Mystery Road

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Mystery Road
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Aaron Pedersen, Hugo Weaving, Jack Thompson, Ryan Kwanten, Tony Barry

Regie
Ivan Sen
Farbe
Farbe
Laufzeit
120 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Nachts auf einer Landstraße nahe Winton in Queensland, Australien: Ein Truck mit zwei Hängern kommt zum Stehen. Der Fahrer (Hayden Spencer) steigt mit einer Taschenlampe aus und untersucht Reifen und Achsen. Er hört ein Geräusch, womöglich ein verwildeter Hund, und folgt ihm abseits der Straße und leuchtet in mehrere unter der Straße gelegene, mit Beton ausgegossene Hohlräume. In einem davon entdeckt er in sitzender Haltung mit durchschnittener Kehle die Leiche der Schülerin Julie Mason… Es ist noch nicht Morgen, als das Telefon klingelt und Police Detective Jay Swan (Aaron Pedersen) über den Fund informiert wird. Am Tatort trifft er auf seinen Kollegen Robbo (Roy Billings), der ihn über die Entdeckung der Leiche ins Bild setzt. Swan ist irritiert, dass der Journalist Macca (Daniel Roberts) mit dem Fahrer des Lkw’s sprechen darf, doch Robbo interessiert das nicht weiter. Schließlich inspiziert Jay Swan den Tatort und erkennt Julie Mason, die so wie er selbst zu den Aborigenes des Ortes zählt. Nun kommt auch Jim (Bruce Spence), Gerichtsmediziner in Winton, mit seinem Assistenten Ted (Geoff Potter). Jim gratuliert Jay implizit zu seiner neuen Stellung als Detective, die jener erst in diesen Tagen nach Rückkehr aus einer größeren Stadt vor Ort bekleidet. Der Arzt untersucht die Leiche und findet Bissspuren eines Hundes, Grassamen im Haar und datiert den Zeitpunkt des Todes 48 Stunden zurück. Zuletzt erreicht Jays Vorgesetzter, der Sergeant (Tony Barry), den Tatort und übergibt ihm offiziell den Fall…

 

“Director Ivan Sen's fourth feature evokes old westerns, Polanski's Chinatown and other noir classics”, schrieb Leslie Felperin im August 2014 für The Guardian. Was mich hier an einen Western erinnert, sind die Hüte und zu Teilen die Landschaft, womöglich auch das Finale, zumindest ein wenig, anwsonsten ist dieser Thriller so modern wie jeder in einer Großstadt angesiedelte Neo Noir vergleichbaren Kalibers. Der Hinweis auf Chinatown (USA 1974) ist nicht falsch, denn auch Police Detective Jay Swan bleibt auf sich allein gestellt und findet sich in einem Netz von Zusammenhängen und Vorgängen, die man bewusst vor ihm zu verbergen sucht. Mystery Road erinnert zudem an Fritz Langs Heißes Eisen (USA 1953) und an James B. Harris‘ Der Cop (USA 1988), darin die Polizeibeamten ebenfalls isoliert agieren müssen und sich ihre Verdachtsmomente in zunemendem Maß auf die eigenen Kollegen beziehen. Es ist das zentrale Thema von Ivan Sens Film: die Isolation und die Einsamkeit eines Protagonisten, der nach Rückkehr in seine Heimatstadt dort keinen Platz zu finden vermag, weder beruflich noch privat. Von seiner Ehefrau, einer Alkoholikerin, und der gemeinsamen Tochter lebt er seit Jahren getrennt, den beiden ist er als Polizeibeamter mehr als fremd. Das gilt auch für die Gemeinschaft der Aborigines, die in Armut und von den Weißen ausgeschlossen in ihren eigenen Ghettos vor sich hin vegetiert. Ein “Detective“ Jay Swan sitzt allerorten zwischen den Stühlen. Auch im Polizeidienst ist er Außenseiter, der seinerseits den Kontakt zu den Kollegen nicht sucht und nicht findet. Man behandelt sich wechselseitig mit Resepekt, zugleich enorm distanziert.

 

”There's a place called Slaughter Hill. It's off Mystery Road...” Sowohl in der Geographie des Ortes als auch in den Rollencharakteren der Erzählung hat die Vergangenheit tiefe Spuren hinterlassen. Und auch das ist der Film Noir in Mystery Road: Jay Swan folgt den Spuren seines Kriminalfalls und stößt dabei auf sich selbst und seine eigene Biografie als ein Familienvater und als Aborigene. Wer Filme mit einem geruhsamen Aufbau und mit sorgfältig gezeichneten Figuren mag, ist bei Ivan Sens Neo Noir bestens aufgehoben. Ihm geht es nicht um ein effekthascherisches Spektakel, ihm geht es ums Ensemble der Personen. Erstklassige Schauspieler, wunderbare Drehorte, eine sichere Hand des Regisseurs und so sparsam wie klangvoll getupfte Dialoge des Autors Ivan Sen garantieren zwei Stunden klassisches Erzählkino vom Feinsten. Am Meisterwerk schrammt der Film für mich dennoch knapp vorbei, da der Kriminalfall nicht so sorfgfältig ausgearbeitet ist, wie man sich das wünschte. Zu viele Spuren führen nirgendwohin, und manches erweist sich auch vom Ende her als unstimmig. Zudem bleibt Hugo Weavings Rollencharakter einen Tick zu ungenau konturiert, um all seine Handlungen vollends schlüssig erscheinen zu lassen. Mit Goldstone (AUS 2016) inszenierte Ivan Sen einen zweiten Fall seines Polizeibeamten Jay Swan und konnte das einmal vorgegebene Niveau mühelos halten. Aaron Pedersen schlüpfte zwei Jahre darauf für die sechsteilige TV-Serie Mystery Road (AUS 2018) erneut in die Rolle, diesmal unter der Regie von Rachel Perkins, mit Judy Davis und Anthony Hayes ebenfalls erstklassig besetzt und erneut auch mit Madeleine Madden und mit Tasma Walton als Crystal und Mary Swan. Und obgleich David Mackenzies Hell Or High Water (USA 2016) eine deutlich andere Geschichte erzählt, habe ich das Gefühl, als ob sein Autor und Regisseur sich atmosphärisch auch von diesem austratralischen Neo Noir hat inspirieren lassen.

 

Erstklassige britische BD- und DVD-Editionen (2014) der Axiom Films International Ltd. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur ohne Untertitel (australisches Englisch ist nicht nur leicht verständlich), als Extras eine Reihe von Featurettes unter den Titeln The Story, The Cast und The Settings, dazu kommen Interviews mit Beteiligten vor und hinter der Kamera und eine Serie von Standfotos. Empfehlenswert!

 


Neo Noir | 2013 | International | Ivan Sen | Aaron Pedersen | Hugo Weaving | Roy Billing

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