Judas Kiss

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Bewertung
***
Originaltitel
Judas Kiss
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

Carla Gugino, Simon Baker-Denny, Emma Thompson, Alan Rickman, Gil Bellows

Regie
Sebastian Gutierrez
Farbe
Farbe
Laufzeit
94 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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New Orleans: In einem noblen Apartmenthaus sitzt Wachmann Gordon (Richard Riehle) in der Videozentrale und verkürzt sich die Zeit mit einem Science-Fiction-Porno, als plötzlich eine der Überwachungskameras durch einen Paketboten abgeklebt wird. Noch bevor er zum Telefon greifen kann, wird er von Ruben Rubenbauer (Til Schweiger) hinterrücks niedergeschlagen, einer der vier Gangster, die es auf das millionenschwere Computergenie Ben Dyson (Greg Wise) abgesehen haben. Das sonst mit Erpressung betuchter Geschäftsleute befasste Gangsterpaar Junior Armstrong (Simon Baker-Denny) und Coco Chavez (Carla Gugino) klopft an die Tür von Dysons Apartment, der ahnungslos öffnet und von Armstrong niedergeschlagen wird, indessen Rubenbauer den Fahrstuhl bereit hält. Durch den fehlenden Fahrstuhl hat Patty Hornbeck (Beverly Penberthy) heute die Treppe nehmen müssen und sieht nun, wie der bewusstlose Dyson von Armstrong durch den Flur zum Fahrstuhl geschleift wird. Coco Chavez zögert erst, dann erschießt sie die Frau, von der sie nicht ahnen kann, dass es die Gattin von Senator Rubert Hornbeck (Hal Holbrook) ist. In der Parkgarage erwartet sie bereits Lizard Browning (Gil Bellows), der vierte im Bunde. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu einer Autowerkstatt, wo sie das Fahrzeug des Botendienstes und ihre Arbeitskleidung eintauschen und sich zu einer abseits gelegenen Villa begeben… Indessen erscheinen am Tatort der Police Detective David Friedman (Alan Rickman) und FBI-Agentin Sadie Hawkins (Emma Thompson), um sich um das Kidnapping und um einen Mord zu kümmern… 
 
“A fairly complex tale of betrayal and corruption, Judas Kiss also spoofs noir conventions”, schrieb Steve Press, Rovi. “This hip attempt at neo-noir and a Quentin Tarantino type of film, uses the colorful city of New Orleans as background for its murder and kidnapping tale”, bemerkt Dennis Schwartz für Ozu’s World. Und hier liegt schon das Problem. Autor und Regisseur Sebastian Gutierrez, bei diesem Debüt gerade mal 24 Jahre alt, hat mit Blick auf seine Vorbilder nicht viel falsch gemacht. Aber die Vorbilder lugen an allen Ecken und Enden aus der Erzählung selbst und aus den formalen Aspekten des Films. Handwerklich gibt es nichts zu beanstanden. Der Kameramann James Chressanthis liefert eine solide Arbeit und auch der Regie unterlaufen keine gravierenden Fehler. Doch fehlt diesem Neo Noir vor allem eins, nämlich Frische. Was geboten wird, hat man durch die Bank schon gesehen, nur eben besser. Es ist das Fahrwasser der Quentin-Tarantino-Werke aus den Frühneunzigern und jener Welle der Neo Noirs von Regisseuren wie John Dahl oder Bob Rafelson, die Judas Kiss seine wegweisenden Impulse lieferten. Gerade mit Blick auf Tarantino, dessen Filme in zwanzig Jahren nicht gut alterten, hat solcher B-Film 16 Jahre nach Erstaufführung schon Staub angesetzt. Hier gerät der Film Noir, wie bei Hipster Tarantino, zur ironiegetränkten Posse. Wer das nach zwei, drei Gags verstanden und die Rezeptur durchschaut hat, beginnt sich insgeheim zu langweilen. „Typisch Neunziger!“ denkt der Cineast und bringt damit so ziemlich alles, was es zu sehen gibt, auf den Punkt.
 
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© Studiocanal GmbH

 

“I understand that this isn't personal because you're not a person.” Einige Einzeiler sind halbwegs triftig, aber viele leben von ihren Four Letter Words und sind für Europäer jene lahme Enttabuisierung mit Blick auf die altbekannte US-amerikanische Prüderie im Kinosaal. Til Schweiger, der als „deutscher“ Gangster mit Killerinstinkt regelmäßig Pornos schauen darf, wird im Kontext zu der Art “Running Gag“, der schon in den Neunzigern altbacken wirkte. So verschenkt der Film trotz einer an Wendungen reichen Geschichte sein Potential, nämlich die Stadt New Orleans als grandiose Kulisse und die Topp-Schauspieler Alan Rickman, Emma Thompson, Lisa Eichhorn und Philip Baker Hall. All das landet inklusive pointierter musikalischer Begleitung durch Songs von Alex Chilton, Robyn Hitchcock, The Plimsouls, etc. pp. in einem Sud der Mittelmäßigkeit und köchelt als passable Unterhaltung vor sich hin. Wer Judas Kiss niemals sieht, hat nichts verpasst. Wer es trotzdem tut, muss sich nicht über Gebühr ärgern, hat jedoch 94 Minuten seines Lebens in einen Film investiert, den ein David Mamet oder die Brüder Joel und Ethan Coen auf ein ganz anderes Niveau gehoben hätten. Sebastian Gutierrez blieb dem B-Film treu und tat sich in diversen Genres um, bevor er mit Hotel Noir (USA 2012) eine leider missglückte Hommage an den klassischen Film Noir lieferte.
 
Die meisten DVD-Editionen zeigen den Film im falschen Bildformat, nämlich 4:3 Vollbild. Die italienische und die französische DVD-Ausgaben beinhalten ihn original Widescreen 16:9 und das ungekürzt, mit jeweils auch der original englischen Tonspur, die Untertitel ggf. nicht ausblendbar.
 

Neo Noir | 1998 | USA | Sebastian Gutierrez | Jack Conley | Philip Baker Hall | Carla Gugino | Lisa Eichhorn

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