Crime d’amour

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Bewertung
****
Originaltitel
Crime d’amour
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Ludivine Sagnier, Kristin Scott Thomas, Patrick Mille, Guillaume Marquet, Geráld Laroche

Regie
Alain Corneau
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Paris: Die leitende Managerin Christine Rivière (Kristin Scott Thomas) und ihre Assistentin Isabelle Guérin (Ludivine Sagnier) arbeiten für den US-amerikanischen Lebensmittelkonzern Barney Johnson mit Hauptsitz in Washington. Heute Abend bereiten Sie im luxuriösen Anwesen Christines eine Besprechung vor, die jene in Kairo abhalten muss. Die Managerin ist von der Kreativität ihrer Assistentin begeistert und macht ihr Komplimente – auch wegen ihres Parfüms und sie gibt ihr einen Kuss auf den Hals, bevor sie für beide ein Glas Wein holt. Isabelle ist selbst von der mächtigen, hübschen Frau angetan, als plötzlich Philippe Deschamps (Patrick Mille) auftaucht, der sich neben Christine aufs Sofa fallen lässt… Am Morgen möchte Isabelle ihrer Chefin den in der Nacht fertiggestellten Plan für Kairo präsentieren. Doch Christine überrascht ihre Assistentin mit der Nachricht, dass sie an ihrer Stelle nach Kairo fliegen solle. Insgeheim will sich Christine am Wochenende mit ihrem Liebhaber Jacques (Jean-Marie Juan) treffen, weshalb sie Philippe zur Kontrolle mit nach Kairo schickt. Dort geht Isabelles Plan wunderbar auf und der Geschäftsabschluss ist für die Firma mehr als vorteilhaft. Isabelle beginnt eine Affäre mit Philippe, aber wieder in Paris bekommt sie mit, wie Christine Isabelles Erfolg in Kairo gegenüber den Geschäftsführern (Mike Powers, Matthew Gonder) in Washington als ihren eigenen ausgibt. Noch während der Telefonkonferenz bekommt Christine die Leitung der New Yorker Geschäftsstelle angeboten. Die scheinbar naive Isabelle ist verletzt und sinnt auf Rache…
 
„Und plötzlich befinden wir uns nicht mehr in einem Yuppie-Drama aus der Welt der Hochfinanz, sondern in einem tiefschwarzen Film Noir“, schreibt mathiasdeepred für seinen Blog Deepreds Kino in Anspielung auf eine Wendung der Filmhandlung. Mit Crime d’amour liefert Alain Corneau (als seine letzte Arbeit) so manche Überraschung ab, vor allem das Werk selbst, das 2010 die Summe aus 36 Jahren Regierfahrung im Bereich Thriller und Neo Noir zum Leuchten bringt, sich vor der zeitgenössischen Konkurrenz aus den USA damit auch nicht zu verstecken braucht. Dass die Universum Film GmbH den Film hierzulande unterm englischen Titel Love Crime (als BD und als DVD) auf den Markt brachte, wird seinen Grund darin haben, dass sein Fernsehtitel Liebe und Intrigen beliebig und irreführend war, Crime d’amour aber von vielen Filmfreunden in Deutschland u.U. nicht verstanden wird. Mancher Rezensent, der wie ich von dem verhalten aufgenommenen Drama aus den oberen Etagen eines internationalen Konzerns überaus angetan ist, hat darauf hingewiesen, dass es französisch zugeht - ungeachtet der US-amerikanischen Chefetage bei Barney Johnson. Das Tempo ist also geruhsam, die Gewalt zurückgenommen, auf spektakuläre Action sollte man nicht hoffen, die Einstufung FSK 12 ist vertretbar. Crime d’amour fokussiert sich auf seine Charaktere und solche haben es in sich. Die schon bald von der Kette gelassenen, extrem auf Formenstrenge und Rituale getrimmten Topmanager und –managerinnen erweisen sich als regelrechte Bestien. Für jeden noch so geringen Vorteil gehen sie über Leichen und zwar sowohl sprichwörtlich als eben auch wörtlich. Das Duell von Christine Rivière versus Isabelle Guérin ist diesseits vordergründiger Schockeffekte von ausdrücklicher Härte.
 
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© Universum Film GmbH
 
Der zeitlebens u.a. auch vom großen Film-Noir-Regisseur Jean-Pierre Melville beeinflusste Alain Corneau erweist mit einem verblüffend guten Schluss noch einem weiteren, im Jahr 2010 genau 13 Tage nach ihm selbst verstorbenen Meisterregisseur Frankreichs seine Referenz – Claude Chabrol. Am Ende geht es nicht ums Tun von Einzelnen sondern um Strukturen, darin die Werthaltungen der Gesellschaft im Kapitalismus der westlichen Welt verankert sind und die eben nicht Individuen sondern Rollenträger gebären. Während das Finale und zuvor einige Mobbing-Attacken in der Chefetage etwas übertrieben und am Rande der Glaubwürdigkeit wirken, zeigt dieser Schluss Merkmale desjenigen von Alles über Eva (USA 1950) - Joseph L. Mankiewicz’ Satire über die Intrigen im US-amerikanischen Theaterbetrieb. Crime d’amour ist kein Meisterwerk, aber in der Nachbarschaft von zu Unrecht gefloppten Filmen wie Grégoire Vignerons Spurlos (FRA 2010) einer der besseren französischen Neo Noirs der letzten Dekade und auch aufgrund seiner darstellerischen Leistungen sehenswert. Der Soundtrack des grandiosen Jazz-Musikers Pharoah Sanders ist in der zweiten Hälfte zu prominent, die Schwarzweiß-Szenen wirken etwas aufgesetzt, doch im Ganzen sind das marginale Kritikpunkte an einem eigenwilligen und bewusst fiesen Thriller. Eben „tiefschwarz“ - was sonst?
 
Erstklassige deutsche Edition als BD und als DVD (2013) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, deutsche oder französische Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2010 | France | Alain Corneau | Julien Rochefort | Gérald Laroche | Kristin Scott Thomas

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