San Quentin

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
**
Originaltitel
San Quentin
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1937
Darsteller

Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan, Barton MacLane, Joe Sawyer

Regie
Lloyd Bacon
Farbe
s/w
Laufzeit
67 min
Bildformat
Vollbild

 


 

San Quentin-Poster-web1.jpg  San Quentin-Poster-web2.jpg San Quentin-Poster-web3.jpg   San Quentin-Poster-web4.jpg

© Warner Bros.

San Quentin State Prison, Kalifornien: Auf dem Hof, wo die Gefangenen Freigang haben, werden Einzelne ausgerufen, um sich bei Captain Druggin (Barton MacLane) zum Raport zu melden. Heute verabreicht Druggin dem schwerhörigen Bill Conklin (William A. Williams) 30 Tage Einzelhaft, weil der Mann beim Aufrufen seines Namens nicht sofort reagierte. Da wird Druggin zu Anstaltsdirektor Taylor (Joseph King) zitiert und Venetti (Marc Lawrence) verkündet lautstark, dass er den sadistischen Druggin eines Tages sicher umbringen werde. Einige Aufseher gehen dazwischen, es kommt zu einer kurzen Rauferei, dann herrscht wieder Ruhe… Taylor informiert Druggin darüber, dass am kommenden Donnerstag Captain Stephen Jameson (Pat O’Brien) von der US-Armee in Texas seinen Dienst als neuer “Captain of the Yard“ antreten werde und Druggin seinen Posten als Lieutenant damit wieder zurück erhalte. Druggin ist stinksauer, weil er sich auf der Stelle bewährt zu haben glaubte, aber Taylor gibt ihm zu verstehen, dass er ihn für den Umgang mit Gefangenen als ungeeignet erachte. Immer häufiger käme es zu Rebellionen, seine harten Methoden führten zu nichts, die Öffentlichkeit verlange zu Recht Korrekturen. Druggin ist empört und knallt hinter sich die Bürotür zu. In San Francisco feiert Captain Jameson in der Lorenz Revue mit einigen Kollegen seine zweijährige Versetzung nach San Quentin. Da betritt die Nachtclubsängerin Mae De Villiers (Ann Sheridan) den Saal und Jameson ist sofort wie gebannt… 

 

Von Warner Bros. gibt es aus den Dreißigern Gangsterfilme, die ihrer Zeit vorauseilten und zugleich die Zeit ihrer Entstehung einzigartig widerspiegeln. Im Jahr 1937, drei Jahre nach Einführung der Production Code Administration (PCA) bzw. der als Hayes Code bekannten Filmzensur in den USA, lag die Zeit von Werken wie The Doorway To Hell (USA 1930), The Public Enemy (USA 1931), The Maltese Falcon (USA 1931) und Der kleine Cäsar (USA 1931) jedoch lange zurück. Längst hatten mit patriotischem Sendungsbewusstsein beladene Polizeifilme à la G Men (USA 1935) oder Revolver und Roulette (USA 1936) den Stil jener Gangsterepen kopiert, indessen sie sich einer zunehmend reaktionären Staatsräson anbiederten und deren Propaganda dienten. San Quentin ist diesbezüglich in der Mitte anzusiedeln. Einerseits gibt das Drehuch Nachtclubsängerin Mae “De Villiers“ Kennedy die Möglichkeit, ein paar kernige Sätze über den Strafvollzug in US-Gefängnissen auszusprechen. Andererseits wird der ganz von Edelmut und Willenskraft geprägte Captain Stephen Jameson nicht nur zu ihrer großen Liebe sondern dank einer im Dienst der US-Armee zur Perfektion gebrachten “Menschenkenntnis“ auch zum Retter jener verirrten Seelen, die sich wider das Gesetz stellten. So beginnt der Humbug einer Psychologie, die so flach ist wie das Papier des Drehbuchs, der sie entstammt, und einer im Resultat plumpen und im Finale grotesk lächerlichen Handlung. Die ist über weite Strecken nicht bloß manipulativ - Menschenflüsterer Jameson gewinnt Achtung und Respekt, aller Meinungen drehen sich, nur die “Bösen“ bleiben beharrlich - sondern am Ende bestenfalls unfreiwillig komisch.

​​

 San Quentin-still-web2.jpg  San Quentin-still--web1.jpg  San Quentin-still-web3.jpg

© Warner Bros.

Natürlich zeigt das Studio auch in dieser Produktion, was für einen hohen Standard es 1937 bereits erreicht hat. Atmosphärisch und dramaturgisch gibt es so manches in und an San Quentin, was man schätzen und loben könnte. Auch die Riege der Darsteller, die für Warner Bros. arbeitete, beweist die Klasse der dortigen Filmproduktion. Mit 37 Jahren war Humphrey Bogart noch immer kein Star. Nur selten trat er in Hauptrollen auf und wird uns hier als jüngerer (!) Bruder - “kid brother“ - der 22jährigen Ann Sheridan verkauft. Schon das haut nicht hin, und während Marc Lawrence, Joe Sawyer und viele Andere als Häftlinge des Staatsgefängnisses Klasse zeigen, mühen sich Barton MacLane und Pat O’Brien allzusehr ab. Mit O’Brien komme ich grundsätzlich nicht klar. Er ist keine Persönlichkeit, die einen Film als Hauptdarsteller trägt; alles an ihm ist durchschnittlich, vor allem sein Können als Schauspieler. O’Briens Auftreten ist viel zu behäbig, er bringt wenig Dynamik in einen Film, darin ein Großteil der Akteure mit hohem Tempo unterwegs ist. Bogart trat 1937 in sieben Filmen auf, in den beiden folgenden Jahren war es jeweils die gleiche Anzahl. Aber auch Hauptrollen wie in You Can’t Get Away With Murder (USA 1939) oder King Of The Underworld (USA 1939), brachten ihm nicht den Durchbruch. Jener folgte erst mit John Hustons Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941). Bogart wurde zu einer zentralen Figur des Film Noirs, indessen Pat O’Briens wenige Auftritte darin stets schwach waren, etwa in Crack-Up (USA 1949) oder A Dangerous Profession (USA 1949). San Quentin ist ein laues Gefängnisdrama mit teils mäßigen, unglaubwürdigen Darstellerleistungen und einem völlig abstrusen Schluss. Nicht empfehlenswert!

 

Bild- und tontechnisch gute DVD-Edition (2011) der britischen Odeon Entertainment mit dem Film ungekürzt und inklusive der englischen Tonspur ohne Untertitel und ohne Extras. Die US-DVD (2006) von Warner Bros. bietet zusätzlich Untertitel auf Englisch, Französisch und Spanisch sowie folgende Extras: einen Audiokommentar der Filmhistorikern Patricia King Hanson, den Kurzfilm The Man Without a Country, den Cartoon Porky's Double Trouble, das Featurette Welcome to the Big House und den original US-Kinotrailer.

 


Pre Noir | 1937 | USA | Lloyd Bacon | Sidney Hickox | Barton MacLane | Frank Faylen | Humphrey Bogart | Joe Sawyer | Marc Lawrence | Pat O’Brien | Ann Sheridan

Neuen Kommentar schreiben

Durch Absenden dieses Formulars akzeptieren Sie die Mollom Privatsphärenrichtlinie.