Erbarmen

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Kvinden i buret
Kategorie
Neo Noir
Land
DNK/GER/SWE/NOR
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Nikolaj Lie Kaas, Sonja Richter, Fares Fares, Mikkel Boe Følsgaard, Peter Plaugborg

Regie
Mikkel Nørgaard
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Die Polizeibeamten Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas), Anker (Per Scheel Krüger) und Hardy Henningsen (Troels Lyby) warten in der Auffahrt zu einer schäbigen Baracke in ihrem Auto auf Verstärkung, Was genau im Inneren sich abspielt, wissen sie nicht, als Carl die Geduld verliert, aus dem Wagen steigt und auf den Eingang zusteuert. Die anderen folgen ihm, zücken ihre Handfeuerwaffen und dringen ins stinkende Innere vor. Aber der einzige in einem Stuhl sitzende Mann (Øyvind B. Fabricius Holm), den sie vorfinden, ist grausam zugerichtet und tot. Als die Beamten soeben ihre Waffen wegstecken wollen, wird hinterrücks auf sie geschossen. Anker stirbt sofort an einem Kopfschuss, Hardy wird schwerst verletzt, auch Carl geht angeschossen zu Boden… Viele Monate später ist Carl Mørck erstmals wieder auf dem Weg zur Arbeit, seine rechte Hand jedoch zittert, eine Spätfolge der Ereignisse. Sein Vorgesetzter Markus Jacobsen (Søren Pilmark) eröffnet ihm ungerührt, dass es auf seinem alten Posten bei der Mordkommission für ihn keine weitere Verwedung mehr gäbe. So wie seine Kollegen sieht auch Jacobsen die Schuld für Ankers Tod und für den indessen mit Querschnittslähmung im Krankenhaus dahin vegetierenden Hardy ganz bei Carl. Das Ministerium habe ihn angewiesen, eine neue Abteilung zu eröffnen, teilt Jacobsen mit, das Dezernat Q für abeschlossene Fälle, die Carl Mørck künftig vom Schreibtisch aus endgültig ad acta legen dürfe. Carls Büro sei im Keller, sein Assistent heiße Assad (Fares Fares), ein Flüchtling aus Syrien…

 

“You know who you are, if you like lots of rainy nighttime stakeouts (…) And you sure as heck had better be a fan of rumpled, cynical, bitter detectives“, schreibt MaryAnn Johanson für flickfilosopher und gibt ihm schon im Untertitel ihres Artikels das Prädikat “good clean nasty Nordic noir“, was unbedingt zutreffend ist. Erbarmen ist damit zugleich so ziemlich alles, nur kein Aufbruch in ein neues Zeitalter des Neo Noirs. Im Gegenteil! Viele der Zutaten des dänischen Thrillers sind seit Jahrzehnten wohlbekannt. Haufenweise finden sich Bausteine, die wir aus dem internationalen Film Noir und Neo Noir längst kennen. Dies fängt schon mit dem gefallenen Cop an, der mit seinem Starrsinn einen Einsatz gehörig vermasselt. Burt Reynolds wiederfährt als Police Detective Tom Sharky in Sharky und seine Profis (USA 1981) ein ähnliches Schicksal, und kaum einer fällt so tief wie der von Jeff Bridges verkörperte Polizeibeamte Matthew Scudder in 8 Millionen Wege zu sterben (USA 1986). Sie sind desillusioniert, leben getrennt von Frau und Familie und haben eine starke Affinität zum Whisky, wie auch dessen neuer Kollege Assad an seinem Vorgesetzten Carl Mørck schnell feststellen kann. Dass ich mich auf die zentralen Charaktere fokussiere, macht schon deutlich: Genau durch sie besticht dieser Nordic Noir, nicht so sehr durch eine Handlung, die zwar nicht so überfrachtet implausibel wie die Filmwerke der Millenium-Trilogie (SWE/DNK/GER/NOR 2009) daherkommt, insofern sie sich als entschlackt geradlinig erweist, dabei aber, was ihren Gehalt und ihre Bedeutung angeht, eher begrenzt ist.

 

Der zeitgenössische skandinavische Thriller hat sich seit den 90er Jahren das Attribut “noir“ angeeignet, bzw. es von der Kuturjournaille zugesprochen erhalten. Bei den Filmen und Fernsehserien handelt es sich oft um die Verfilmungen von Kriminalromanen aus der Feder skandinavischer Autoren. Dies begann in den 70er Jahren mit Der Mann auf dem Dach (SWE 1976) nach Maj Sjöwall und Per Wahlöö, führte in Norwegen ab 2007 zu den Verfilmungen der Bücher um den Privatdetektiv Varg Veum von Gunnar Staalesen, in Schweden zu genannten Adaptionen der Romane Stieg Larssons als Kinofilme und als sechsteilige TV-Serie sowie in Dänemark zu inzwischen vier Filmen um den Polizeibeamten Carl Mørck nach Vorlagen von Jussi Adler-Olsen. De facto ist Erbarmen (EA 2007) der erste seiner inzwischen sieben Romane um diesen Ermittler und seinen Assistenten Assad, der von Fares Fares seit dem Debüt in der Rolle brillant verkörpert wird. Überzeugende Darsteller, gut gewählte Drehorte, seine Wurzeln im Neo Noir und teils drastisch bebilderte Einblicke in Abgründe der menschlichen Natur machen Erbarmen trotz einer etwas schematischen Handlungsentwicklung zu einem Genuss für den Connaisseur des skandinavischen Noirs. Wer übers eine oder andere Klischee hinwegsehen und sich an genannten Höhepunkten erfreuen kann, liegt mit Mikkel Nørgaards Thriller ganz sicher nicht falsch.

 

Bild- und tontechnisch gibt es erstklassige deutsche BD und DVD-Editionen (2014) der NFP marketing & distribution GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original dänische Tonspur mit optional deutschen Untertiteln, die der ebenfalls enthaltenen deutschen Synchrionisation vorzuziehen ist. Als Extras sind ein 25-minütiges Making Of, Kinotrailer und TV-Spots, sowie ein Interview mit Mikkel Nørgaard und Nikolaj Lie Kaas beinhaltet.

 


Neo Noir | 2013 | International | Mikkel Nørgaard | Fares Fares | Nikolaj Lie Kaas | Troels Lyby

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