Wenn der Postmann zweimal klingelt

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Bewertung
***
Originaltitel
The Postman Always Rings Twice
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/GER
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

Jack Nicholson, Jessica Lange, John Colicos, Michael Lerner, John P. Ryan

Regie
Bob Rafelson
Farbe
Farbe
Laufzeit
121 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Wenn der Postmann zweimal klingelt-Poster-web4.jpg Wenn der Postmann zweimal klingelt-Poster-web3.jpg Wenn der Postmann zweimal klingelt-Poster-web1.jpg
© Warner Bros.
 
Kalifornien, USA, in den 30er Jahren: Der arbeitslose Frank Chambers (Jack Nicholson) versucht des Nachts per Anhalter in Richtung Los Angeles zu kommen. Ein Geschäftsmann (Christopher Lloyd) nimmt ihn mit und am frühen Morgen betanken sie dessen Wagen an der Zapfsäule der Twin Oaks Tavern, wo Frank Chambers seinen Fahrer zu einem Frühstück zu überreden sucht. Jener belässt es bei einem Kaffee, indessen sich der Passagier beim Inhaber Nick Papadakis (John Colicos) eine Mahlzeit bestellt. Chambers wartet auf der Toilette, bis der Geschäftsmann das Lokal verlassen hat und täuscht vor, von diesem seiner Brieftasche beraubt worden zu sein. Der leichtgläubige Grieche Papadakis erlässt dem Gauner die Zeche für das Frühstück, schlägt ihm jedoch vor, bei ihm statt in Los Angeles als Automechaniker anzufangen. Chambers ist vor allem von Papdakis’ in der Küche tätigen Ehefrau Cora (Jessica Lange) angetan, die ihm das Essen zubereitete, lehnt das Angebot jedoch ab. Als er auf der Straße seinen Daumen wieder in den Wind streckt, kommen ihm Zweifel… So arbeitet Frank Chambers ab sofort als Mechaniker in der Twin Oaks Tavern. Und während sich Nick Papadakis mit einem Versicherungsvertreter (Raleigh Bond) über die Details seiner Policen auseinandersetzt, stattet Frank der Küche von Cora durch die Hintertür einen Besuch ab. Er fragt nach Kernseife und bekommt einen Kaffee angeboten, den er nur zu gern annimmt, denn er ist neugierig und spürt längst, dass sie es auch ist…
 
“I'm getting tired of what's right and wrong.” - “They hang people for that, Cora!” Zwischen 1939 und 1946 gab es drei Verfilmungen des 1934 in den USA erschienenen Romans The Postman Always Rings Twice - deutscher Titel der Erstausgabe von 1950 war Die Rechnung ohne den Wirt - aus der Feder von James M. Cain. 35 Jahre später brachte Bob Rafelson als seinen ersten Neo Noir eine Fassung ins Kino, die sich vor allem mit Blick auf die explizite Darstellung der erotischen Anziehung zwischen Cora und Frank nicht mehr um den Hays Code oder anderweitige Tabus kümmern musste oder kümmern wollte. Und so wurde dieser Film bei seiner Erstaufführung im März 1981 vor allem wegen seiner so sichtbaren Erotik in Szenen wie dem legendären Sex auf dem Küchentisch berühmt und weniger als Neufassung eines klassischen Film-Noir-Stoffs durch Drehbuchautor David Mamet. Im Vergleich zu Tay Garnetts schwachem Film Noir, der in Deutschland als Im Netz der Leidenschaften (USA 1946) aufgeführt wurde, zeigt Regisseur Rafelson im Casting ein ungemein gutes Gespür. Zwar waren John Garfield und Lana Turner schon in den Vierzigern ein großartiges Liebespaar, doch der Rollencharakter Nick geriet mit dem (im Vergleich zu seiner Ehefrau Cora) sehr sichtbar 28 Jahre älteren Schauspieler Cecil Kellaway zur komödiantischen Farce. In Wenn der Postmann zweimal klingelt sind Jessica Lange 31, Jack Nicholson 43 und John Colicos 52 Jahre alt. Solche Staffelung der Altersabstände erweist sich als gute Grundlage für eine glaubwürdige Gestaltung der Beziehungsebenen zwischen den drei Rollencharakteren.
 
“The Postman Always Rings Twice is an absolutely superb mounting of a hollow and disappointing production”, schrieb Roger Ebert und liegt damit dennoch leider richtig. Selten sah ich einen Neo Noir, der mit Blick auf seine Dramaturgie, die wunderbaren Schauspieler, eine fantastische Kameraarbeit des Schweden Sven Nykvist und seine überragend detailverliebte Ausstattung so vieles richtig macht und dennoch nicht mit einem überzeugenden  Ganzen aufwarten kann. Trotz einer Spieldauer von zwei Stunden erweisen sich die Charaktere als eigentümlich blass und wenig konturiert. Trotz einer ungeheuren Dynamik und Feinfühligkeit der Darsteller fehlt es ihren Figuren an Eigenleben. Womöglich liegt es daran, dass die Beziehung zwischen Cora und Frank nie mehr Substanz hat als in jenen 5 Minuten, zu der ihr Sex in der Küche zählt. Dass hier mehr drin gewesen wäre, bewies Luchino Visconti mit seinem Erstlingswerk Ossessione - von Liebe besessen / Besessenheit (ITA 1943). In dieser nicht autorisierten und deshalb bis 1976 in den USA mit einem Aufführungsverbot belegten Adaption des Cain-Romans ist die von einer manischen Sexualität betriebene Hassliebe zwischen den Protagonisten zur Perfektion ausgeführt, nicht nur im Schauspiel sondern auch in der Inszenierung und in der Erzählung selbst. Jack Nicholson, Christopher Lloyd und Anjelica Huston waren bereits in Einer flog übers Kuckucksnest (USA 1975) zusammen in einem Film aufgetreten. Zwischen 1968 und 1996 arbeitete Regisseur Bob Rafelson insgesamt sechs Male mit Jack Nicholson, zuletzt in dem recht gelungenen Neo Noir Blood And Wine – Ein tödlicher Cocktail (USA 1996).
 
Gute BD-Edition (2014) von Warner Bros. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch oder Spanisch, optional spanische, französische oder portugiesische Untertitel, den US-Kinotrailer und Audiokommentare Bob Rafelsons, David Mamets und Jack Nicholsons als Extras. Die US -DVD (1998) ist nicht zu empfehlen, denn sie ist zwar ungekürzt, zeigt absurderweise mit 4:3 (Vollbild) jedoch das falsche Bildformat.
 

Neo Noir | 1981 | USA | Bob Rafelson | David Mamet | James M. Cain | Brion James | Christopher Lloyd | Jack Nicholson | Sam Edwards | Anjelica Huston | Jessica Lange

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