Blade Runner, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Blade Runner
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/HK/UK
Erscheinungsjahr
1982
Darsteller

Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh

Regie
Ridley Scott
Farbe
Farbe
Laufzeit
113 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
Los Angeles im November 2019: Es ist Nacht in der Metropole, über deren Himmel Raumgleiter schweben. Gasexplosionen illuminieren den Gewitterhimmel und im Gebäude der Tyrell Corporation befragt Holden (Morgan Paull) einen neuen Angestellten der Firma, Leon Kowalski (Brion James), im Rahmen eines Tests, der Menschen von Androiden, sogenannten Replikanten, unterscheiden hilft. In einer Weltraumkolonie sind sechs Replikanten der Baureihe Nexus 6, die von Menschen kaum mehr unterscheidbar sind, ihrem Sklavendasein entflohen und haben vor Rückkehr zur Erde ein Blutbad angerichtet. Zwei von ihnen starben, als sie versuchten, ins Werksgelände der Tyrell Corporation einzudringen. Die anderen vier sind stets flüchtig. Doch der Test schlägt fehl - Kowalski ist ein Replikant und erschießt Molden, bevor er flieht… Rick Deckard (Harrison Ford), selbst ehemaliger Blade Runner und Jäger von Replikanten, isst downtown an einem asiatischen Straßenstand, als er vom Handlanger Gaff (Edward James Olmos) aufgefordert wird, mit ihm zu kommen. Gaff bringt ihn zu Bryant (M. Emmett Walsh), der als Polizist für die Jagd auf die Replikanten verantwortlich ist und nach Moldens Misserfolg den besten Mann für den Job sucht. Er setzt Rick Deckard ins Bild, den er zur Mitarbeit zwingt und der sich nun zur Tyrell Corporation begibt, wo er vom Gründer und Leiter Dr. Eldon Tyrell (Joe Turkel) und dessen Angstellter Rachael (Sean Young) empfangen wird. Tyrell ist von den Tests zur Identifikation fasziniert und bittet Deckard, ihn zur Demonstration doch an Rachael durchzuführen…
 
Konträr zu vielen seiner in den 50er Jahren populär gewordenen Kollegen schuf der Science-Fiction-Autor Philip K. Dick zeitlebens dystopische Entwürfe, die dem Geist zutiefst gepeinigter Seelen enstsprangen oder solche in den Mittelpunkt rückten. Und ebenso konträr zu der mit George Lucas’ Krieg der Sterne (USA 1977) und Steven Spielbergs Unheimliche Begegnung der dritten Art (USA 1977) initiierten Welle von Science-Fiction-Filmen, die von einer sprunghaften Entwicklung der Spezialeffekte profitierte, war Ridley Scotts Der Blade Runner - die Verfilmung von Dicks Roman Träumen Roboter von elektrischen Schafen? (EA 1968) - weit mehr als Popcorn-Kino. „In Wahrheit ist Blade Runner die elegische Hochzeit zwischen dem Detektivfilm der legendären Schwarzen Serie und der neuen Weltraumoper“, schrieb Hellmuth Karasek im September 1982 über dieses (seinerzeit mit 28 Mio US-Dollar immens) teure und aufwendige Werk für das Magazin Der Spiegel. Noch heute erwähnen Chronisten des Film Noirs Der Blade Runner entweder gar nicht oder widmen ihm, wie z.B. Alexander Ballinger und Danny Graydon in ihrem The Rough Guide to Film Noir (2007), sein eigenes Kapitel: „Blade Runner’s challenge to noir begins with the opening title, (…) before a mesmeric aerial sequence reveals a landscape of belching refineries and monumental skyscrapers“, heißt es dort. Und damit starten die Referenzen ans klassische Film-Noir-Kino gerade mal, stehen doch ein Detektiv im Trenchcoat und eine Femme fatale mit dem Look Joan Crawfords im Mittelpunkt des in ewige Nacht und Regen getauchten Großstadtepos’.
 
Der Blade Runner, solche Zukunftsvision als ein bildgewordener Alptraum, bevölkert von identifizierbaren Charakteren aus den Schattenzonen eines Film Noirs, wurde über die Jahre und Jahrzehnte zum Kultfilm. Bis heute gilt er als stilbildend für die als Cyberpunk bekannt gewordene Stilrichtung in der Science Fiction-Literatur, bei den Mangas und vielen Spielfilmen, so etwa schon frühzeitig für Terry Gilliams Brazil (UK 1985) oder für Katsuhiro Otomos Akira (JPN 1988), einen Markstein des Anime-Kinos. Dieser Status hat dazu geführt, das ein vor Kinostart gegen den Willen des Regisseurs modelliertes Happy End der Erstfassung (Juni 1982) und sogar die Erzählerstimme aus dem Off im heutigen Final Cut (seit 2007) fehlen. Trotz unübersehbarer Schwächen in Erzählung und Charakterzeichnung ist Der Blade Runner ein stets beeindruckendes Kinoerleben. Dass es nie zu einem Prequel oder einem Sequel kam, geschäftstüchtige Praxis Hollywoods, die so manche glänzende Einzelleistung - sogar bei Psycho (Original von 1960, Sequels und Prequel zwischen 1983 und 1990) - in ihrem Ruf beschädigte, lässt ihn geschichtslos erscheinen. Doch abgesehen von Einflüssen des Film Noirs - das so charakteristische Bradbury Building in Los Angeles nutzten vor Scott u.a. Douglas Sirk, Rudolph Maté und Roman Polanski - verdankt er einiges auch anderen Pioniertaten des Genres wie z.B. Fritz Langs Metropolis (GER 1926). Der Blade Runner ist als Final Cut ein Film, den auch jeder Neo-Noir-Freund einmal gesehen haben sollte.
 
Wer auf Schnickschnack verzichten kann, holt sich den Final Cut in der Standard-Edition als preiswerte BD oder DVD von Warner Bros. (2008) - ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch exzellent, Tonspuren auf wahlweise Deutsch, Englisch (unbedingt empfehlenswert), Spanisch, Polnisch, massenweise Untertitel, eine Einführung Ridley Scotts und verschiedene Audiokommentare als Extras. Alles in allem eine für diesen über 30 Jahre alten Film vorbildliche Edition!
 

Neo Noir | 1982 | USA | Ridley Scott | Jordan Cronenweth | Brion James | Harrison Ford | Joe Turkel | M. Emmet Walsh | William Sanderson

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