Misconduct

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Bewertung
**
Originaltitel
Misconduct
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Josh Duhamel, Anthony Hopkins, Al Pacino, Alice Eve, Malin Akerman

Regie
Shintaro Shimosawa
Farbe
Farbe
Laufzeit
102 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New Orleans im Bundesstaat Louisiana: Die Medien berichten auf allen Kanälen über den Skandal bei Pierson Pharmaceuticals, demzufolge Forschungsergebnisse gefälscht wurden, um Medikamente schnell und in großem Stil auf den Markt zu bringen. Bereits mehrere Todesopfer sind zu beklagen und eine gerichtliche Untersuchung soll klären, inwieweit der publikumsscheue CEO Arthur Denning (Anthony Hopkins) persönlich Verantwortung zu tragen hat. Bei einem Spaziergang, den Denning mit seiner Freundin und Mitarbeiterin Emily Hines (Malin Akerman) unternimmt, fordert sie ihn auf, mit ihr nach London zu verreisen. Doch Denning lehnt ab, da es ihn schuldig erscheinen lassen könnte. Sein Telefon klingelt, er muss ins Büro zurück. Emily ist aufgebracht und droht allein zu reisen. Indessen versucht Denning sie zu beschwichtigen und sein Leibwächter Graham (Jason Gibson) will sie aufhalten, aber  schließlich lässt Arthur Denning sie gehen. Am Abend kommt er nach Haus und Emily ist nicht dort. Als er sie im oberen Stock suchen gehen will, klingelt sein Telefon und er erhält ein Foto Emilys mit blutender Lippe und dem Hinweis ihrer Entführer, dass sie innerhalb von 12 Stunden tot sein könne. Mit Jane Clemente (Julia Stiles) und Joe Bilson (Marcus Lyle Brown), Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes, bespricht Denning, was zu tun sei. Kurz darauf melden sich die Entführer. Zur belebten Mittagsstunde sollen in der zentral gelegenen Kunstgalerie Octavia 2,5 Millionen US-Dollar in bar an Unbekannt übergeben werden…

 

“You poked the bear. Now you woke him." Irgendwo in diesem Chaos von Drehbuch steckt eine ambitionierte und womöglich spannende Geschichte, die es wert wäre erzählt zu werden. Der Konjunktiv macht deutlich, dass sie im Film selbst nicht zum Tragen kommt. Das erste Drittel war solide und baut allerlei Erwartungen auf, das zweite im Ganzen noch akzeptabel, obgleich schon erste Anzeichen für Inkonsistenz und Niedergang zu finden sind. Das letzte Drittel ist vollends unglaubwürdig, fast schon albern, und erst die Schlusssequenz macht deutlich, wie sich die Autoren Simon Boyes und Adam Mason den Zusammenhang mit dem Beginn ihrer Filmerzählung wohl dachten. Offenbar hofften sie, sich auf dem Terrain des Neo Noirs als Seismographen einer moralischen Haltung zu behaupten, die den Abgrund einer Rechtsauffassung um den Preis eines systematischen Betrugs als solchen bloßlegt. „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“, formulierte der deutsch-jüdische Philosoph Theodor W. Adorno in seinem Werk Minima Moralia (EA 1951), und derlei ist im Gespür für die Logik einer ethischen Orientierung im Leben auch ein dem Film Noir und dem Neo Noir eigener Kern. Von Robert Quines Schachmatt (USA 1954) über Elio Petris Trauen Sie Alfredo einen Mord zu? (ITA/FRA 1961) bis zu Ridley Scotts The Counselor (UK/USA 2013) wird der Zuschauer immer wieder Zeuge, wie Selbstjustiz im Namen der Gerechtigkeit die Menschen in ihrem Innersten korrumpiert und zerfrisst. Bei den 11 Prozessen, die der aufstrebende Rechtsanwalt Ben Cahill (Josh Duhamel) in Serie gewann, arbeitete er stets mithilfe vieler durch den Hacker Giffords (Chris Marquette) gefälschter Beweise - im Dienst der Gerechtigkeit und seiner Mandanten. Cahill sieht sich als moderner Robin Hood, böte doch das Rechtssystem der Gerechtigkeit sonst keine Chance. Der Film Misconduct erzählt seine Geschichte und zeigt, was dadurch aus ihm wurde.

 

“This clumsy, poorly written action thriller is such a complete catastrophe that you wonder how actors with the stature of Mr. Hopkins and Mr. Pacino were bamboozled into appearing in it", schrieb Stephen Holden für die New York Times und liegt damit nicht falsch. Was ansprechend klingt, ist in der Umsetzung derart lumpig zusammengestückelt, dass man sich geradezu veräppelt vorkommt. Der Protagonist und sein Widersacher treffen sich nachts wie zufällig im Zentrum von New Orleans auf offener Straße. Der eine hatte eben eine Waffe, jetzt aber nicht mehr. Es kommt zu Verfolgung und Kampf, und weit und breit ist sonst kein Mensch zu sehen… Zunehmend wirr und fast grotesk schlittert der Film in den letzten 25 Minuten seinem Ende entgegen. Der Rollencharakter und die darstellerischen Qualitäten von Alice Eve liegen klar unterm geforderten Durchschnitt; auch für Malin Akerman ist das Mitwirken in diesem Schlamassel von Neo Noir wohl kaum förderlich. Hopkins und Pacino bieten mit ihrer Routine einen allemal gewachsenen Standard - ein Schauspiel für die Lohntüte, nicht weiter der Rede wert. Als der Abspann lief, fiel mir auf, wie sehr ich Leuten à la Steven Soderbergh (Die Kehrseite der Medaille, USA 1995) nachtrauere, der aus dem Stoff etwas besseres gezaubert hätte, denn dies war einst sein Terrain.

 

Gute deutsche BD- und DVD-Editionen (2016) der KSM GmbH in Kooperation mit Wild Bunch Germany als Ruf der Macht - Im Sumpf der Korruption. Der Film ist ungekürzt und im Originalformat beinhaltet, dazu gibt es den englischen Originalton oder eine deutsche Synbchronisation, mit optional deutschen Untertiteln, ein Making of, den Kinotrailer und eine Bildergalerie als Extras.

 


Neo Noir | 2016 | USA | Shintaro Shimosawa | Al Pacino | Julia Stiles

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