Eid, Der

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Eiðurinn
Kategorie
Neo Noir
Land
ISL
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Baltasar Kormákur, Hera Hilmar, Gísli Örn Garðarsson, Ingvar Eggert Sigurðsson, Joi Johannsson

Regie
Baltasar Kormákur
Farbe
Farbe
Laufzeit
110 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 Der Eid-Poster-web1.jpg Der Eid-Poster-web2.jpg Der Eid-Poster-web3.jpg Der Eid-Poster-web4.jpg

© Alamode Film

Reykjavik, Island: Der in mittleren Jahren befindliche Finnur (Baltasar Kormákur) ist ein erfolgreicher Herzchirurg. Mit dem Kollegen Halldór (Ingvar Eggert Sigurðsson) sieht er sich per Ultraschall das Herz eines Patienten an und entscheidet sich gegen eine Operation… Finnurs Vater Kjartan Finnsson, einst ein bekannter Unternehmer und Parlamentarier, ist kürzlich gestorben und der Sohn muss sich um den Nachlass kümmern. Der Alte lebte mit seinen Pferden einsam in einem außerhalb der Stadt gelegenen Haus. Die Ponys sind, was Finnur als erstes veräußert. Im Haus des Vaters nimmt er ein Jagdgewehr von der Wand, so ziemlich das einzige, was er vom Hausstand behalten möchte. Finnurs Frau Sólveig (Margrét Bjarnadóttir) zieht im verschneiten Garten die Wäsche von der Leine, und Finnur bedankt sich bei ihr für die fürsorgliche Hilfe. Halldór kommt an, er ist verspätet, doch hilft er seinem Kollegen und Freund Finnur, ein altes Auto Kjartan Finssons in die Werkstatt zu schleppen. Dessen Inhaber und Mechaniker Gulli (Porsteinn Gunnarsson) macht mit dem Chirurgen aus, dass er die Reparatur besser an der Steuer vorbei begleiche… Beim Festakt in der Kirche kommt Anna (Hera Hilmar), Finnurs Tochter mit seiner ersten, heute in den USA lebenden Frau, zu spät, weil sie angeblich verschlafen habe. Als Sólveig sie nach dem Gottesdienst darauf anspricht, reagiert Anna sofort gereizt und fühlt sich angegriffen. Sie steigt zu ihrem deutlich älteren Freund Freund Óttar (Gísli Örn Garðarsson) ins Auto und fährt davon…

 

Mit seinem Neo Noir Der Eid, einem unterkühlten und zunehmend düsteren (Rache)thriller, kehrt der isländische Autor, Regisseur und Schauspieler Baltasar Kormákur auf jenes Terrain zurück, das er bereits vor 10 Jahren in seiner Heimat mit Erfolg beackerte. Sowohl A Little Trip To Heaven (ISL/USA 2005) als auch Jar City (ISL/GER/DNK 2006) waren als Filmwerke von internationalem Rang zugleich Neo-Noir-Thriller, deren thematische und formale Ausrichtung vieles von dem neuen Werk vorwegnahm. In Jar City spielt Ingvar Eggert Sigurðsson den Polizeikommissar Erlendur Sveinsson, dessen Tochter (Ágústa Eva Erlendsdóttir) genau wie Anna in Kreise von Gangstern und Drogenhändlern abzudriften droht. In A Little Trip To Heaven ist es der Mann (Jeremy Renner) der gleichermaßen bedrohten Isold (Julia Stiles), der sich als überaus gefährlicher Gegenspieler entpuppt. Das ist, worauf es auch in Der Eid nach den ersten 30 Minuten hinausläuft, auf das Duell zwischen Finnur und Óttar, bei dem Finnur anfangs übereilt tatkräftig und fast naiv zu handeln scheint. Denn Óttar ist skruppellos und gewaltbereit, seine Jugend und Physis scheinen ihm Überlegenheit zu verleihen. Doch Finnurs Kraft lauert im Verborgenen, er ist ein Ausdauersportler und seitens seines Berufs an exakte Planung und Kalkulation gewöhnt. Als sich die Krise für ihn und seine Familie zuspitzt, vor der Óttar im Fortgang einer Erpressung nicht haltmacht, greift Finnur, der einem Zug seitens des Gegners zuvorkommen will, zu drastischen Mitteln, die für alle Beteiligten keine Umkehr und keine Rücksichtnahme mehr zulassen. Ging es eingangs um Anna, geht es für Finnur jetzt ums Überleben seiner Familie.

 

Der Eid-still-web1.jpg  Der Eid-still-web2.jpg Der Eid-still-web3.jpg

© Alamode Film

Nachdem er zwischen 2010 und 2015 in und für Hollywood mehrere Thriller und auch Blockbuster drehte, lässt sich Baltasar Kormákur in Der Eid nicht die Butter vom Brot nehmen und inszeniert den Rachefeldzug seines Familienvaters Finnur mit einer bitterbösen Konsequenz. Vor allem im letzten Drittel sind die Präzision und die Härte seiner Taten von einer weit jenseits aller moralischen Prinzipien angesiedelten Grausamkeit, so dass man auch als Zuschauer nicht zartbesaitet und zimperlich sein sollte, denn Finnur ist es sicher nicht. Das Monster, so die Botschaft, lauert in uns allen, und es hat stets die nette Papastimme und dessen fürsorgliches Arztgesicht, auch wenn es bei der Arbeit ist. Dafür hätte ich mir bei der Charakterzeichnung mitunter mehr Sorgfalt gewünscht. Indessen Óttar und Anna in ihrer jeweiligen Schlichtheit und in ihrer Zweisamkeit gut ausgeleuchtet werden, bleibt der verschlossene Finnur auch für den Zuschauer unzugänglich. Da vor allem er im Zentrum des Werks steht, erscheint er mir am Ende etwas zu unerschütterlich und selbstgerecht, denn den Eid des Hippokrates, dem der Film seinen Namen verdankt, den hat er gebrochen. Auch Ehefrau Sólveig, der Kollege Halldór und die Polizeibeamten bleiben im Hintergrund, singen immer die gleichen Töne, was ich bei einer Laufzeit von 110 Minuten etwas bedauerlich fand. Dennoch ist die Dramaturgie gerade im letzten Drittel beängstigend stimmig und auch das Ende setzt einen Punkt jenseits der üblichen Klischees. Als US-Film wäre Der Eid ein anderer geworden, soviel ist sicher. Damit ist er als ein Nordic Noir für dessen Liebhaber und als ein Neo Noir grundsätzlich zu empfehlen. Im Rückgriff aufs Drehbuch wäre nach oben aber noch Luft gewesen.

 

Erklassige BD- und DVD-Editionen (2017) von Alamode Films mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die original isländische Tonspur und die deutsche Kinosynchronisation (mit einer für Finnur zu weichen Stimme), optional deutsche Untertitel, obendrein den deutschen Kinotrailer und ein Making Of als Extras - im Übrigen das erste Making Of seit Jahren, das ich mir von A bis Z angeschaut habe. Empfehlenswert!

 


Neo Noir | 2016 | International | Baltasar Kormákur | Baltasar Kormákur | Ingvar Eggert Sigurðsson

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.