Cry Wolf

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Bewertung
**
Originaltitel
Cry Wolf
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Errol Flynn, Barbara Stanwyck, Geraldine Brooks, Richard Basehart, Jerome Cowan

Regie
Peter Godfrey
Farbe
s/w
Laufzeit
84 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

Während Senator Caldwells (Jerome Cowan) Limousine die lange gewundene Auffahrt zum Landhaus seines Bruders Mark Caldwell (Errol Flynn) entlang fährt, kreuzt die junge Julie Demarest (Geraldine Brooks) auf dem Rücken ihres Pferdes waghalsig den Weg des Wagens. Daraus steigt vor dem Haus neben dem Senator noch Miss Sandra Marshall (Barbara Stanwyck), die nun mit dem Senator ín Begleitung des Dieners Becket (Rory Mallinson) in die zur Abendstunde von einem Kaminfeuer erwärmte Halle eintritt. Da hören sie, wie sich Julie die Einmischung in ihre Ausritte lauthals verbittet und sofort darauf aus Mark Caldwells Arbeitszimmer stürmt, bevor sie flugs die Treppe empor hastet. Sandra Marshall wartet, indessen der Senator sie anmeldet, und sie spürt die Blicke Beckets und der Haushälterin Marta (Helene Thimig) vom Balkon des ersten Stocks auf sich ruhen. Schließlich bretritt sie Caldwells Büro und lernt den Hausherrn kennen. Jener erkundigt sich nach ihrem Begehr, insofern man sich nach dem Ableben seines Neffen James Demarest (Richard Basehart) in Trauer befände und die Beisetzung im engsten Familienkreis stattfinden werde. Daraufhin eröffnet ihm Sandra, dass ihr Name nicht länger Marshall sondern Sandra Caldwell Demarest sei, da sie mit dem Verstorbenen verheiratet gewesen sei. Mark Caldwell ist davon völlig überrascht, zudem zückt sein Gast kurzerhand eine Heiratsurkunde, die Caldwell zu prüfen beabsichtigt. Sie habe vom Tod ihres Gatten erst aus der Zeitung erfahren, fügt die Witwe hinzu…

 

“The final explanation of the mystery is ridiculous and banal”, schlussfolgerte Filmkritiker Bosley Crowther bereits im Juli 1947 nach der Premiere von Peter Godfreys Kreuzung aus gotischem Kammerspiel und Film Noir für die New York Times und traf den Nagel auf den Kopf. Ohne dass ich selbst die Aussage Crowthers im Sinn hatte, fragte ich mich direkt nach Ende des Films: „Können ein halbgares Finale und ein grotesk lächerlicher Schlussteil ein solches Werk ruinieren, wenn man die ersten zwei Drittel mitunter genießen konnte oder sie zumindest als solide empfand?“ Die Antwort ist ein deutliches „Ja!“ Der Rätsel Lösungen und die nachfolgende Konsequenz für die Protagonisten entbehren in einem Maß der Glaubwürdigkeit, dass sich die Zuschauer damals und heute schlicht betrogen fühlen müssen. Betrogen um die Intelligenz, die er oder sie im Verlauf jener ersten zwei Drittel in die Aufgabe steckt, der Handlungsentwicklung genau zu folgen und etwaige Hinweise auf noch verborgene Zusammenhänge zu entschlüsseln. Wie miserabel die Sache zuletzt gestrickt ist, geht entweder voll und ganz zu Lasten von Marjorie Carlton, Autorin der gleichnamigen Romanvorlage (EA 1945), oder aber zu Lasten von Catherine Turney, Drehbuchautorin unter Vertrag bei Warner Bros. und zuvor an der Adaption von James M. Cains Roman Mildred Pierce (EA 1938) für den Erfolgsfilm Solange ein Herz schlägt (USA 1945) beteiligt. Wer immer die Verantwortung trägt, spielt letztendlich jedoch kaum eine Rolle. Die Filmerzählung versenkt die vor und hinter der Kamera beteiligten Talente ohne Wenn und Aber.

 

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© Warner Bros.

Nach ihrem Comeback als 36jährige Femme fatale in Billy Wilders grandiosem Film Noir Frau ohne Gewissen (USA 1944) verschwendete Barbara Stanwyck ihr enormes Talent erneut in mittelprächtigen A-Produktionen. Zwar konnte sie mit dem Film Noir The Strange Love of Martha Ivers (USA 1946) an die zuvor gezeigte Klasse anschließen, doch aus ihren sonstigen sieben Produktionen, in denen sie vor Erscheinen von Cry Wolf Mitte 1947 in einer Hauptrolle aufgetreten war, stach lediglich die Romanze My Reputation (USA 1946) noch etwas heraus. Schon Peter Godfreys erster Film Noir The Two Mrs. Carrolls (USA 1947), welcher Barbara Stanwyck mit Film-Noir-Ikone Humphrey Bogart zusammenbrachte, erwies sich in Anbetracht der beiden Stars in ihrem einzigen gemeinsamen Film als unfassbar schwach. Auch dort waren es das zugrundeliegende Theaterstück und das resultierende Drehbuch, die dem Zuschauer fast nichts zu bieten hatten. Bei Cry Wolf ist es noch schlimmer, zumal sich entgegen der Präsenz von Barbara Stanwyck ihr Partner Errol Flynn in seiner Rolle sichtlich unwohl fühlt und oft hölzern und fehl am Platz erscheint. Vor allem entwickeln die beiden keine Chemie miteinander, wie sie Barbara Stanwyck sonst in all in ihren Filmen mit unterschiedlichsten Partnern zu zeigen wusste. Cry Wolf, Errol Flynns einziger Ausflug in den Film Noir, ist ein fast schon groteskes und allemal überflüssiges Kapitel der Filmhistorie, dem selbst eingefleischte Cineasten keine Aufmerksamkeit zollen müssen. Es gibt so vieles, was um Längen besser ist und auch heute noch Relevanz und andere Qualitäten beweist.

 

In der Warner Archive Collection (USA) erschien eine bild- und tontechnisch gute DVD-Edition (2010) mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, dazu gibt es die original englische Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras.

 

Film Noir | 1947 | USA | Peter Godfrey | Carl E. Guthrie | Richard Basehart | Barbara Stanwyck | Ellen Corby | Geraldine Brooks

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