Red House, The

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Bewertung
****
Originaltitel
The Red House
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Edward G. Robinson, Lon McCallister, Allene Roberts, Judith Anderson, Julie London

Regie
Delmer Daves
Farbe
s/w
Laufzeit
100 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Meg Morgan (Allene Roberts), Nath Storm (Lon McCallister) und seine Freundin Tibby (Julie London) besuchen die High School einer Kleinstadt im dicht bewaldeten kalifornischen Hinterland. Schon bald werden die Teenager ihren Abschluss erwerben und die Elternhäuser verlassen. Meg wuchs bei Pete (Edward G. Robinson) und Ellen Morgan (Judith Anderson) heran, die sie im Alter von zwei Jahren adoptierten, als ihre Eltern auf der Suche nach einem eigenen Grund Land verstarben. Die Farm der Morgans liegt besonders abgelegen und Pete, der ein Holzbein hat, ist ein eigenwilliger, doch seine Stieftochter Meg abgöttisch liebender Ersatzvater. Nachdem auf dem Heimweg Tibby den Schulbus verlassen hat, überzeugt Meg den Schulfreund, doch mit ihr nach Hause zu kommen. Pete braucht schon längst eine helfende Hand auf dem Hof und Naths verwitwete Mutter (Ona Munson) verdient mit ihrem geerbten Haushaltswarenladen gerade genug, um sich und ihren Sohn durchzubringen. Nath willigt ein und trifft den sturen Pete, der sich auf Ellens und Megs Drängen bereit erklärt, dem Jungen eine Chance zu geben. Nath fängt sogleich an und isst mit den Morgans zu Abend, wo sich ein Gespräch über Megs Adoption entspinnt. Als Nath trotz heftigen Windes bei Dunkelheit aufbricht, will er die Abkürzung durch Ox Head Woods nehmen. Pete ist von dieser Idee entsetzt und warnt den unbeeindruckten Nath eindringlich vor den Schreien aus einem sogenannten roten Haus, die jeden Wanderer sein Leben lang verfolgten…
 
“Don't put such a high price on courage, it's an over-rated virtue.” Nach George Agnew Chamberlains gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1943 drehte Regisseur Delmer Daves als direkten Vorläufer seines weit bekannteren Film Noirs Die schwarze Natter / Das unbekannte Gesicht (1947) diesen gotischen Thriller mit Edward G. Robinson und einem heute (fast) vergessenen Kinderstar der Dreißiger, dem hier 24jährigen Lon McCallister, in den Hauptrollen. Neben Robinson, der eine seiner größten Leistungen der Vierziger abliefert, ist auch die 18jährige Allene Roberts als Stieftochter Meg eine sensationelle Entdeckung der Produktion. Mit Rory Calhoun und Julie London als von einer brennenden Erotik hingerissene Gegenspieler des ätherischen Paares bieten die Charaktere in solcher Konstellation, komplettiert durch die stets verlässliche Judith Anderson als Petes um ein eigenes Leben betrogene Schwester, einen reichen Nährboden für das von einem dunklen Geheimnis befeuerte Drama. Delmer Daves lässt sich als Autor und als Regisseur die Butter nicht vom Brot nehmen und serviert mit ruhiger Hand einen zu keinem Zeitpunkt vordergründigen Film Noir der besonderen Art. Neben dem Erzähler aus dem Off und der Vergangenheit als Schicksalsspieler im eigenen Inneren zeigt es sich auch an der Doppelgesichtigkeit der meisten Figuren im familiären Umfeld. Dass der Film im Gegensatz zu vielen Film-Noir-Titeln jener Jahre in der Provinz und in der freien Natur spielt, nimmt vor allem letzterer nichts von ihrer Feindlichkeit. Die scheinbare Idylle, mit der The Red House anhebt, verwandelt sich sukzessive in eine Bedrohung eigenständiger Art, die sich bald als eine von Menschenhand entpuppt.
 
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Das Moment der Entfremdung - bis zum Grad der Auslöschung alles Bisherigen - gelingt Daves durch ein unaufgeregt behutsames Timing. Hier zeigt ein Regisseur, wie eine Geschichte erzählt werden muss, die nicht auf vordergründige Schaueffekte sondern auf ihre Charaktere zugeschnitten ist und deren Wagnisse ihre Glaubwürdigkeit nicht ankratzen können. Neben den genannten Darstellern, die allesamt hervorragend sind, gibt es Ona Munson als Nath Storms Mutter, die als seinerzeit brillant diabolische “Mother“ Gin Sling aus Josef von Sternbergs aberwitzigem Film Noir Abrechnung in Shanghai (1941) kaum wieder zu erkennen ist. The Red House brachte keinem der Jungschauspieler den zu erwartenden Starruhm ein. Julie London dümpelte in den Fünfzigern im Windschatten weit weniger begabter „Leinwandgöttinnen“. Allene Roberts zog sich 1957 als gläubige Christin und Mutter dreier Kinder aus dem Filmgeschäft zurück. Lon McCallister erwies sich für die Heldenrollen der McCarthy-Ära als zu schmächtig. So geriet der Thriller, den Daves fürs unabhängige Studio Thalia Productions Inc. inszenierte und der in Deutschland gar nicht ins Kino kam, – wahrscheinlich für die Nachkriegszeit zu dunkel und deprimierend! – bald in Vergessenheit. Martin Scorsese jedoch besprach ihn 1995 in seiner Dokumentation Reise durch den amerikanischen Film. Erst im April 2012 brachte Film Chest (USA) nun die definitive und topp restaurierte Neuedition des Klassikers zuwege, der als Film der Public Domain jahrelang nur in Kopien von bescheidener Qualität zirkulierte.
 
Einzig die US-amerikanische Neuedition als BD und DVD in einem von Film Chest (2012) ist zu empfehlen. Bildtechnisch topp restauriert, mit einem gut verständlichen englischen Ton, ungekürzt im Originalformat, dazu einen Audiokommentar von Film-Noir-Spezialist William Hare. In Deutschland ist er wie so viele andere Filmklassiker nie erschienen.
 

Film Noir | 1947 | USA | Delmer Daves | Bert Glennon | Edward G. Robinson | Harry Shannon | Allene Roberts | Judith Anderson | Julie London | Ona Munson

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