nackte Kuss, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
The Naked Kiss
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Constance Towers, Anthony Eisley, Michael Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly

Regie
Samuel Fuller
Farbe
s/w
Laufzeit
88 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Kelly (Constance Towers) ist eine Prostituierte, und nachdem sie einen ihrer Freier im Affekt niederschlug, ist sie vor ihrem ehemaligen Zuhälter auf der Flucht. In der Kleinstadt Grantville steigt sie aus dem Überlandbus und sucht nach einer Bleibe und der Möglichkeit, ihre Reisekasse aufzubessern. Letztere ergibt sich, als sie bei ihrer Ankunft den örtlichen Sheriff Capt. Griff (Anthony Eisley) kennen lernt und mit ihm einige Stunden verbringt. Doch Griff, der Protistuierten grundsätzlich misstraut, will sie möglichst schnell aus seiner sauberen Stadt haben. So versucht er, sie außerhalb der Staatsgrenze in dem Bordell seiner alten Bekannten Candy (Virginia Grey) unterzubringen, doch hat Kelly inzwischen andere Pläne. Sie will ihr Leben von Grund auf ändern und nimmt in der örtlichen Klinik für körperbehinderte Kinder eine Stelle als Krankenschwester an. Doch so leicht gibt Griff sich nicht zufrieden. Die Situation spitzt sich zu, als Kelly mit dem reichen J.L. Grant (Michael Dante) aus bester Familie in eine Beziehung tritt und bald sogar Heiratspläne verlautbart werden. Denn auch Grant ist nicht unbedingt, der er eingangs zu sein schien…
 
Ein klasse Film! Aber keiner für jedermann - gewiss nicht, denn das Kino Samuel Fullers folgt eigenen Gesetzen. Mal sind seine Geschichten schwach (Tokio-Story, USA 1955), mal sind sie ungemein dynamisch wie im Fall von Der nackte Kuss. Stets aber sind Fotografie und Dramaturgie, Samuel Fullers Gefühl für Schauplätze und Schauspieler, angereichert mit Ausflügen ins Überspitzte, Bizarre und gar Absurde. Als eigentümliche Mischung aus Melodrama à la Douglas Sirk (Schlingen der Angst, USA 1948), der selbst Ausflüge in den Film Noir unternahm und mit Shockproof  (USA 1949) einen nach Drehbuch von Sam Fuller, und einem waschechten Thriller mit dunkel obsessivem Untergrund ist Der nackte Kuss seiner Zeit klar voraus. Schon Fullers erster Film Noir Polizei greift ein / Lange Finger - Harte Fäuste (USA 1953) mit Richard Widmark und Jean Peters in den Hauptrollen sorgte international für kontroverse Reaktionen. Samuel Fullers unverblümt raue und eigenwillige Regie zeitigte ebenso einerseits konventionelle wie andererseits überraschende Ergebnisse. Fullers Kino ist typisch US-amerikanisches B-Movie und zum Anderen auch nah an der Nouvelle Vague.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Constance Towers (u.a. in Samuel Fullers Schock-Korridor, USA 1963) und Virginia Grey (Das war Mord, Mr. Doyle, USA 1957) sind als Frauencharaktere außerhalb der bürgerlichen Sozietät erstklassig. Die eine will in diese Gesellschaft hinein, die andere spielt so kühl wie galant ihre Rolle außerhalb dessen – knapp jenseits der Staatsgrenze, wie Fuller symbolträchtig inszeniert. Der nackte Kuss zeigt komplexe Charaktere in komplexen Beziehungen – mal an der Grenze zur Seifenoper, dann wieder schockierend hässlich. Die Geschichte der Prostituierten Kelly in der Kleinstadt Grantville ist zugleich Spiegel der alltäglichen Korruption und der mentalen Prostitution in allen gesellschaftlichen Schichten. Sie ist als Film ein Werk der Moral, nicht zuletzt das konsequente Ende legt dies nahe, dabei jedoch zu keiner Sequenz moralisierend, ideologisch oder nur wertend. Genau das macht den Film zuletzt zeitlos und für Liebhaber des Film-Noir-Kinos zu einem ganz besonderen Genuss.
 
Der nackte Kuss ist als ein Film der Public Domain weltweit in qualitativ unterschiedlichen Fassungen erschienen. Arthaus / Studiocanal bietet eine bildtechnisch restaurierte Fassung mit ungekürzter Spielzeit inklusive deutschem und englischem Ton und optional deutschen Untertiteln. Strittig ist - wie schon bei Schock-Korridor (USA 1963) allerdings das Bildformat, denn die DVD von Arthaus / Studiocanal präsentiert ein wirklich exzellent tiefenscharfes Bild im Format 4:3 = 1.33:1, also im Vollbildmodus. Gedreht wurde Der nackte Kuss in 1.66:1, ein heute veraltetes Format, das ursprünglich von Paramount eingeführt wurde und das das alte 16mm-Format ist. Die im Januar 2011 in den USA erschienene DVD-Edition der Criterion Collection bringt den Film in einer Widescreen-Edition 16:9 (= 1.77:1) - in dem Format für Widescreen als Blu-ray und als DVD-Edition. Wer bietet nun den Film in dem Format, das beim Transfer des Originals - oben/ unten bzw. rechts/links! - keinen Bildverlust produziert? Vergleiche der VHS- und DVD-Editionen von Hitchcocks Psycho (USA 1960), der angeblich ebenfalls in 1.66:1 gedreht wurde, ergaben nachweislich, dass es beim Widescreentransfer auf 16:9 bei allen (!) DVD-Editionen von Universal Pictures zu Bildverlusten kam. Im Vergleich der Arthaus-DVD (= 4:3) von 2011 mit der Ausgabe von VCI Entertainment (erschien 2007 codefree in den USA), die wie Criterion den Film in 16:9 zeigt, schneidet die deutsche Ausgabe etwas besser ab. Hier fehlen im direkten Vergleich nur kleinere Stücke rechts und links, während bei der VCI-Edition oben und unten deutlich beschnitten wurde, was um einiges störender ist. Die US-Ausgabe der renommierten Criterion Collection liegt uns zum Vergleich z.Zt. nicht vor.
 

 

Post Noir | 1964 | USA | Samuel Fuller | Samuel Fuller | Stanley Cortez | Neyle Morrow | Constance Towers | Virginia Grey

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