Thérèse Raquin - Du sollst nicht ehebrechen

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Bewertung
*****
Originaltitel
Thérèse Raquin
Kategorie
Film Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Simone Signoret, Raf Vallone, Jacques Duby, Maria Pia Casillo, Marcel André

Regie
Marcel Carné
Farbe
s/w
Laufzeit
103 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Lyon, Frankreich: Der kränkliche Sohn aus einer traditionsreichen Familie der Stoff- und Textilhändler, Camille Raquin (Jacques Duby), sieht mit seiner Mutter (Maria Pia Casillo) an der Rhone den Boulle-Spielern zu. Seine Frau Thérèse (Simone Signoret) steht abseits, von der Spielleidenschaft ihres Mannes und der Schwiegermutter sichtbar angeödet. Trist ist ihr Leben daheim, gefesselt an eine Tante, zu der sie nach dem Tod der leiblichen Eltern kam und welche sie vor sechs Jahren mit dem schwachbrüstigen Cousin liierte. Auch heute geht es nur darum dem plötzlich an Anzeichen einer Erkältung leidenden Camille schnell eine Bettflasche zu bereiten, bevor er sich noch vor Einbruch der Dämmerung ins Bett legt und einschläft… In der zentralen Verladestation für den städtischen Speditionsverkehr muss Laurent (Raf Vallone), ein Lkw-Fahrer für die Messageries Malabert, mehrere Kisten aufnehmen. Doch Laurent gerät mit dem Warenkontrolleur Camille Raquin aneinander, weil der ihm nicht einfach so die Frachtpapiere abzeichnen lassen will. Abends bringt Laurent den betrunkenen Camille nach Hause und trifft in den Geschäftsräumen die Ehefrau Thérèse, die er erst für dessen Schwester hält. Laurent trägt den Besoffenen in den ersten Stock und bringt ihn zu Bett, nachdem er Camille hat versprechen müssen, am kommenden Donnerstagabend zum Brettspiel im Familienkreis zu kommen. Der Abschied zwischen Laurent und Thérèse gestaltet sich eigenartig; etwas liegt in der Luft und sie merken es. Am Donnerstag sitzt der Lkw-Fahrer anstatt in seiner Latzhose und Lederjacke in Anzug und Krawatte neben Thérèse am Spieltisch…
 
“The film is as much a commentary on the social ills and moral decline of its time as it is a worthy Zola adaptation and supremely satisfying example of French film noir,” schreibt James Travers in seiner Rezension für die French Film Site. Mit Blick auf die US-Tradition des Film Noirs, die Mitte der Vierziger zur vollen Blüte gelangte, gibt es zwei auffällige Parallelen zu dieser Verfilmung des gleichnamigen Romans von Émile Zola (EA 1867), und in beiden Fällen war James M.Cain Autor der Romanvorlage. In Billy Wilders Schlüsselwerk des Film Noirs, Frau ohne Gewissen (USA 1944), beschließen die „illegitimen“ Liebenden, sich des unerwünschten Ehemanns durch dessen Sturz aus einem fahrenden Zug zu entledigen, was sie als einen Unfall zu tarnen hoffen. Doch daran wird von Dritten bald gezweifelt… In Tay Garnetts Die Rechnung ohne den Wirt / Im Netz der Leidenschaften (USA 1946) - die nach einer französischen (1939) und einer italienischen (1943) dritte Verfilmung des Cain-Romans - ist es das Zusammentreffen mit einem richtigen „Kerl“, was die erotische Liebe der an einen unmännlichen, ungeliebten aber wohlhabenden Gatten gebundenen Frau neu entfacht. Auch in dem Fall zeigt die zweite Hälfte des Films, inwieweit es den Liebenden gelingt, ihren Mord zu bewältigen und den Hütern des Gesetzes als Unglücksfall zu verkaufen. Nun ist Émile Zolas Buch bedeutend älter als die beiden in den Dreißigern des 20. Jahrhunderts entstandenen Romane James M. Cains und es drängt sich die Frage auf, ob jener sich wohl von dem französischen Autor von Weltrang hatte inspirieren lassen. Marcel Carné nahm sich mit Thérèse Raquin - der völlig unpassende deutsche Zweittitel zeugt heute lediglich vom Einfluss der Kirche in jener moralinsauren BRD der Fünfziger - einen Roman Zolas vor, nachdem zuvor bereits Jean Renoir mit Bestie Mensch (FRA 1938) einen der wichtigsten Vorläufer des Film Noirs der Vierziger geschaffen hatte.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Im langen, dunklen Nachhall des Zweiten Weltkriegs entstand auch in Frankreich, Namensstifter des Film Noirs, eine eigene Noir-Tradition. Im Vergleich zu den USA und zu England scheinen deren Werke etwas spärlicher gesät und jeweils im Werkskanon einzelner Regisseure, weniger in einem übergreifenden Stil oder gar in einem Genre verankert. Im Fahrwasser Henri-Georges Clouzots und Yves Allegréts waren es in den Fünfzigern erst Jacques Becker und Henri Decoin, später auch Jean-Pierre Melville und Louis Malle, die hier Herausragendes schufen. Und der für den Poetischen Realismus so bedeutende Marcel Carné drehte mit Thérèse Raquin seinen wohl besten Film der Nachkriegsjahre. Simone Signoret, bereits seit 1946 im Film Noir heimisch, war in ihren frühen Jahren immer wieder eine Femme fatale feinster Prägung. Nur selten so burlesk erotisch wie in Goldhelm / Die Sünderin von Paris (FRA 1952) war es das zurückhaltende Spiel und der edle Ernst ihrer Mimik, die für ihre Liebhaber stets unwiderstehlich waren. Simone Signoret und Raf Vallone, der hier teils an Burt Lancaster erinnert, sind wunderbar als das vom Zufall zusammengeführte Liebespaar. Alle Nebendarsteller sind handverlesen und gestalten ihre Rollencharaktere bis ins Detail überzeugend. Thérèse Raquin ist französiches Kino der alten Schule und Carné gelingt mit einer simplen Geschichte ein großer Wurf, der allen Connaisseuren klassischen Filmschaffens empfohlen sei.
 
Erstklassige englische DVD-Edition (2009) der Optimum Releasing Ltd. / Studiocanal mit dem Film bildtechnisch topp, ungekürzt im Originalformat, französischer Originalton, optional englische Untertitel, ohne Extras.
 

Film Noir | 1953 | France | Marcel Carné | Émile Zola | Paul Frankeur | Raf Vallone | Simone Signoret

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