Konformist, Der / Der große Irrtum

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Bewertung
****
Originaltitel
Il conformista
Kategorie
Neo Noir
Land
ITA/FRA/GER
Erscheinungsjahr
1970
Darsteller

Jean-Louis Trintignant, Stefania Sandrelli, Gastone Moschin, Enzo Tarascio, Dominique Sanda

Regie
Bernardo Bertolucci
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen
 

 

 Der Konformist-Poster-web1.jpg Bild Bild Bild
Paris im Jahr 1938. Kurz vor Tagesanbruch liegt Marcello Clerici (Jean-Louis Trintignant) im Hotel Palais D’Orsay angekleidet und von einer roten Leuchtreklame illuminiert auf dem Bett. Das Telefon klingelt und jemand informiert ihn, dass sie beide gegangen seien, auch die Frau, und so verabredet man sich vor dem Hotel. Clerici erhebt sich, zieht Jackett und Mantel an, nimmt aus seinem Kulturbeutel eine Pistole und schließlich von seiner nackt schlafenden Ehefrau Giulia (Stefania Sandrelli) noch den Hut und deckt sie zu. Auf der Straße kommt der italienische Geheimpolizist Manganiello (Gastone Moschion) in einem Citroen angefahren und gemeinsam fahren sie stadtauswärts. Während Manganiello darüber sinniert, dass man dies nicht habe erwarten können und er sich an die Instruktionen halte, hängt Clerici Erinnerungen nach… Einst traf jener seinen blinden Freund Italo Montanari (José Quaglio) im Rundfunkstudio, als der Redner im Dienst des Faschismus’ eine seiner Rundfunkansprachen hielt. Marcello berichtete von seinem inzwischen irrsinnigen Vater (Giuseppe Addobbati), der zehn Jahre zuvor im Münchener Hofbräukeller Adolf Hitler hatte reden hören. Montanari wundert sich darüber, dass Clerici eine so gewöhnliche Frau wie Giulia zu heiraten beabsichtige und dass er in den Dienst der Geheimpolizei einzutreten suche. Während Montanaris Rede nimmt unbemerkt der Colonel (Fosco Giachetti) gegenüber Clerici Platz und äußert seinerseits höflich sein Befremden über dessen Karrierewünsche…
 
“Photographed by Vittorio Storraro (…), it's a mélange of the sensual haziness of '70s European art-house fair and the high-contrast, anxious angles of film noir”, schreibt Violet Lucca für das Slant Magazine. Aber nicht nur die ebenso meisterhafte wie einflussreiche Kameraarbeit ist deutlich vom Film Noir der Vierziger geprägt und zeigt auf, wie zukunftsweisend und innovativ die Größen jener Jahre bereits gearbeitet hatten. Auch die narrative Struktur, die sich in vielfachen Rückblenden und geradezu sprunghaft durch die fragmentarische Handlung bewegt, erinnert an Film Noirs wie Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) oder an John Brahms The Locket (USA 1946), die ihrerseits mit einer enorm verschachtelten Erzählweise aufwarten. In seiner Verfilmung des Romans Der Konformist (EA 1951) von Alberto Moravia hat sich Drehbuchautor und Regisseur Bernardo Bertolucci besonders in dieser Hinsicht einige Freiheiten erlaubt. Ihm ging es weniger um eine geschichtlich akkurate Aufarbeitung einer Episode der faschistischen Vergangenheit seiner Heimat als um das schillernd dekadente Portrait einer gesellschaftlichen Schicht und dessen Protagonisten Marcello Clerici im Besonderen. In dessen Fall liegt der Schlüssel zur politischen und privaten Neuorientierung in einem Ereignis der Jugend, das er über eine lange Zeit geheim gehalten hat. Und sowohl das als auch wie der Film seinen zentralen Rollencharakter der eigenen Vergangenheit ausliefert, ist ein Stilelement, das ebenso für den Film Noir der 40er Jahre typisch war.
 
Bild Bild Bild
© Arrow Films
 
Zur Zeit der Erstaufführung erhielt Bertolucci für sein Werk gemischte Kritiken, da vielen ein politisch präziser Standpunkt fehlte - so als handele es sich um eine Dokumentation. Über die Jahrzehnte erkannte man in dem Film eine komplexe Anlage epischen Erzählens, die sich bewusst einer ideologischen Haltung verweigert und dem Zuschauer viel Spielraum zum eigenständigen Denken einräumt. Dazu passt besonders auch die bewusst fragmentarische und teils verwirrend uneindeutige Anlage einer Chronologie der Ereignisse. Wie der Film Noir verrätselt die formale Gestaltung die nur scheinbar einfach zu deutende Realität der Filmhandlung, ohne letztere mit vielen Symbolen oder Nebenfiguren zu überfrachten. An einigen Stellen geht Bertolucci zwar dem Zeitgeist auf den Leim, so in den absurd humorigen Einlagen, doch großteils herrscht hinter der großbürgerlichen Kulisse die zeitlose Strenge, die auch das Kino Jean-Pierre Melvilles so auszeichnete. Bernardo Bertolucci gilt längst als Provokateur und als einer der letzten Großmeister europäischer Filmgeschichte. Sein vom Film Noir beeinflusstes Drama Der Konformist / Der große Irrtum öffnete ihm den Weg zu internationalem Erfolg und bis heute währender Anerkennung. In den USA, England, Italien, Spanien, Südkorea, etc. gibt es seit über 10 Jahren DVD- und neuerdings auch BD-Editionen des Klassikers. Doch obwohl der für den Goldenen Bären nominierte Film im Juni 1970 auf den 20. Internationalen Filmfestspielen in Berlin seine Prämiere feierte und von der Maran Film GmbH, München, kofinanziert wurde, existiert bis heute keine deutsche BD oder DVD davon.
 
Bild- und tontechnisch erstklassige BD- und DVD-Editionen (2012) der englischen Arrow Films mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die original italienische Tonspur mit englischen Untertiteln, die Dokumentation Bernardo Bertolucci: Reflections on Cinema, ein Booklet mit einem Filmessay von Michael Atkinson und einem Interview (1971) mit Bernardo Bertolucci inklusive Filmfotos sowie einen Audiokommentar von David Forgacs als Extras.
 

 

 

Neo Noir | 1970 | International | Bernardo Bertolucci | Jean-Louis Trintignant | Stefania Sandrelli

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