Hotel Noir

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Bewertung
**
Originaltitel
Hotel Noir
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

Rufus Sewell, Carla Gugino, Danny DeVito, Rosario Dawson, Malin Akermann

Regie
Sebastian Gutierrez
Farbe
s/w
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles, Kalifornien, im Jahr 1958: Handwerker Eugene Portland (DannyDeVito) hat Zeit seine Lebens Glastüren in Duschkabinen montiert. Es führte jedoch fast nie dazu, dass ihm eine allein zu Haus gebliebene Ehefrau erotische Avancen machte. Nur im Fall der hübschen Evangeline Lundy (Mandy Moore) sah es eingangs so aus, als sie ihm anbot ihr doch beim Duschen zuzusehen. Aber das erwies sich schnell als Vorwand, um dem höflichen Mann von den eigenen Eheproblemen zu berichten und sich an seiner Schulter mal richtig auszuweinen. Heute spannt Eugene in Zimmer 34 des Hotels ein Blatt Papier in seine Schreibmaschine, um ausführlich eine Geschichte zu erzählen, als es plötzlich an der Tür klopft und das Zimmermädchen Sevilla (Rosario Dawson) in einem Superheldenkostüm herein hüpft. Sie stellt jedoch fest, im falschen Zimmer angekommen zu sein und verabschiedet sich wieder. So beginnt Portland seine Geschichte. Sie handelt von Police Detective Felix (Rufus Sewell), der mit einem Koffer Geld und ein paar Habseligkeiten am Bahnhof ankam, wo er mit Swedish Mary (Malin Akermann) verabredet war, diese jedoch nicht antraf. Also checkte er gegenüber im Hotel ein, wo in der spärlich besetzten Bar die Sängerin Hanna Click (Carla Gugino) ihren Auftritt hatte. Es dauerte nicht lange, da missfielen die Blicke, welche Felix der reizenden Chanteuse zuwarf, deren Freund Vance (Kevin Connolly), einem schmierigen Berufsspieler mit kriminellem Hintergrund…
 
”But then he fell for the wrong kind of dame. Who doesn’t?” Dass die Gratwanderung zwischen Parodie und Hommage an den klassischen Film Noir funktionieren kann, haben unter anderem Carl Reiner mit Tote tragen keine Karos (USA 1982) und Woody Allen mit Im Bann des Jade-Skorpions (USA 2001) unter Beweis gestellt. Auch Sebastian Gutierrez greift für seine Film-Noir-Mixtur tief ins Rezeptbuch und fördert eine gelungene Ausstattung, schöne Schwarzweißbilder und eine Palette teils hervorragender Darsteller und Darstellerinnen zutage, allen voran Carla Gugino und Danny DeVito. Aber das… war es dann schon. Bei der wichtigsten Zutat für ein solches Werk patzt sein Autor und Regisseur, bei der Geschichte selbst. Natürlich darf und sollte man zitieren und das Vergnügen an der Referenz, die der Zuschauer nur zu gern mit dem Schöpfer teilt, ordentlich einheizen. Für viele Cineasten ist dieses Mit-dem-Autor-unter-einer-Decke-stecken ja das Salz in der Suppe. Allerdings kann es nie die Suppe selbst sein, was hier jedoch versucht wird. Statt einer Geschichte findet sich eine fast beliebig austauschbare Aneinanderreihung von Klischees, wie sie dem Film Noir gern zugeschrieben werden, die sich zu einem unverdaulichen Klumpen altbekannter, hausbackener Standards verdichten. In Hotel Noir gibt es schlicht gar nichts, was man andernorts nicht schon um vieles besser gesehen hätte. Daran können auch ein paar von Wes Anderson & Co. entlehnte editorische Tricks nichts ändern. Wer innerhalb der ersten 52 Minuten wach bleibt, schafft es mit etwas Glück über die zweite Hälfte, aber lohnenswert ist es nicht.
 
“And no matter how many stories-within-digressions-within-anecdotes Gutierrez piles on, you never lose the nagging sense that you’re simply watching a high-school drama club’s production of ’40s fatalism chic”, schrieb David Fear für Time Out New York in einer der vielen vernichtenden Kritiken für Hotel Noir in den USA. Es ist traurig, aber wahr, und die Trauer entsteht dort, wo man Hotel Noir die Liebe zum Detail und die Liebe zur Epoche ansieht. Der Independentfilm entstand mit einem minimalen Budget von angeblich weniger als einer halben Million US-Dollar und versucht aus seinen Möglichkeiten das Beste herauszuholen, was ihm mit Blick auf seine formalen Kriterien gelingt. Obwohl er von Anbeginn den Charakter eines Fernsehfilms hat, wirkt er zumindest streckenweise nicht billig. Allein dafür bekam er von mir einige Vorschusslorbeeren und ich habe mich bemüht ihn zu mögen… Am Ende ist mir das nicht gelungen. Hotel Noir erzählt eine aus Versatzstücken anderer Filme zusammengeflickte Geschichte und erzählt sie so, dass sie langweilig und irrelevant daherkommt. Als Drehbuchautor war Sebastian Gutierrez für einige haarsträubende Flops von Großproduktionen mitverantwortlich, so bei Mathieu Kassowitz’ Gothika (USA 2003) oder beim zur Selbstparodie verkommenen Snakes On A Plane (USA 2006) von David R. Ellis. Hotel Noir markiert diesbezüglich keinen Fortschritt, im Gegenteil. Für Film-Noir-Freunde ist er bestenfalls enttäuschend und allemal für jeden verschwendete Zeit.
 
Gute BD- und DVD-Ausgaben (2013) von Zenith Pictures / Lighthouse Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, deutsche und englische Tonspur ohne Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2012 | USA | Sebastian Gutierrez | Robert Forster | Danny DeVito | Carla Gugino

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