Terror in Block 11

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Bewertung
****
Originaltitel
Riot In Cell Block 11
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Neville Brand, Emile Meyer, Frank Faylen, Leo Gordon, Robert Osterloh

Regie
Don Siegel
Farbe
s/w
Laufzeit
80 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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In den frühen 50er Jahren geben wiederholte Revolten in US-amerikanischen Gefängnissen der Öffentlichkeit Anlass zur Sorge, denn sie kosten den Steuerzahler Beträge in Millionenhöhe. Richard A. McGee, der Sprecher der American Prison Association, sieht die Politik in der Pflicht, die Zustände in den Anstalten endlich zu verbessern… MehrereHäftlinge und ein Wärter bringen mit einem Rollwagen das Abendessen in den als “Punishment Block“ bezeichneten, isolierten Zellblock 11 eines Gefängnisses. Der neue Wärter Monroe (Paul Frees) fühlt stets noch Mitleid mit den Inhaftierten, doch der abgebrühte, sadistische Snader (Whit Bissell) meint, dass er darüber hinwegkommen werde. Ein mit Kreide an Zellentüren gezeichnetes Kreuz markiert die besonders unberechenbaren Hälftlinge, unter ihnen James V. Dunne (Neville Brand) und “Crazy“ Mike Carnie (Leo Gordon). Im Block 11 sind wegen Überfüllung der Anstalt auch andere Häftlinge wie Frank (Robert Patten), der sich bei dem allseits respektierten “Colonel“ (Robert Osterloh) erkundigt, ob jener im Fall von dessen Freilassug nach Entscheidung über eine Strafmilderung sich nach seinem Kind erkundigen könne, da er zwei Monate nichts mehr gehört habe. Als der Abend naht, wird das Licht im Block 11 sukzessive abgeschaltet. Vier Wärter bleiben im Trakt, unter ihnen Monroe und Snader. Dunne und Carnie wissen das und machen sich ans Werk. Zuerst lockt Schuyler (Dabbs Greer) Monroe in seine Zelle, schlägt ihn nieder und nimmt sich dessen Schlüsselbund...

 

Der im Gefängnis angesiedelte oder das Gefängnis als Art Dreh- und Angelpunkt nutzende Film Noir war 1954 schon alles andere als neu. Sogar vor dem klassischen Film Noir gab es in den USA Gangsterfilme, die ein realistisches und kritisches Bild vom Gefängnis im Blick hatten - Ich bin ein entflohener Kettensträfling / Jagd auf James A (USA 1932, San Quentin (USA 1937) und Each Dawn I Die (USA 1939) zählen dazu. Im Film Noir waren es Werke wie Zelle R 17 (USA 1947), Verlorene Frauen / Frauengefängnis (USA 1950), The Sun Sets At Dawn (USA 1950) oder Meuterei im Morgengrauen (USA 1951). So manche davon thematisieren bereits die Revolte gegen Zustände und Behandlung in Staatsgefängnissen. Dennoch kommt dem vom Filmproduzenten Walter Wangers eigenen Erlebnissen inspirierte und von Regisseur Don Siegel (Der Tod eines Killers, USA 1964) kompetent umgesetzte B-Film Terror in Block 11 eine Sonderstellung zu. Mit einem unfassbar geringen Budget von unter 300.000 US-Dollar an Ort und Stelle im Folsom State Prison in Kalifornien gedreht, wartet der semidokumentarische und für seine Zeit unverblümt harte Film ohne Hollywood-Stars und stattdessen mit einer Riege von Charakterdarstellern auf. Neville Brand war seit seinem Debüt in Rauschgiftbrigarde (USA 1949) auf die Rolle des Fieslings im Film Noir abonniert. Emile Meyer (Die Nacht der Wahrheit, USA 1951) blieb in all seinen Nebenrollen zeitlebens exzellent. Frank Faylen hatte sich schon seit Mitte der 30er Jahre in vielen Produktionen als exquisiter Schauspieler empfohlen. Der ehemalige Häftling Leo Gordon, der selbst 5 Jahre im San Quentin State Prison verbracht hatte, war der Mann, von dem Don Siegel in seiner Autobiografie berichtete, dass er ihm wirklich Angst eingejagt hätte. Die Abwesenheit eines Filmstars und einer Heldenrolle sowie das Ensemble, wie es gewählt wurde, sorgen für die Glaubwürdigkeit an jenem Drehort, den Kameramann Russell Harlan (Gefährliche Leidenschaft, USA 1950) mit der ihm eigenen Handschrift auf Zelluloid zu bannen wusste.

 

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Siegels Gefängnisfilm ist dennoch nicht ganz das Meisterwerk, als das er häufig gehandelt wird. Daran kann auch die wunderbar editierte BD- bzw. DVD-Edition der Criterion Collection (USA) und Chris Fujiwaras dort abgedruckter leidenschaftlicher Essay “States of Exception“ nichts ändern. Der dokumentarische Vorspann des Films (von zweiundeinhalb Minuten Länge) mit dem dramtischen Erzähler James Matthews ist im Tonfall zu belehrend und wirkt als politische Aussage im Kontext der Zeit heute deplatziert und“heavy handed“. Der Film selbst leistet viel besser, was der Vorspann im Stil einer Nachricht der damals noch im Kino gezeigten Wochenschau versucht an den Mann und die Frau zu bringen. Indessen die Charaktere der Häftlinge und des Gefängnisdirektors Reynolds (Emile Meyer) gut gezeichnet sind, bleiben die Politiker Haskell (Frank Faylen) und der Gouverneur (Thomas Browne Henry) zu klischeehaft, um ihren Figuren als konservativen Gegenspielern wirklich Kontur zu verleihen. Terror in Block 11 war ein Überraschungserfolg für Allied Artists und zog eine ganze Reihe von Film Noirs im oder um das Gefängnis nach sich, so etwa Straße des Terrors (USA 1955), Blutgeld (USA 1955) oder (erneut mit Leo Gordon) Stahlharte Männer (USA 1956). Neville Brand hatte noch bis Ende der 50er Jahre wiederholt Hauptrollen inne, vor allem in B-Western, und kehrte in John Frankenheimers Der Gefangene von Alcatraz (USA 1962) mit Burt Lancaster, dieses Mal jedoch als Wärter, auch wieder ins Gefängnis zurück.

 

Erstklassige deutsche BD- und DVD-Editionen (2016) von Filmjuwelen mit dem Film ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei restauriert. Dazu gibt es den englischen Originalton und die deutsche Synchronisation, leider ohne Untertitel, aber mit dem Kinotrailer und einem zwanzigseitigen Booklet als Extras, das unterm (albernen) Titel “Knackis bitte zur Aufnahme“ Hintergründe zum Film beleuchtet. Die US-BD und DVD der Criterion Collection (2014) beinhaltet als weitere Extras einen Audiokommentar von Matthew H. Bernstein, Tonaufnahmen mit Lesungen aus Werken zum Film und die NBC-Dokumentation The Challenge Of Our Prisons (1953), dazu den in einem Booklet abgedruckten Essay über Don Siegel, “States of Exception“ von Chris Fujiwara, zum Film selbst gibt es optional englische Untertitel.

 


Film Noir | 1954 | USA | Don Siegel | Russell Harlan | Emile Meyer | Frank Faylen | Neville Brand | Whit Bissell

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