Verschwörung im Berlin-Express

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Bewertung
****
Originaltitel
Skenbart: En film om tåg
Kategorie
Neo Noir
Land
SWE
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Gustaf Hammarsten, Magnus Roosmann, Anna Björk, Kristina Törnqvist, Robert Gustaffson

Regie
Peter Dalle
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Stockholm, Schweden, am 22. Dezember 1945: Der Literaturkritiker und Schriftsteller Gunnar Wern (Gustaf Hammarsten) schreibt einen Abschiedsbrief an seinen Arbeitgeber, darin er Ludwig Wittgenstein zitiert: „Nichts ist notwendigerweise, was es zu sein scheint.“ Am Bahnhof will er den Expresszug nach Berlin nehmen und vielleicht das Maurerhandwerk erlernen, um beim Wiederaufbau selbst mit Hand anzulegen. Während er auf dem Bahnsteig aus Ungeschicklichkeit mit einem verletzten Soldaten (Robert Gustaffson) zusammen stößt, erregt er die Aufmerksamkeit des Zugschaffners (Peter Dalle)… Indessen sitzt der strenggläubig katholische Arzt Henry (Magnus Roosmann) mit seiner Geliebten Marie (Anna Björk) im Bahnhofscafé. Aufgrund ihrer Flugangst reist auch Karin (Kristina Törnqvist), Henrys Ehefrau, mit dem Zug Richtung Berlin, indessen sie ihren Gatten zwei Tage später in Mailand wiederzusehen hofft. Doch Henry plant, in zwei Tagen längst Witwer zu sein und Marie heiraten zu können. Dafür gibt er seiner Geliebten eine Büchse Tabletten, von denen sie im Speisewagen eine in Karins Cognac fallen lassen soll. Aber Marie wirkt nervös und traut sich den Mord nicht zu. Nun ist Henry genervt und begibt sich auf den Bahnsteig, wo er sich von Karin verabschieden will, jedoch erstmal mit Gunnar zusammen stößt, was der Schaffner erneut beobachtet. Gunnar hat vor Ort einige Tafeln Schokolade und auch Orangen gekauft, in Kriegszeiten seltene Lebensmittel, die er dann aber baltischen Flüchtlingen schenkt, die in Begleitung von zwei Nonnen (Marie Göranzon, Hanna Ekman) an Bord des Berlin-Express’ gehen…
 
„Peter Dalle mixt einen höchst unterhaltsamen Cocktail aus Thriller, Film Noir und Slapstick im Stil der 40er Jahre zusammen“, heißt es bei kino.de. „Monthy Python trifft den Film Noir. Grandios absurd, herrlich komisch“, schrieb die Nordwest-Zeitung zum deutschen Kinostart im Februar 2005. International bekam der Film meist verhaltene bis negative Kritiken. Zu dünn sei die Geschichte, meinten viele, zu schwarz der Humor, schrieben andere. Was den Humor angeht, sollte man sich auf eine gnadenlose Tour de force einstellen, die kein Wenn und kein Aber gelten lässt. Zudem ist der Film für seine FSK-12-Einstufung stellenweise brutal, denn ein Noir-Thriller will er ja auch sein. Daüber hinaus bietet er jenen, die mit dem Kino der Dreißiger und Vierziger vertraut sind, ein cineastisches Behagen, sofern es an Vorlagen und Zitaten nicht mangelt. Jacques Tourneurs Berlin Express (USA 1948) wird vor allem atmosphärisch zitiert, auch jener endet im kriegszerstörten Berlin. Mit Charles Davids Die Dame im Zug (USA 1945) teilt der Film das Jahr und das Datum des Weihnachtstages, zudem seine Kollektion obskurer Charaktere. Alfred Hitchcocks Eine Dame verschwindet (UK 1938) ist die klassische Vorlage für alle Thriller, die (fast) durchweg im Zug spielen, und noch den Orient-Express kriegt der Zuschauer schließlich zu Gesicht – Handlungsort von Agatha Christies mehrfach verfilmtem Roman Ein Mord im Orient-Express (EA 1934). Regisseur Peter Dalle war sicher auch mit Richard Fleischers Film Noir Um Haaresbreite (USA 1952) vertraut, darin Detective Sgt. Walter Brown (Charles McGraw) die ex-Frau eines Gangsters im Zug nach Los Angeles bringt - ein Katz-und-Maus-Spiel inklusive mörderischer Pläne und falscher Identitäten, welche die Verschwörung im Berlin-Express mit Genuss kolportiert.
 
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© Eurovideo Bildprogramm GmbH
 
Hierin liegt der markante Anknüpfungspunkt an den Film Noir, dem sich auch das Schwarzweiß und die historische Dimension verdankt, denn in Peter Dalles Film ist die Verschwörung, die der Zuschauer zu sehen glaubt, nicht immer diejenige, die wirklich stattfindet. Den falschen Identitäten setzt sein Autor und Regisseur mit dem Erscheinen des Weihnachtsmanns die Krone auf. Verschiedene Personen hinter der billigen Maske mit Rauschebart – deren Bösartigkeit erinnert an andere Maskenträger, z.B. in Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf  / Killing (USA 1956) – treiben innerhalb und außerhalb des Berlin-Express' ihr Unwesen. Sogar die subjektive Kamera, Stilmittel in Robert Montgomerys Lady In The Lake (USA 1947) und Delmer Daves’ Die schwarze Natter / Das unbekannte Gesicht (USA 1947), kommt zum Einsatz. Auch sonst ist die Kameraarbeit Gören Hallbergs bemerkenwert, für die er 2004 für den Guldbagge, Schwedens nationalen Filmpreis, nominiert wurde. Erstklassige und in Deutschland weitgehend unbekannte Darsteller runden bis in Nebenrollen eine Hommage an den Film Noir und das Thriller-Kino Alfred Hitchcocks & Co., die sich in die Tradition von Filmen wie Tote tragen keine Karos (USA 1982) oder I Hired A Contract Killer (FIN/UK/GER/SWE/FRA 1990) fügt. Für den Film-Noir-Freund ein empfehlenswerter Schritt abseits der ausgetretenen Pfade.
 
Sehr gute DVD-Ausgabe (2011) der Eurovideo Bildprogramm GmbH, München, mit dem Film bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat, dazu die deutsche oder schwedische Tonspur, optional deutsche Untertitel.
 

Neo Noir | 2003 | International | Peter Dalle | Gustaf Hammarsten | Anna Björk

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