Lebensgier

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Bewertung
****
Originaltitel
Human Desire
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Glenn Ford, Gloria Grahame, Broderick Crawford, Edgar Buchanan, Kathleen Case

Regie
Fritz Lang
Farbe
s/w
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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 © Columbia Pictures Corporation
 
Der Kriegsveteran Jeff Warren (Glenn Ford) kehrt nach 3 ½ Jahren aus dem Koreakrieg zurück und übernimmt in der Kleinstadt, die seine Heimat ist, wieder die alte Stelle als Lokführer bei der Central National Railroad. Er bezieht sein ehemaliges Zimmer im Haus des Freundes und Kollegen Alec Simmons (Edgar Buchanan) und dessen Frau Vera (Diane DeLair), und er staunt nicht schlecht, als er sieht, dass ihre Tochter Ellen (Kathleen Case) zur Frau herangewachsen ist. Sein Chef John Thurston (Carl Lee) widmet Jeff Warren beim Wiedersehen kaum ein „Guten Morgen!“, doch sein Kollege Carl Buckley (Broderick Crawford), mit dem Warren manche Erinnerung an alte Zeiten teilt, ist inzwischen zu Thurstons Stellvertreter aufgestiegen. Und nicht nur das! Er hat auch geheiratet, wie Warren schnell errät. Während er Ellen einen Kimono zum Geschenk macht, bringt sie die Rede auf seine Zukunft, doch der vermeintlich einfache Warren denkt nur an Eisenbahnen und ans Angeln, an gute Steaks und Nächte im Kino. Als ihn Ellen auf die Frau, die man für Kinobesuche brauche, anspricht, weicht er aus. Indessen kommt Carl Buckley früher als gewöhnlich von der Schicht nach Hause, wo er seine junge Frau Vicki (Gloria Grahame) in neuen Schuhen im Bett beim Radiohören antrifft. John Thurston hat Carl Buckley gefeuert, als dieser auf eine Anschukldigung erneut impulsiv reagierte und Buckley – fünf Jahre vor dem Anspruch auf eine Rente – ist darüber so ziemlich außer sich…
 
Schon Hollywoods klassischer Film Noir widerstand nicht der Versuchung, Filmklassiker als „Remake“ erneut zu verfilmen. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg drehte John Cromwell unter dem Titel Algiers (USA 1938) ein Remake von Julien Duviviers Pépé le Moko - Im Dunkel von Algiers (FRA 1937). Zehn Jahre später gab es mit John Berrys Casbah - Verbotene Gassen (USA 1948) sogar noch eins, das zudem eine Riege guter Film-Noir-Darsteller versammelte, u.a. Peter Lorre und Thomas Gomez. Zuvor hatten Fritz Lang mit Straße der Versuchung (USA 1944) ein Remake von Jean Renoirs Die Hündin (FRA 1931) und Anatole Litvak mit Die lange Nacht (USA 1947) ein Remake von Marcel Carnés Der Tag bricht an (FRA 1939) vorgelegt. Danach sorgte Joseph Losey mit M (USA 1951) für ein Remake von Fritz Langs eigenem Klassiker M - Eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931), bevor wiederum Lang mit Lebensgier (USA 1954) den Reigen beschloss und ein Remake von Jean Renoirs Bestie Mensch (FRA 1938) präsentierte. Fritz Lang hatte im Jahr zuvor mit Heißes Eisen (USA 1953) den besten Film Noir der McCarthy-Ära zustande gebracht, ein ebenso subversives wie beinhartes Meisterstück des Film Noirs der Fünfziger, mit Glenn Ford und Gloria Grahame in den Hauptrollen. Diese besetzte er auch für sein Folgeprojekt Lebensgier. Aber von allen genannten Remakes ist einzig Straße der Versuchung dasjenige, das seiner Vorlage ganz das Wasser reichen konnte, obgleich Jean Renoir selbst beide Neuverfilmungen seiner Filmstoffe der Dreißiger durch Fritz Lang nicht mochte.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
„It's much better to have good looks than brains because most of the men I know can see much better than they can think.” Die US-amerikanische Filmkritik schätzt diesen Film Noir Fritz Langs und verteidigt ihn gegenüber den Vergleichen mit Jean Renoirs Meiseterwek. Tatsächlich gibt es vieles, was für Lebensgier spricht. Zum ersten die darstellerische Leistung von Broderick Crawford und von Gloria Grahame als Carl und Vicki Buckley. Die komplexen Rollencharaktere sprühen vor Leben und entwickeln eine Dynamik, die im US-Kino der 50er eine Ausnahme darstellt. Großartiges Schauspiel! Zudem die Regie Fritz Langs, der sich von Einstellung zu Einstellung als Meister seines Fachs erweist und mit Burnett Guffey einen exzellenten Kameramann zur Seite hatte. Nimmt man Lebensgier, ohne ihn zu vergleichen, ist man über 91 Minuten in ein hartes und rasantes Drama verwickelt, das einen packt. Schwachpunkte sind die Zensur in Zeiten der McCarthy-Ära, die vor allem auch sexuelle Spannungen im Zaum zu halten suchte. Vor dem Hintergrund gehen Lang und Grahame schon erstaunlich weit. Zum zweiten ist Glenn Ford ein Schauspieler, der zwar im richtigen Umfeld eine gute Wirkung erzielt, doch variantenreich ist sein Spiel sicher nicht. Daran fehlt es ihm im Finale dieses Film Noirs leider deutlich, und es ist verblüffend, das Lebensgier dem dennoch standzuhalten vermag. Fazit: Der Film-Noir-Freund sollte sich dieses frühe Beispiel eines Widescreen-Films in Schwarzweiß unbedingt ansehen, denn Lebensgier ist trotz seiner Schwächen ein klasse Film. “We weren’t meant to be happy.“
 
In den USA liegt Lebensgier in einer exzellent restaurierten DVD-Fassung, ungekürzt im Originalformat, mit der original englischen Tonspur und optional englischen Untertiteln als Teil der 5DVD-Box Columbia Pictures Film Noir Classics II (2010) vor. In Europa gibt es sowohl in England bei Paladium Pictures als auch in Spanien und Italien (teils bereits ältere) DVD-Editionen dieses Films, doch nur eine der spanischen ist ebenfalls von Sony Pictures Home Entertainment.
 

Film Noir | 1954 | USA | Fritz Lang | Émile Zola | Burnett Guffey | Broderick Crawford | Edgar Buchanan | Glenn Ford | John Maxwell | Gloria Grahame

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