop
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

George Raft, Ava Gardner, Victor McLaglen, Tom Conway, Jorja Curtright

Regie
Léonide Moguy
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Ein Nachtzug rast zum Sonnenaufgang durch den Mittleren Westen und hält in dem Ort Ashbury. Nach zwei Jahren in Chicago kehrt Mary (Ava Gardner) im Pelzmantel und mit edlem Zigarettenetui in ihre Heimatstadt zurück und begibt sich flugs zur Residenz von Molly Veech (Florence Bates), unter deren Augen sie aufwuchs. De facto ist aber Mary Eigentümerin des Hauses und ist zurückgekommen, um es zu verkaufen. Neben Molly leben hier ihre mit dem Biedermann Ernie (Charles Drake) verlobte Tochter Josie (Jane Nigh) und deren älterer Bruder Kenny (George Raft), ein vom Glücksspiel lebender Tunichtgut. Molly ahnte nichts von Marys Rückkehr nach Ashbury und wundert sich, doch schnell wird ihr klar, dass Marys zwei Jahre in Chicago nicht nur glücklich verliefen. Mary fragt Molly, ob sie für einige Tage im Haus bleiben könne, und jene bietet an, Kenny ihr sein Zimmer zur Verfügung stellen zu lassen. Wo er denn sei, möchte Mary von Molly Veech wissen, und die wirkt verlegen, als sie anmerkt, dass er aktuell sicher an einer großen Sache arbeite… Doch Kenny sitzt zu dieser Zeit immer noch am Spieltisch im Friseursalon von Al (Jimmy Conlin) und spielt mit Barkeeper Gitlo Carter (Victor McLaglen) und mit Barker (Jimmy Ames) eine letzte Runde Poker. Als Kenny eine Bemerkung wider Barker vom Stapel lässt, revanchiert sich jener mit einigen Hinweisen über Mary, einst Kennys große Liebe, die in Chicago in einem Luxushotel residiere. Kenny kann sich nicht beherrschen und wird im Nu handgreiflich…

 

“It’s a long walk to anywhere.“ - “This time we’ll ride.“ Ende Januar 1946 startete Léonide Moguys Whistle Stop in den US-amerikanischen Kinos; sieben Monate später wurde Ava Gardner mit ihrer Hauptrolle in Robert Siodmaks bahnbrechendem Film Noir Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) über Nacht zu einem Filmstar. Die zur Zeit des ersten Films 22-jährige Schönheit spielt in Whistle Stop an der Seite des 44-jährigen George Raft, der seit der Hauptrolle in Raoul Walshs Nachts unterwegs (USA 1940) nurmehr in eigentümlich abseitigen Produktionen mitgewirkt hatte und im Vorjahr in Edward L. Marins Film Noir Johnny Angel (USA 1945) eine derart hölzerne Darstellung abgeliefert hatte, dass seine erneute Besetzung in Whistle Stop fast wie ein Wunder anmutet. Aber auch hier überzeugt Raft nicht. Er ist auf sein immergleiches Tough-Guy-Repertoire begrenzt und personifiziert seinen Rollencharakter so wie jeden anderen in solchen Film-Noir-Rollen, ein monotones und mechanisches Gehabe, das ihn steif und fehlbesetzt wirken lässt. Neben Victor McLaglen spielt ihn auch Tom Conway (The Seventh Victim, USA 1943), der Bruder von George Sanders, mit Leichtigkeit an die Wand. Dennoch wirkt Raft längst nicht so abgehalftert wie einige Jahre später in Hyänen der Unterwelt (USA 1952), wo er in der ewig gleichen Rolle zu einer Karrikatur jenes Antihelden im Film Noir wurde. Das zentrale Problem in Whistle Stop ist allemal die Erzählung ound damit ein Skript, das erst nervtötend redundant und schließlich grotesk unglaubwürdig wird. Was eingangs einiges Potential für einen Film Noir im seinerzeit noch neuen und innovativen Filmstil in die Wagschale wirft, entpuppt sich zuletzt als Seifenoper.

 

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“While hinting at and definitely filmed in a style that harkens one to think of noir, the total lack of cohesive plot (…) makes Whistle Stop come up far short in most all areas“, schlussfolgert Classic Film Freak und bringt es mit diesem Fazit auf den Punkt. Whistle Stop tut im letzten Drittel wirklich alles, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass schon die fehlende Vorgeschichte der Beziehungen vom Glücksritter Kenny Veech, von der Dorfschönheit Mary und vom Provinzgangster Lew Lentz (Tom Conway), neben Victor McLaglens Gitlo Carter die einzige überzeugende Figur dieses Dramas, viele der Wendungen in der Filmhandlung in der Luft hängen und die Erzählung inkosistent wirken lässt. So bezeugt die Adaption des gleichnamigen Romans aus der Feder von Maritta M. Wolff (EA 1944) letztendlich nur dessen Irrelevanz, woran allerdings auch die uninspirierte Regie Léonide Moguys, der nach diesem dritten Film in den USA nach Frankreich zurückkehrte und fortan in Europa arbeitete, ihren Anteil hat. Ava Gardner trat noch lediglich in zwei Film Noirs auf und wurde zu einem Star der 50er Jahre. George Raft führte sein Werdegang zunehmend in die Bedeutungslosigkeit, obgleich die US-amerikanische Filmindustrie für weitere 10 Jahre daran festhielt, ihm in B-Produktionen auch Hauptrollen zuzugestehen.

 

Whistle Stop ist ein Film der Public Domain und liegt in allen mir bekannten DVD-Editionen in einer bild- und tontechnisch stets miserablen Qualität vor, also in keiner Weise restauriert, zumindest jedoch ungekürzt im Originalformat und mit dem englischen Originalton ohne Untertitel.

 


Film Noir | 1946 | USA | Léonide Moguy | Russell Metty | George Raft | Tom Conway | Ava Gardner

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