Erpressung / Die Frau mit der Narbe

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Bewertung
****
Originaltitel
A Woman’s Face
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1941
Darsteller

Joan Crawford, Melvyn Douglas, Conrad Veidt, Osa Massen, Reginald Owen

Regie
George Cukor
Farbe
s/w
Laufzeit
106 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Stockholm, Schweden: Der Gerichtshof eröffnet das Verfahren gegen Anna Holm (Joan Crawford), die von der Staatsanwaltschaft des Mordes beschuldigt wird. Aus einer illustren Geellschaft von Zeugen fordert der Richter (Henry Kolker) als erstes den Kellner Herman Rundvik (Donald Meek) zur Aussage auf. Jener erinnert sich an eine Gesellschaft, die auf Einladung des scheinbar wohlhabenden Adligen Torsten Barring (Conrad Veidt) vor einiger Zeit in dem 15 Kilometer außerhalb Stockholms im Wald gelegenen Ausflugslokal Anna Holms getafelt habe. Es war bereits spät, als Barring und seine Gäste, die letzten des Abends, sich zum Aufbruch rüsteten. Doch Rundvik gab Barring zu verstehen, dass er keine weiteren Schuldscheine von ihm akzeptiere, worauf dieser eine Diskussion mit dem Geschäftsführer Bernard Dalvik (Reginald Owen) begann, in die sich unerwartet Anna Holm, die Besitzerin des Lokals, einschaltete. Torsten Barring ist im Nu fasziniert von jener geheimnisvollen Frau mit einer Narbe, die ihre rechte Gesichtshälfte entstellt. Aufgrund seines galanten Verhaltens lässt Anna ihm gegenüber dennoch Milde walten. Sodann bricht Barrings Gesellschaft auf, mit ihr auch die treulose Vera Segert (Osa Massen), die nebst ihrem Liebhaber Eric (Charles Quigley) anwesend ist, derweil ihr Mann, der Chirurg Dr. Gustaf Segert (Melvyn Douglas), im Krankenhaus in der Nachtschicht arbeitet…
 
“The world belongs to the devil, Anna. And I know how to serve him, if I could only get the power.“ Hierzulande ist der Film einigen auch als Die Frau mit der Narbe geläufig, doch das war lediglich ein Fernsehtitel. Der Originaltitel seiner Kinoaufführung im Nachkriegsdeutschland (Oktober 1949) war Erpressung. Das düstere Drama ist wiederum US-Remake des 1938 unter der Regie von Gustaf Molander in Schweden gedrehten Films En kvinnas ansikte mit Ingrid Bergmann in der Rolle der Anna Holm, der bis heute in Deutschland noch nie zur Aufführung kam. Beide Werke sind Verfilmungen des Dramas Il etait une fois (EA 1932) von Francis de Croisset, der vor allem durch sein Theaterstück Arsene Lupin, König der Diebe (EA 1908) bekannt wurde, das seit 1916 reihenweise Adaptionen fürs Kino erlebte. Auffällig an der US-Version ist jenes internationale Ensemble, das Regisseur George Cukor im Kriegsjahr 1941 versammelte: Neben den US-Amerikanern Joan Crawford und Melvyn Douglas finden sich Conrad Veidt und Albert Bassermann als deutsche Exilanten, Osa Massen und Gwili Andre aus Dänemark, die Engländer Reginald Owen und George Zucco sowie der gebürtige Schotte Donald Meek.
 
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© Warner Bros.
 
“This one is right there with Welles and Huston at the founding of Noir”, stellt David Fiore fest, der sich in dem Aufsatz The Reel You (some thoughts on A Woman's Face & Film Noir) diesem Werk George Cukors widmete. Die in Rückblenden erzählte Geschichte Anna Holms beginnt nach ihrem Gang durch die Gefängnisflure mit einer Sequenz im Gerichtssaal, um dann bei einer illustren, zwielichtigen Gesellschaft von Nachtschwärmern anzuheben, die allerlei versteckte Beweggründe an ihren entlegenen Ort der Feier führte. Die Stimmung ist angespannt und der erste richtige Auftritt Anna Holms, ihr Zusammentreffen mit Torsten Barring, ist in seiner Vieldeutigkeit, den impliziten Versprechen einer dramatischen Erntwicklung meisterhaft. Auch stilistisch gibt es in dem Werk reichlich Kameraeinstellungen und Beleuchtung seitens des Kameramanns Robert H. Planck, die den Film Noir in seinen Grundzügen vorwegnehmen. Joan Crawford ist exzellent in der Rolle Anna Holms alias Ingrid Paulson und mit Conrad Veidt und Melvyn Douglas bekommt sie zwei große Akteure ihrer Zeit an die Seite gestellt. Schon damals wurden die Filme der Crawford ebenso wie die von Bette Davis von ihren weiblichen Hauptrollen dominiert. Zudem ist interessant, das kurz vor Beginn der klassischen Ära des Film Noirs mit William Wylers Das Geheimnis von Malampur (USA 1940), Josef von Sternbergs Abrechnung in Shanghai (USA 1941) und eben mit George Cukors Erpressung drei Hollywoodproduktionen auf einen je asiatisch bzw. europäisch geprägten Kontext rekurrieren, hingegen der Film Noir mit John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke und H. Bruce Humberstones I Wake Up Screaming / Hot Spot (USA 1941) sofort in der US-amerikanischen Großstadt angesiedelt war. Nach Ende des Weltkriegs drehte George Cukor mit Ein Doppelleben / Mord in Ekstase (USA 1948), einen der bis heute am meisten unterschätzten Film Noirs seiner Zeit.
 
In den USA ist der Film bei Warner Bros. nur als Teil der 5DVD-Box (2008) The Joan Crawford Collection Vol. 2 erschienen. In Europa gibt es eine spanische Edition (2009) bei Warner Bros. Entertainment Inc., die bildtechnisch topp restauriert, im Originalformat und ungekürzt ist und den englischen und spanischen Ton nebst spanischen Untertiteln bietet. Dem Film-Noir-Freund sei genau diese empfohlen!
 

Pre Noir | 1941 | USA | George Cukor | Albert Bassermann | James Millican | Robert Warwick | Joan Crawford | Marjorie Main

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